Körpersprache richtig deuten: Wie gut kennst du dein Team?

Veröffentlicht am 30. Oktober 2018 in der Kategorie Management & People Skills von

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Körpersprache richtig deuten: Wie gut kennst du dein Team?

Manfred D. tippt mit dem Finger gegen den Bildschirm seines Laptops:

"Was ist mit dem Müller? Hat er den Vertrag jetzt endlich unterschrieben? Langsam drängt die Zeit, außerdem ist es ihr größter Kunde."

Ohne aufzusehen scrollt der Verkaufsleiter durch die Kundendatei, während sein Mitarbeiter tief durchatmet, sich die Krawatte richtet und dabei gleichzeitig auf dem Bürostuhl ein Stück nach hinten rutscht.

"Alles in Ordnung, der Vertrag soll demnächst retour geschickt werden."

Manfred nickt gelassen, genau das wollte er hören. Eine knappe halbe Stunde später verabschiedet er seinen Vertriebsmitarbeiter. Zufrieden sieht er aus dem Bürofenster. Dieses Mitarbeitergespräch lief ganz nach seinem Geschmack, schließlich ist im umsatzstärksten Verkaufsgebiet alles in Ordnung, befindet er.

Hätte sich Manfred D. mehr auf seinen Mitarbeiter konzentriert, statt ständig auf den Laptop zu starren, wäre er sicherlich anderer Meinung. Dann hätte er erkennen können, dass mit dem Vertrag überhaupt nichts in Ordnung ist. Dann wäre ihm der massive Konflikt aufgefallen, den sein Vertrkiebsmann erlebte, als er seinen Chef zu beruhigen versuchte. Sämtliche körpersprachlichen Signale waren nämlich auf Flucht ausgerichtet:

Das Ausatmen, der Griff zum Krawattenknopf, um sich Luft zu verschaffen, selbst das kurze Aufrichten vom Stuhl sind allesamt unbewusste Fluchtsignale, die wir versenden, wenn wir eine Situation als Konflikt erleben.

Körpersprache: Signale erkennen

An diesem Beispiel erkennst du bereits die hohe Bedeutung der körpersprachlichen Signale für die Führungsarbeit. Deine Mitarbeiter liefern dir wertvolle Hinweise, welche Gedanken ihnen tatsächlich gerade durch den Kopf gehen und was sie in diesem Moment empfinden. Achte besonders auf ihre:

  • Gesten
  • Mimiken
  • Reaktionen

So können Führungskräfte anhand nonverbaler Signale feststellen, ob:

  • der Gesprächspartner überfordert oder unterfordert ist
  • sich der Mitarbeiter motivierend behandelt fühlt
  • der Angestellte das Gespräch sogar als eine Bedrohung empfindet
  • der Mitarbeiter dem Unternehmen gegenüber motiviert und loyal eingestellt ist
  • der Mitarbeiter bereits innerlich gekündigt hat

Lässt sich Körpersprache wirklich lesen?

Die Frage nach der korrekten Interpretation unseres nonverbalen Verhaltens sorgt gerne für gehörigen Zündstoff. Während in diversen Frauen- und Männerzeitschriften häufig aus einer einzigen Kopfhaltung ein komplettes Psychogramm erstellt wird, sorgen die Kommentare von Körpersprache-Experten im Fernsehen, beispielsweise im Rahmen von Politdiskussionen, häufig für einige Verwirrung.

Also was jetzt? Darf man nun die Arme vor dem Körper verschränken oder nicht? Wohin mit den Beinen im Gespräch? Doch so kompliziert ist die korrekte Interpretation nicht, sofern man versteht, auf welche Bereiche man achten sollte.

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Körpersprache: Evolutionäre Entwicklungen

Die meisten unserer nonverbalen Ausdrucksformen stammen aus den Anfängen der Menschheit. Damals, als uns noch die Sprache als Kommunikationsmittel fehlte, verständigten wir uns hauptsächlich durch unseren Körper. Zu dieser Zeit hing unser Überleben von der Fähigkeit ab, die Zeichen unserer Mitmenschen richtig zu interpretieren.

Wir sind beispielsweise in der Lage, die Signale von Angst innerhalb von 17 Millisekunden zu erkennen und als Bedrohung zu identifizieren. Eine Reaktionszeit, die in etwa der Geschwindigkeit eines Wimpernschlages entspricht.

