Forensisches Interview: Kriminalistische Gesprächskompetenz für Unternehmer! (I)

Veröffentlicht am 17. Juni 2011 in der Kategorie Management & People Skills von

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Das forensische Interview: Kriminalistische GesprächskompetenzHeutzutage sehen sich Führungspersönlichkeiten mit der Aufgabe konfrontiert, in zahlreichen völlig unterschiedlichen Gesprächssituationen die jeweiligen Gesprächsverläufe souverän beherrschen zu müssen.

Es reicht längst nicht mehr aus, sich lediglich punktuell zu ein paar bestimmten Einzelthemen, wie beispielsweise Verkaufsgesprächen oder Bewerbergesprächen, fortzubilden und sich diesbezüglich ein paar rhetorische Tricks anzueignen.

Viele rhetorische Tricks sind veraltet

Die Komplexität und das Niveau der meisten Gesprächssituationen sind hoch wie nie zuvor. Hier kommen zahlreiche verschiedene Faktoren zum Tragen. Einerseits sind viele Thematiken viel komplexer geworden als früher, andererseits gibt es heutzutage kaum mehr Gesprächspartner, die nicht selbst eine Vielzahl an Gesprächstechnikschulungen absolviert haben. Rhetorische Tricks, die vielleicht noch vor zehn Jahren hervorragend funktioniert haben, sind heutzutage oft ein alter Hut und zeigen dem Gegenüber nur, dass man selbst nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Gesprächstaktik ist.

Hinzu kommt noch, dass es auch nicht mehr ökonomisch ist, sich zu jedem Einzelthema, wie zum Beispiel Bewerbergesprächen, Konfliktgesprächen, Verhandlungsgesprächen, Sachverhaltsklärungen oder Gesprächen, die Mitarbeiterkriminalität zur Grundlage haben, jeweils einzeln und ausführlich fortbilden zu lassen. Vielmehr wird aufgrund der gestiegenen Gesamtanforderungen eine fundierte und sehr tiefgehende Gesprächskompetenz benötigt, die universell einsetzbar ist und die nur noch mit gezielten Aufbaumodulen zu den verschiedenen Themengebieten ergänzt werden braucht.

Einschätzung der Glaubwürdigkeit und Glaubhaftigkeit

Im Vordergrund stehen dabei die Glaubwürdigkeits- und die Glaubhaftigkeitseinschätzung, unabhängig davon, ob es sich beim Gesprächspartner um einen verdächtigen Mitarbeiter, um einen Stellenbewerber oder um einen schwierigen Verhandlungspartner handelt. Psychologisch unterscheidet man Glaubwürdigkeit und Glaubhaftigkeit insofern, als dass Glaubwürdigkeit Personen als solche betrifft, während Glaubhaftigkeit auf bestimmte Gesprächsaussagen abzielt. Insofern kann eine grundsätzlich glaubwürdige Person trotzdem in bestimmten Fällen aus Eigennutz oder einer Zwangslage heraus unglaubhafte Aussagen treffen.

Kriminalistische Befragungstaktiken und respektive forensische Interviewtechniken weisen gegenüber allen anderen Gesprächstechniken eine spezifische Besonderheit auf. Grundlage der Gesprächspartnereinschätzung sind nicht naheliegende Vermutungen, sondern Fakten. Der kriminalistische Begriff „Forensik“ bezeichnet die Aufklärung und Beweisbarmachung von Sachverhalten.

Wer lügt, wer sagt die Wahrheit?

Viele denken hierbei nur an den aus zahlreichen Fernsehkrimis bekannten Forensiker aus der Rechtsmedizin. Tatsächlich haben ein Rechtsmediziner, ein Fachmann für EDV-Sicherheit und ein kriminalistischer Gesprächsexperte die gleiche Aufgabe: Sie klären Sachverhalte auf und machen sie beweisbar. Einfach ausgedrückt: „Lügt mich mein Gegenüber an oder spricht es die Wahrheit?“.

Mit Menschenkenntnis kommt man hierbei, ganz im Gegensatz zur gesellschaftlich verbreiteten Meinung, nicht besonders weit. Zu viele Einzelfaktoren kommen in Gesprächsverläufen zum Tragen, die selbst den besten Menschenkenner schnell zu einer falschen Einschätzung gelangen lassen können. Solche Fehleinschätzung haben oft teure und nicht selten auch fatale Folgen.

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(Das Buch zum Artikel: Kriminalistische Befragungstaktiken für die Wirtschaft)

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