Niedrige Zinsen: Gewinn oder Verlust?

Veröffentlicht am 25. August 2015 in der Kategorie Finanzen & Steuern von

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Niedrige Zinsen: Gewinn oder Verlust?Private Anleger geraten unter Druck und müssen aufgrund der Niedrigzinsen ihre Finanzplanung überdenken – die Folgen der aktuellen Niedrigzinspolitik. Doch geringe Zinssätze bringen auch Gewinner hervor, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft belegt. Finanzexperten empfehlen, beim Sparen nicht nur auf Tages- oder Festgeldkonten, sondern auf andere Möglichkeiten der Geldanlage zu setzen.

Geld sparen vs. Geld verlieren

Die DZ Bank schätzt aufgrund einer Studie, dass in Deutschland durch die Niedrigzinspolitik seit 2010 circa 190 Milliarden Euro verloren gegangen sind. Dieses Ergebnis leitet sich aus dem Vergleich der Zinsniveaus von 2010 und 2014 ab. Doch durch die niedrigen Zinsen konnten die deutschen Privathaushalte auch Geld einsparen: Wegen günstiger Kredite konnten insgesamt 78 Milliarden Euro zurückgelegt werden.

Viele Deutsche legen einen Großteil ihres Vermögens jedoch immer noch in Zinsprodukte an. Wirtschaftsberater wissen, dass eine gute Finanzplanung allerdings auf einem umfassenden Portfolio basiert, um unter den aktuell niedrigen Zinssätzen keine Verluste zu machen. Finanzberater oder andere Finanzunternehmen setzen deshalb auf eine breite Streuung und unterscheiden bei jedem Anleger die individuelle Lebenssituation und die jeweiligen Sparziele. So beschreiben es Anbieter auf ihren Webseiten. Je nach Milieu und Zinsperspektive ergibt sich daraus eine andere Finanzplanung.

Gewinner und Verlierer der Niedrigzinspolitik

Die üblichen Tagesgeldkonten sind nur geringfügig verzinst, auch die Leitzinsen der Europäischen Union gehen gegen Null. Weil die Niedrigzinspolitik aus Sicht vieler Experten noch für einige Zeit andauern wird, blicken Sparer etwas ratlos in die nähere Zukunft.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat sich deshalb die Frage gestellt, wer von den niedrigen Zinsen profitiert und wer darunter zu leiden hat. Weil der deutsche Staat sich zum größten Teil über Kredite finanziert, geht er als klarer Gewinner hervor. Die Privathaushalte können da nicht mithalten und bekommen daher die Verliererrolle. Unternehmen können nicht konkret auf eine Seite gestellt werden.

Doch bei den Privathaushalten in Deutschland gibt es laut des IW große Unterschiede, die auf die Einkommensschere zurückzuführen sind. Ärmere Haushalte, die oft entweder kein Vermögen zum Anlegen besitzen oder sogar verschuldet sind, können von den Niedrigzinsen in Bezug auf die Finanzierung eines eventuellen Kredits profitieren. Der reicheren Bevölkerungsschicht hingegen entgehen Zinsgewinne.

Der ältere Teil der Gesellschaft leidet ebenfalls unter der Niedrigzinspolitik. Die Altersvorsorge basiert oft auf Zinserträgen, die aktuell ausbleiben. Jüngere Haushalte, die ihr Eigenheim mithilfe einer Hypothek bezahlen und beim Sparen nicht auf Tages- oder Festgeldkonten setzen, können wiederum ihren Vorteil aus den Niedrigzinsen ziehen.

Vielfältige Formen der Vermögensanlage

Finanzfachleute betonen schon länger, dass man bei der Finanzplanung nicht mehr nur auf Zinssparen setzen sollte. Denn dabei gehe es viel häufiger nur noch um die Absicherung des eigenen Vermögens statt um die Vermehrung. Und selbst dafür reichen die aktuellen Niveaus nicht aus, weil sie nicht einmal die Inflation ausgleichen können. Die geringen Zinserträge sollten deshalb durch andere Formen der Vermögensanlage aufgefangen werden. Wer als Gewinner aus der Niedrigzinspolitik hervorgehen möchte, teilt sein Vermögen auf verschiedene Anlagebereiche wie Aktien oder Immobilien auf.