Agilität in Unternehmen: 5 Dinge, die sich dringend ändern müssen

Veröffentlicht am 22. März 2018 in der Kategorie Management & People Skills von

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Die Arbeitswelt ändert sich. Plötzlich stehen ganz andere Eigenschaften als früher hoch im Kurs: Kreativität und Querdenken etwa. Doch unser Bildungssystem belohnt, wer sich an Vorgaben hält und nicht den, der mutig ist und etwas wagt.

Viele Menschen sind nicht gewohnt, selbst zu denken. Bevor sie etwas ausprobieren, wollen sie wissen, wie es geht. Sie wollen Antworten, klare Prozesse, einen richtigen Weg. Doch genau den gibt es nicht mehr. Und je mehr die Digitalisierung voranschreitet, desto klarer wird, dass Rezepte von gestern heute nichts mehr taugen. Neues entsteht nie aus dem Plan, sondern immer aus dem Experiment, dem zufälligen Fehler.

In der früheren Arbeitswelt brauchten wir Menschen, die sich anpassen können, die Dinge richtig machen und Fehler vermeiden wollten.

Im digitalen Zeitalter ist genau das eines der größten Probleme: Innovationen entstehen, wenn man auch einmal loslässt und eingetretene Pfade verlässt. Querdenken verlangt ein Abweichen vom gradlinigen Prozessdenken. Wenn „agil“ auch ein synonym für „beweglich“ ist, so geht es genau darum – ein agiles Mindset, eine Mentalität des Entdeckens, Erlebens und Reflektierens.

EXTRA: Agile Strukturen: Fit für die Arbeitswelt von morgen

Mehr als die Hälfte aller Fach- und Führungskräfte ist entwicklungspsychologisch noch nicht da angekommen, wie Zahlen der Forscher William Torbert und David Rooke zeigen. Diese Menschen suchen nach "Richtig" und "Falsch" und folgen eher fremden, als eigenen Maßstäben. Sie waren in der früheren Arbeitswelt ideal. Mit dem Bildungsstand hat das wenig zu tun – eher schon mit der Art der Bildungsvermittlung. Geht es darum, Wissen zu reproduzieren oder Denken in Frage zu stellen?

Was viel zu wenig bekannt ist: Denken kann sich grundlegend ändern, in jedem Alter.

Menschen durchlaufen auch im Jugend-, aber auch Erwachsenenalter noch eine Persönlichkeitsreifung. Bei dieser helfen Feedback und Reflexion ungemein. Eine Bewertung durch Noten ist aber kein offenes Feedback in einem entwicklungsfördernden Sinn, sondern ein Urteil.

Die Ausrichtung an Optimal-Prozessen ist ebenso kontraproduktiv. Überall wo gelernt wird, gibt es Musterlösungen, Checklisten und ein Richtig-Falsch-Denken. Selbst da, wo es  offenes Denken hindert, etwa bei der Interpretation eines Textes.

Wie agil werden? 5 Punkte, die sich ändern müssen:

1. Ein dynamisches Menschenbild verankern

Die Stanford-Professorin Carol Dweck hat herausgefunden, dass Menschen, die eine statische Denk- und Handlungslogik, ein „fixed mindset“ haben, sich weniger stark ändern. Sie glauben einfach nicht an die eigene Veränderbarkeit – und dieser Glaube lässt unverrückbare Berge entstehen.

Weil diese Menschen nicht glauben, dass sie sich selbst verändern können, denken sie auch nicht, dass andere das können.

Eine wachstumsorientierte Denk- und Handlungslogik, "growth mindset", fördert ein ganz anderes Denken und sorgt sogar nachweisbar für mehr Gehirnaktivität. Würden wir Menschen so erziehen, dass sie an die eigene Veränderbarkeit aus tiefer Überzeugung glauben, wäre dies ein Riesenschritt nach vorne.

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2. Lernen und Entwicklung unterscheiden

Wer lernt, füllt Inhalte mit seinen vorhandenen Denkstrukturen auf. Damit ändert sich die Wahrnehmung nicht. Man weiß einfach nur mehr. Doch darum geht es nicht, wenn wir die Herausforderungen von Morgen bewältigen wollen. Es geht auch darum, die Art und Weise der Wahrnehmung zu verändern – diese beispielsweise zu verfeinern und den Kontext mehr einzubeziehen. Menschen, die sich immer mehr von sich selbst lösen, entwickeln eine viel feinere Wahrnehmung. Das befähigt sie dazu, andere besser abzuholen.

Wenn wir die Handlungslogik von „Tue ich die Dinge richtig?" zu „Tue ich die richtigen Dinge?" ändern, ist das der nächste Durchbruch.

3. Den Persönlichkeitskern stärken

„Wer bin ich, wenn meine Prägungen wegfallen und ich mich von den Wünschen und Erwartungen anderer löse?“

Wer diese Frage beantworten kann, hat einen Zugang zu sich gefunden. Eine starke Persönlichkeit ist weniger anfällig für psychische Krankheiten. Sie kann Grenzen setzen und wird sich nicht für andere bis zur Selbstaufgabe aufopfern. Unternehmen profitieren davon, wenn sie seelisch gesunde Mitarbeiter haben. Dann sind viele teure Gesundheits- und Rehabilitationsmaßnahmen nicht mehr nötig.

4. Kreative Stärken stärken

Unterricht fällt aus, Lehrer fehlen. Und was wird am ehesten gestrichen? Musik, Kunst, Ethikunterricht. Genau das sind aber Fächer, die Kindern helfen, starke Persönlichkeiten zu werden. Musik beansprucht viele Teile des Gehirns gleichzeitig. Gemeinsames Musizieren fördert auch die Oxytocin-Ausschüttung und macht sozialer. Der einseitige Fokus auf Fächer, die einen direkten Nutzen für den Arbeitsmarkt versprechen, ist deshalb weder sinnvoll noch nachvollziehbar, sondern schädlich.

5. Hört auf zu coachen

Die Welt ist voller Widersprüche, mehrdeutige Situationen sind Alltag. Viele Menschen haben Schwierigkeiten mit Mehrdeutigkeit. Sie suchen richtig oder falsch, gut oder böse. Sie wollen Regeln, die ihnen Orientierung und Eindeutigkeit geben. Sie lassen sich coachen, um besser zu werden und sich noch mehr anzupassen an die Leistungserwartungen.

Doch darum sollte es gar nicht gehen. Menschen müssen selbst Grenzen setzen können und sich eben nicht von außen gesetzten Regeln unterwerfen. Wer unter Mehrdeutigkeit entscheidungs- und handlungsfähig bleibt, kommt auch mit den Folgen der Digitalisierung leichter zurecht. Das geht nur durch die Entwicklung einer eigenen, an Prinzipien orientierten Haltung. Das widerspricht nicht dem „agilen“ Denken, denn so dynamisch es sein kann, so sehr braucht es auch Halt und Orientierung.

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