Trotz Fachkräftemangel: Generation Y für sich gewinnen! (Teil II)

Veröffentlicht am 11. September 2014 in der Kategorie Management & People Skills von

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Trotz Fachkräftemangel: Generation Y für sich gewinnen! (Teil II)
Der erste Artikel handelt vom zukünftigen Fachkräftemangel, von der Situation des deutschen Arbeitsmarktes und erläutert, wie Unternehmen vorgehen können, um qualifizierte Bewerber zu finden. Der folgende Artikel beschreibt die Generation Y, die durch sie entstehenden Arbeitsstrukturen und die Wünsche der zukünftigen Bewerber.

Die Ressource "Mitarbeiter" wird knapp: Das müssen Unternehmen tun!

Was Fluggesellschaften, Hotellerie, Touristikunternehmen und vergleichbare Branchen längst als Vermarktungsprinzip ihrer Kapazitäten mit Yield & Revenue Management praktizieren, gilt heute auch für die Ressource „Mitarbeiter“: Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Doch hier geht es nicht allein um die Lohntüte. Die Arbeitsbedingungen werden sich verbessern müssen – gerade was

  • Niedriglöhner,
  • Minijobber,
  • Praktikanten und
  • Befristung von Arbeitsverträgen

angeht. Als erste werden die Top Qualifizierten profitieren. Doch es wird nicht lange dauern, dann gehören auch die Randgruppen am Arbeitsmarkt zu den Gewinnern. Kein Unternehmen – egal welcher Branche – wird es sich künftig mehr leisten können, sich nur die Rosinen aus dem Kuchen (Arbeitsmarkt) herauszupicken.

Jenseits aller Zahlen und Daten müssen wir – ob wir wollen oder nicht – auch die veränderte Einstellung der Menschen zu ihrer Arbeit berücksichtigen. Für junge Karrieristen und Jobsucher stehen beim Bewerben neuerdings Parameter im Fokus, die in dieser Form bisher unbekannt waren.

Der Nachwuchs kommt heute in der Regel aus Elternhäusern, die (wenn überhaupt) eine andere Erziehung vermittelt haben, als sie noch in der Generation ihrer Eltern praktiziert wurde. Die Youngsters von heute betrachten Wohlstand und Freizeit als Selbstverständlichkeit – und nicht nur als das Ergebnis von Arbeit und Leistung. Der Konsum-, Hobby- und Freizeitbereich steht in ihrem Ranking weit über Arbeit und Beruf. Das vermittelt ihnen Selbstwertgefühl und Anerkennung.

Revolutioniert die 'Generation Y' unsere Arbeitswelt?

Im Personalmarkt von heute und morgen ticken die Uhren plötzlich ganz anders, als wir es aus unserer eigenen Berufslaufbahn gewohnt waren. Wir erleben die Generation Y, also die nach 1985 Geborenen, mit all ihren Wünschen, Erwartungen und Zielen. Es ist die erste Generation, die mit der Work-Life-Balance-Welle groß geworden ist - behütet und größtenteils in Wohlstand gebettet.

Eine Generation, die es von Geburt an gewohnt ist, im Mittelpunkt zu stehen und in allen Belangen gefragt zu werden: Ob sie Fußball spielen wollen, Tennis oder doch lieber Geige. Und natürlich durften sie immer alles ausprobieren, „um sich zu finden“.

Trotz Fachkräftemangel: Generation Y für sich gewinnen! (Teil II)"Karriere hat immer mit 'sich Verbiegen' zutun" - wirklich?

Seit etwa drei Jahren erleben Personalentscheider in zahlreichen Bewerber-Interviews für Nachwuchspositionen, was auch die Untersuchungen des Instituts für Arbeit und Beruf bestätigen: junge Leute hinterfragen den Beruf immer kritischer.

  • Hobbys,
  • Familie,
  • die Verbundenheit zum derzeitigen Wohnort und
  • private Netzwerke

werden wichtiger.

Immer öfter hören wir den Satz:

  • Ich kann mir nicht vorstellen, diesen harten Job ein Leben lang zu machen“.

Oder:

  • Ich leiste schon mehr als der Durchschnitt. Aber es ist mir wichtiger, mit Freunden auszugehen, als mehr zu verdienen“.

Menschen suchen mehr denn je nach einem Arbeitsplatz, der sie begeistert, wo sie Anerkennung finden, anständig behandelt werden - und nicht nur nach einem Job, der ihnen die schnelle Karriere verspricht und sie dabei auffrisst. „Karriere hat immer was mit dem Verzicht auf eigene Interessen und mit ‚sich Verbiegen’ zutun“, sagte neulich ein junger High Potential.

Mehr als ein gutes Gehalt! So denken zukünftige Arbeitnehmer ...

Diese jungen Menschen sind weniger körperlich, geistig und psychisch belastbar, als wir vielleicht glauben, kleben vielmehr an der heimischen „Scholle“ und sind demotiviert, wenn man in der Arbeitswelt ihre Meinung übergeht.

Die Youngsters wollen ständiges Feedback, möglichst positives natürlich. Sie arbeiten am liebsten an abwechslungsreichen, „sinnvollen“ Projekten, selbstbestimmt, in möglichst kleinen Teams. Da zeigen sie dann durchaus Leistung. Heute überlegen diese Kandidaten:

  • Passt der Job in mein Lebenskonzept?
  • Habe ich noch Zeit für Sport und Musik, für die Familie, für mich?

