Bye bye, Fanbase! Jetzt ändern oder doch verabschieden?

Veröffentlicht am 9. Februar 2016 in der Kategorie Management & People Skills von

Themen: , ,

Bye bye, Fanbase! Jetzt ändern oder doch verabschieden?Ohne Urlaub, ohne zu tauchen, sogar ohne Taucherbrille sehe ich jeden Tag diese Fischart. Immer öfter merke ich auch, dass diese kleinen Fische sogar an mir knabbern. Dabei ist das Business Modell von Putzerlippfischen absolut fragwürdig. Eine bröckelnde Fanbase in Form von Kunden und Mitarbeitern geht jeden an. Und eins steht fest: schlimmer geht immer!

Als hätte ich es gewusst! 2013 habe ich einen Artikel im Handelsblatt über Putzerlippfische und Neukunden gelesen, ausgeschnitten und abgeheftet. Damals habe ich schon gedacht:

„Oh Gott, wie wahr!“

Und nun, drei Jahre später, ist es noch schlimmer geworden und betrifft jetzt nicht nur Stammkunden, sondern mittlerweile auch Unternehmer, Führungskräfte, Mitarbeiter und Kundenbetreuer - die Putzerlippfisch Philosophie!

Wo man hinschaut nur Putzerlippfische - Siehst du sie auch?

Putzerlippfische (Labroides dimidiatus) haben ihre Firmenzentrale im tropischen Indopazifik. Diese Meeresbewohner betreiben regelrechte „Wartungsstationen“: große Fische schwimmen herbei und werden durch den kleinen Putzerlippfisch von Parasiten befreit. Bis hierhin eigentlich ein seltenes Verhaltensmuster in der (Tier-)welt nach dem Motto

„hilfst du mir, helfe ich dir.“

Aber dies ist nur die oberflächliche Betrachtung, denn manchmal

  • müssen die großen Fische, die „Kunden“, in den sogenannten „Stationen“ warten. Der Putzerlippfisch merkt sich sogar, welche seiner bearbeiteten Fische Stammkunden bei ihm sind - und behandelt die Neuen bevorzugt. Seine Theorie: ein Fisch, der immer wiederkommt, wird eher eine lange Wartezeit in Kauf nehmen, als ein neuer Fisch.
  • Es ist auch bekannt, dass die Putzerlippfische in Wahrheit gar nicht so sehr an Parasiten interessiert sind, sondern sie picken nebenbei Fetzen der Schleimhaut ihrer Kunden ab. Wer also neu an der Reinigungsstation ist, verliert nur wenig Haut. Die Stammkundschaft, du kannst es dir denken, wird regelrecht geschrubbt und angefressen.

Und da sind schon die Kernbotschaften aus der Tierwelt: Kunde „Fisch“ erwartet Reinigung und muss als Stammkunde oft warten.

Der freche Putzerlippfisch setzt bei den Stammkunden noch einen drauf, weil die „leckere“ Schleimhaut lockt und diese heimlich genascht wird, also missbraucht er das Vertrauen und sieht nur seinen Vorteil. Zusätzlich besitzt er die Frechheit, oder Arroganz, seine Fanbase einfach warten zu lassen, weil er davon ausgeht, man wird ihn nicht verlassen.

Leider nur zu leicht sind die Botschaften in unsere Business Welt übertragbar:

  • In die Kundenbeziehung, bei der die Stammkunden die solide Basis für den Umsatz, die Produktentwicklung und das generelle Erfahrungswachstum für ein Unternehmen bilden, jedoch eventuell Arbeit machen und kein weiteres Umsatzpotential oder Wachstum mit sich bringen.
  • In die Unternehmen, die ihre Mitarbeiter nicht wie Kunden behandeln, sondern nur das letzte aus ihnen herausholen wollen. Dazu die Meinung vertreten „es ist sinnvoll, ständige Unruhe zu entfachen“ und „die Anstellung von jungen, günstigen aber dafür unerfahrenen Mitarbeitern sei der beste Weg.“
  • In die Mitarbeiterführung, bei der nicht verstanden wird, warum die „altbewährten Mitarbeiter“ so eine wichtige Basis bilden und immer noch das wertvollste Gut sind, sofern sie richtig geführt werden. Und wenn die Power nicht mehr reicht – nicht gleich weg damit! Die Kombination erfahrener Mitarbeiter und junger Wilder kann, richtig eingesetzt, zu einer Waffe werden.

