Forensisches Interview: Kriminalistische Gesprächskompetenz für Unternehmer! (V)

Veröffentlicht am 14. Juli 2011 in der Kategorie Management & People Skills von

Bei älteren Gebäuden sind manche Räumlichkeiten mit Stahlbetonwänden versehen, die keinen Handyempfang zulassen. Wenn das Verhandlungs- oder Gesprächsthema als geheim oder sehr sensibel einzustufen ist, bietet auch die Wahl solcher Räumlichkeiten einen guten Schutz gegen das Mithören von Gesprächen durch Dritte.

Psychologie als Fundament der taktischen Gesprächsführung

Neben den fünf Säulen des Marco Löw Befragungssystems spielt auch noch eine sechste Komponente bei der taktischen Gesprächsdurchführung eine wesentliche Rolle, nämlich die Psychologie mit Schwerpunkt der Aussagepsychologie und der Manipulationserkennung. Die Psychologie wird aber nicht als sechste Säule, sondern vielmehr als grundlegendes Fundament betrachtet.

Hierzu gehören neben (verdächtigen) psychologisch bedingten Verhaltensweisen des Gesprächspartners auch dessen Aussagemotivation. Falschaussagen können vielfache Ursachen haben wie beispielsweise Vorteilserlangung, Befangenheit oder Irrtum. Daher ist es notwendig auch die psychologischen Gründe und Rechtfertigungsdenkweisen zu kennen.

Fast jeder erwachsene Mensch ist in der Lage Gut und Böse zu unterscheiden. Wenn ein Mensch also kein Psychopath oder sonstiger psychisch schwer gestörter Mensch ist, dann ist er sich über die moralische Komponente seiner Tat bewusst. Daher müssen wir Menschen alle unsere Taten die moralisch nicht einwandfrei sind vor uns selbst rechtfertigen um mit uns selbst ins Reine zu kommen.

Dies tun wir Menschen in fast allen Fällen in Form der folgenden Denkweisen:

  1. Bagatellisierungsdenkweise
  2. Projektionsdenkweise
  3. Rationalisierungsdenkweise

Bei der Bagatellisierung reden wir die Bedeutung der Tat klein (z.B. sogenannte Kavaliersdelikte). Können wir die Tat vor uns selbst nicht glaubhaft kleinreden, so greifen wir zur Projektionsdenkweise in dem wir eine andere Person oder ein bestimmtes Ereignis für unsere Tat verantwortlich machen oder aber uns einreden, dass wir aufgrund eines Handlungszwangs (Rationalisierungsdenkweise) nicht anders handeln konnten wie z.B. Ehrenrettung einer nahestehenden Person, Schutz einer dritten Person, Interessensabwägung zwischen Einzel- und Gruppeninteressen etc.

Man kann durch die Art der Argumentation des Gesprächspartners und dessen geschickter Befragung herausfinden welche Rechtfertigungsdenkweise voraussichtlich bei diesem eine Rolle spielen könnte. Darauf kann man aufbauen und psychologische Wirkungen erzielen. Um die Bagatellisierungsdenkweise zu widerlegen führt man dem Gesprächspartner beispielsweise plastisch vor Augen, welche schlimmen Konsequenzen seine Handlungen für andere Menschen nach sich gezogen haben. Dies ist nur eines von vielen verschiedenen Hilfsmitteln um den Gesprächspartner zu lenken und im positiven Sinne zu manipulieren.

Ebenso muss man während des Gespräches unbedingt vermeiden, selbst Opfer von Manipulation zu werden. Daher spielen fundierte Kenntnisse in der Aussagepsychologie und der Manipulationserkennung und -anwendung eine wichtige Grundlage für erfolgreiche taktische Gesprächsführungen mit forensischen Interviewtechniken.

Während der Gesprächsdurchführung ist auch die taktische Wahl der Sitzpositionen eine sehr wichtige Komponente in vielerlei Hinsichten, beispielsweise für eine optimale nonverbale Wahrnehmung des Gesprächspartners.

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(Das Buch zum Artikel: Kriminalistische Befragungstaktiken für die Wirtschaft)

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