Trotz Fachkräftemangel: Generation Y für sich gewinnen! (Teil II)Das Angebot "Auslandserfahrung" ist nicht gewünscht - Ein Beispiel.

Das hat auch ein profilierter Unternehmer aus Süddeutschland beim Thema Mobilitätsbereitschaft feststellen müssen. Er gehört ganz sicher zu den innovativen Arbeitgebern seiner Branche. Er meint es wirklich gut mit seinen Leuten. So hat er sich auf die Fahne geschrieben, seinen Mitarbeitern die Tür zur Welt zu öffnen.

Er unterhält z.B. eine Kooperation mit Partnerunternehmen im In- und Ausland, die jungen, ambitionierten Leuten die Chance zu bieten, Erfahrung im Ausland oder in Kollegenbetrieben zu erlangen – und umgekehrt deren Mitarbeitern Horizonterweiterung in seinem Betrieb näher zu bringen.

Rückkehrgarantie eingeschlossen: „Trotzdem schlägt keiner der Kandidaten gleich zu“ so der mittelständische Unternehmer. „Das muss ich erst mal mit meiner Freundin besprechen“, erklärt der eine. Ein anderer zögert wegen der langen Abwesenheit von Zuhause. So geht es lustig weiter: „Vielleicht. Mal sehen. Nur, wenn...“ Oder einfach: „Nein, danke“.

Dennoch lässt er sich von dieser Erfahrung jedoch nicht unterkriegen. Denn er ist von seiner Idee der Mitarbeiterförderung überzeugt. Im Gegensatz zu früher müssen heute immer mehr Führungskräfte und Personalberater, die mit der Generation Y in Kontakt kommen, Ähnliches feststellen. Offiziell will das so niemand zugeben. Schließlich braucht die Wirtschaft die Generation Y: Der Nachwuchs ist knapp. Kein Unternehmen kann es sich leisten, die Chefs von Morgen zu verprellen.

Generation Y: Warum tickt sie so anders?

Wir fragen uns: Sind das alles Weicheier, die sich vor Karriere und Chef sein drücken? Oder haben wir es mit einem cleveren Nachwuchs zu tun, jungen Leuten, die nur lautstark einfordern, was viele gerne hätten, sich nur nie zu fordern trauten: Ein erfülltes Leben neben der Arbeit? Schließlich haben sie vielfach zu Hause auch die Kehrseite des wirtschaftlichen Erfolgs erlebt.

Trotz Fachkräftemangel: Generation Y für sich gewinnen! (Teil II)

  • Soll ich mich kaputt machen“, fragen sie ihre Karriere-Väter vorwurfsvoll.
  • Was habe ich davon? Einen Herzinfarkt mit 50, wie Du? Eine geschiedene Ehe, eine zerrüttete Familie. Nein, verheizen lasse ich mich nicht“.

Der Ausgleich - Sport, Hobbies, Freunde - spielt für sie eine immer größere Rolle. Monetäre Anreize stehen nicht mehr an erster Stelle. Dafür sind sie bereit, auf gewisse Dinge zu verzichten.

Die Jahre der Finanzkrise, Euro-Drama und Gier-Debatte haben in den Köpfen der Heranwachsenden einiges verschoben. Besonders gestandene Führungskräfte rasten förmlich aus, wenn sie das hören.

  • Wie sollen diese Youngsters mal Verantwortung übernehmen? fragen sie.
  • Wo soll der nötige Biss herkommen?

Während wir früher nach einer Gehaltserhöhung gefragt haben, fragen die heute nach Babypause oder Sabbaticals, lästerte neulich ein älterer Unternehmer.

  • Arbeit,
  • Disziplin,
  • Fleiß und
  • wirtschaftlicher Erfolg

– das waren die Werte, mit denen er aufgewachsen war. Kräftig in die Hände gespuckt, so steigern wir das Bruttosozialprodukt! Doch es gibt auch andere Beispiele.

Die Arbeitswelt aufmischen & Leistung zeigen! Klappt dieser Weg?

Keine Panik. Ein abstraktes Leistungsprinzip lehnt die Generation Y zwar ab, doch ist Leistungsfreude durchaus vorhanden. So zeigt sich in Kontakten mit jungen Leuten auch Beruhigendes über die Generation der Karriereverweigerer: Sie haben zwar keine Lust auf Chef - aber wer es einmal ausprobiert hat, dem gefällt es. Appetit kommt bekanntlich beim Essen. Hier hat die Wirtschaft alle Chancen der Welt, Leistungsbereitschaft

  • zu entfachen,
  • zu fördern,
  • herauszufordern

und ihr mit Wertschätzung zu begegnen.

Bei berechtigter Kritik hilft es jedoch nicht mehr, mit der Holzhammer-Methode vorzugehen „Das hast Du aber falsch gemacht“, sondern den Weg aufzuzeigen, wie etwas beim nächsten Mal noch besser gemacht werden kann. Das motiviert und weckt den Ansporn zu besserer Leistung.

Allerdings – bitte jetzt ganz cool bleiben – ist oft zu beobachten: Da hat sich mal einer der jungen Leute richtig engagiert, dann heißt es anschließend gleich: Gang runter schalten, Privatleben genießen. „Entweder die Arbeit lässt sich so organisieren, oder ich kündige“. So ist diese Generation eben. Wirklich? Was denken Sie?