Eine überlebenswichtige Entwicklung unserer Vorfahren. Wenn unser Gegenüber plötzlich die Augen aufriss, dann überlebten diejenigen von uns, die sofort davonliefen. Jene, die diese Geste langatmig hinterfragten, wurden höchstwahrscheinlich von dem Raubtier hinter ihnen umgebracht.

Doch nicht alle Körpersignale stammen aus der Steinzeit, daher unterscheiden wir evolutionär entwickelte körpersprachliche Zeichen von den relativ jungen nonverbalen Entwicklungen, die noch dazu regional und kulturell höchst unterschiedlich ausfallen können, wie beispielsweise das Händeschütteln. So müssen Führungskräfte oft ihre interkulturelle Kompetenzen beweisen, wenn sie beispielsweise mit ausländischen Fachkräften zusammenarbeiten.

EXTRA: Körpersprache: Mit diesen 10 Tipps überzeugst du alle

Was Führungskräfte wissen sollten

Die häufigste körpersprachliche Reaktion, die gleichzeitig für Teamleiter und Unternehmer die wohl wichtigste Bedeutung besitzt, ist die Art und Weise, wie wir auf Konflikte reagieren. Konflikte treten bei uns immer dann auf, sobald wir eine Situation oder das Verhalten unseres Gesprächspartners nicht eindeutig als friedlich einschätzen können.

Wenn du als Führungskraft deinem Mitarbeiter die Frage stellst, ob dieser letzte Woche den Kunden Maier besucht hat, laufen bei diesem beinahe gleichzeitig unzählige Gedanken durch den Kopf.

  • Wieso fragt er mich das?
  • Misstraut er mir?
  • Welche Antwort erwartet er jetzt?
  • Was kommt denn nun?

Wir erleben diese Frage als Konflikt, den unser Gehirn sogar als lebensbedrohlich empfindet, auch wenn es überhaupt nicht der Fall ist.

EXTRA: Wer fragt, der führt - Fragetechniken für Führungskräfte

Wie reagiert der Mensch auf Konflikte?

Auf Konflikte reagieren wir immer gleich: Entweder durch Erstarren, durch Angriff oder wir ergreifen die Flucht. Doch statt davonzulaufen, reagieren wir heute weit subtiler, wie beispielsweise:

  • Flucht wird durch einen kleinen Schritt nach hinten signalisiert. Oder wir neigen den Oberkörper zurück.
  • Bei Erstarren halten wir sprichwörtlich die Luft an, verharren einen Moment lang in Regungslosigkeit, reißen eventuell die Augen dabei auf.
  • Angriffsverhalten zeigen wir häufig, indem wir die Distanz zum Gegenüber verringern, unsere Augen auf ihn fokussieren und den ungeschützten Oberkörper präsentieren.

Solange deine Mitarbeiter einen Konflikt erleben, sind diese nicht in der Lage, auf deine Fragen inhaltlich zu reagieren. Auch schaffen Konflikte Distanz und verhindern jeglichen Aufbau einer Beziehungsebene. Wenn du als Führungskraft einen Konflikt im Mitarbeitergespräch feststellst, solltest du zuerst dazu beitragen, diesen wieder aufzulösen, bevor du mit deiner Agenda weitermachst.

Permanente Konfliktsituationen können außerdem den Mitarbeiter so unter Druck zu setzen, dass sich dieser innerlich von dir verabschiedet. Ein Phänomen, das wir in deutschen Unternehmen nur allzu häufig vorfinden.

EXTRA: Sachlich bleiben: 5 Tipps, um Konflikte zu lösen

Bedrohungen entschärfen, Konflikte lösen

Konflikte entstehen, wenn wir uns bedroht fühlen. Wenn du diese Bedrohung entschärfst, löst sich auch der Konflikt. Manchmal hilft bereits ein Lächeln. In den meisten Fällen ist ein kurzes Briefing, das den Hintergrund oder den Sinn deiner Frage erklärt, ausreichend, damit sich dein Mitarbeiter wieder innerlich entspannt.

Es macht also für Unternehmer und Führungskräfte durchaus Sinn, sich intensiver mit Körpersprache auseinanderzusetzen, um die Mitarbeiter an der richtigen Stelle abzuholen. Auf diese Weise  kannst du Angestellte richtig motivieren und für Loyalität sorgen.


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