Der FISCH im Hier und Heute!

Die Art und Weise, wie der Putzerlippfisch mit seinen Kunden umgeht, passt wunderbar in unsere heutige Zeit: es mangelt an nötigem Respekt; schneller Erfolg, Neukunden und neue junge Mitarbeiter zählen um jeden Preis. Alles mit Energie und Power durchsetzen.

Druck, Druck, Druck!

Sind das aber die Werte, die uns Zufriedenheit und die Basis für den Erfolg bescheren? Ist die Unverbindlichkeit, der Egoismus, die Gleichgültigkeit, der Cashflow und die Gewinnmaximierung die neue Business Identität von heute? Wie lange geht das wohl gut?

STOP! Wenn die Fanbase immer kleiner wird:

  • fehlen dir deine Stammkunden, die das finanzielle Gerüst bilden
  • fehlen dir die Mitarbeiter, die dein Unternehmen rocken
  • fehlt der Führungskraft im Team der Zusammenhalt und der Antrieb, was zu bewegen

Und das alles wegen einer schlechten Strategie, in der deine Stammkunden und langjährigen Mitarbeiter durch lange Warteschleifen keine Wertschätzung erfahren.

Sorry - falscher Weg, bitte wenden!

Und damit nicht genug, einfach seinen Vorteil „heimlich“ auszubauen bedeutet im Klartext „AUSNUTZEN“. Und ganz ehrlich, da hat keiner „Bock“ drauf!

Könnte es nicht auch an der Zeit sein, die Reißleine zu ziehen, und die Putzlippfisch-Philosophie zu überdenken oder sogar in den Hintern zu treten? Müssen wir den Fischen alles nachmachen? Ich glaube, wir zerstören so langsam unsere Basis.

Wissen geht verloren, innere Kündigungen, quasi nur die Körperhülle am Arbeitsplatz, Kundenverluste, Energieräuber, Burnout - das ist die Realität! Die Folge: alles kostet viel mehr Kraft und dazu ist es auch noch unwirtschaftlich. Das ist gewollt? Nein, bitte nicht!

  • Wo ist das Gefühl, bei einem Unternehmen zu arbeiten, mit einer Vision und einer gesunden Philosophie und bei dem du nicht die Schleimhaut nach und nach entfernt bekommst?
  • Wo ist das Gefühl, von deinen Vorgesetzten verstanden zu werden und nicht im Warteschleifenmodus zu stehen?
  • Wo ist das Verständnis und die Wertschätzung für langjährige Kunden und Mitarbeiter? Auf der Jagd nach neuen Kunden oder Mitarbeitern werden diese oftmals mit deutlich besseren Angeboten “an Land gezogen“.

#attheend

Ändert sich nichts, kannst du direkt deiner Fanbase ade sagen! Lass die Putzerlippfisch-Mentalität in der Tierwelt, die regeln das unter sich! Systeme können auch als Vorlage dienen, wie es nicht gemacht werden sollte. Nachmachen kann jeder!

Jedoch gegen den Trend, neue Wege einschlagen, Strategien die aktuell unpopulär sind, einfach ändern, weil man nicht mit der Masse in die Unzufriedenheit rennen will, trauen sich nur wenige. Schade! Bleibt zu hoffen, dass die Ressource Wasser nicht ausgeht. Sonst liegen alle irgendwann auf dem Grund!

Bis zum nächsten Realitätsabgleich…

via GIPHY

(Einzelbildnachweis: Bye © shutterstock.com)