Forensisches Interview: Kriminalistische Gesprächskompetenz für Unternehmer! (IV)

Veröffentlicht am 5. Juli 2011 in der Kategorie Management & People Skills von

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Forensisches Interview: Kriminalistische Gesprächskompetenz für UnternehmerNachfolgend erkläre ich, wie man ein Gespräch nach taktischen Erwägungen strukturiert und durchführt.

Der Einfachheit halber und um den Rahmen dieser Serie nicht zu sprengen, beschränke ich mich bei den nachfolgenden Schilderungen auf grundsätzliche Aussagen zu Gesprächspartnern mit unterschiedlichem Status.

Schritt 2: Taktische Gesprächsdurchführung

Personen mit unterschiedlichem Status wären beispielsweise Auskunftspersonen (Zeugen), verdächtige Mitarbeiter (Mitarbeiterkriminalität), Verhandlungspartner, allgemeine Gesprächspartner, Personen mit unklarem Status (z.B. wechselseitige Vorwürfe zu irgendeinem Thema, unklar ob Zeuge oder Verdächtiger), Stellenbewerber für sensible Geschäftsbereiche usw.

Da forensische Befragungstechniken für nahezu jede Gesprächssituation und Statusform zielführend eingesetzt werden können, gibt es für die Anwendbarkeit der kriminalistischen Gesprächstechniken keinerlei Beschränkungen.

Die nachfolgenden Angaben streifen daher Vorgehensweisen für Personen von unterschiedlichem Status. In der Praxis werden für jeden Gesprächspartnerstatus einzelfallbezogen die Gespräche vorbereitet und durchgeführt. Insofern sind die nun folgenden Angaben nicht als pauschale Aussagen zu werten.

Störungen sollten vermieden werden

Bei der Örtlichkeitswahl sollte eine Räumlichkeit gewählt werden, bei der Störungen bestmöglich vermieden werden und die deshalb nicht in exponierter Stelle befindlich sein sollte. Ebenfalls sollte die Örtlichkeit so gewählt werden, dass sie frei von akustischen Störungen und in der Nähe einer Toilette gelegen ist. Ggf. sollte für Raucher eine Möglichkeit zum Rauchen berücksichtigt werden, ohne dass längere Wegstrecken zurückgelegt werden müssen.

Das Telefon sollte abgeschaltet oder umgeleitet werden und an der Tür sollte ein „Bitte nicht stören“-Schild angebracht sein. Alle Gesprächsteilnehmer sollten aufgefordert werden, die Handys abzuschalten. Bei sehr wichtigen Gesprächen wie zum Beispiel bei Verhandlungen mit hoher Tragweite oder verdächtigen Mitarbeitern sollten die Handys aller Beteiligten abgeschaltet in ein Behältnis gelegt werden, dass von der direkten Gesprächsörtlichkeit einige Meter entfernt ist, um heimliche Gesprächsaufzeichnungen oder Filmaufnahmen zu unterbinden.

Ideal wäre es, wenn durch die Örtlichkeitswahl sichergestellt werden könnte, dass keiner der Beteiligten unbemerkt Kontakt zu dritten Personen aufnehmen kann. Beispielsweise durch Telefonieren auf der Toilette mit dem nicht abgegebenen Handy. Behalten alle Personen ihre Handys, so können diese die Handys auf der Toilette wieder in Betrieb nehmen und ggf. dann doch noch Gesprächsmitschnitte aufzeichnen oder Filmaufnahmen anfertigen.

Vor Gesprächsbeginn sollten für bestimmte Maßnahmen wie zum Beispiel die gemeinsame Handyabgabe logische und freundlich formulierte Begründungen formuliert werden. Der Interviewer sollte mit gutem Beispiel vorangehen. Unabhängig vom Gesprächsanlass sollte, von spezifischen Einzelfallausnahmen abgesehen, auf eine grundsätzlich freundliche Gesprächsatmosphäre geachtet werden, denn eine solche ist fast immer die bessere Basis zum Gesprächserfolg.

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(Das Buch zum Artikel: Kriminalistische Befragungstaktiken für die Wirtschaft)

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