Forensisches Interview: Kriminalistische Gesprächskompetenz für Unternehmer! (IX)

Veröffentlicht am 8. August 2011 in der Kategorie Management & People Skills von

Themen:

Das Marco Löw Befragungssystem unterscheidet wie bereits dargelegt die Ebenen der verbalen Wahrnehmung und die der nonverbalen Wahrnehmung.

Da es sich hierbei ebenso wie beim Thema der Fragetaktiken um einen inhaltlich sehr umfassenden und tiefgehenden Bereich handelt, können diese Thematiken und entsprechende Beispiele im Rahmen dieser Serie nur angerissen werden. Dies reicht aber durchaus aus, damit sich der geneigte Leser ein grobes Überblickswissen verschaffen kann.

Bei der nonverbalen Körpersprache kommt es auf die Wahrnehmung von vier Ebenen an:

  1. Normale Körpersprache des Gesprächspartners
  2. Abweichung von der normalen Körpersprache im Gespräch und bei bestimmten Fragestellungen
  3. Wahrnehmung von allgemeinen körpersprachlichen Warnsignalen
  4. Wahrnehmung von allgemeinen körpersprachlichen Glaubwürdigkeitssignalen

Bei der verbalen Sprache kommt es ebenfalls auf die Wahrnehmung von vier Ebenen an:

  1. Normale verbale Sprachegewohnheiten
  2. Abweichung von den normalen Sprachgewohnheiten im Gespräch und bei bestimmten Fragen
  3. Wahrnehmung von allgemeinen verbalen Warnsignalen
  4. Wahrnehmung von allgemeinen verbalen Glaubwürdigkeitssignalen

Körpersprachliche Warn- und Glaubwürdigkeitssignale:

Ein allgemein bekanntes Beispiel für ein körpersprachliches Warnsignal sind feuchte Hände. Hierbei ist allerdings zu unterscheiden, ob der Gesprächspartner von Haus aus zu feuchten Händen neigt, oder ob die Transpiration erst in einer Situation stattfindet, die der Gesprächspartner als sehr stresslastig empfindet. Das Abwischen der Hände (häufig Hose oder Stuhlpolster) kann ein Hinweis auf eine hohe Stressbelastung sein. Wie schon mehrfach ausgeführt, geht es aber um die Gesamtwahrnehmung und nicht um die Dogmatisierung von einzelnen Komponenten. Da diese einzelnen Komponenten aber zur Gesamtwahrnehmung entsprechend beitragen, werden sie im Rahmen dieser Serie auch dementsprechend erklärt.

Das Beispiel mit den feuchten Händen ist nur eines von vielen. Es eignet sich aber gut für das Erklären der Wahrnehmung eines einzelnen nonverbalen Stresssignales.

Die Wahrnehmung beginnt bereits bei der Begrüßung. Ein freundlicher Händedruck ist nicht nur eine Anstandsfrage, sondern auch eines von vielen geeigneten Wahrnehmungsmitteln. Hat der Gesprächspartner beim Händedruck trockene Hände und während des Vorgespräches erfolgt ebenfalls kein Abwischen der Hände, so deutet dies auf einen selbstsicheren Gesprächspartner hin. Beobachtet man sodann das Händeabwischen nur bei bestimmten Themen oder speziellen Fragestellungen, so stellt sich die Frage, warum diese spezielle Frage oder dieses spezielle Thema den Gesprächspartner so unter Stress setzt. Hierfür muss es einen Grund geben, und um diesen herauszufinden, werden forensische Befragungstechniken zur Sachverhaltsklärung unauffällig und elegant eingesetzt.

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(Das Buch zum Artikel: Kriminalistische Befragungstaktiken für die Wirtschaft)

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