Wie wichtig sind Soft Skills in internationalen Projekten?

Veröffentlicht am 19. Oktober 2010 in der Kategorie Management & People Skills von

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Wenn Mitarbeiter aus verschiedenen Ländern und Kulturen zusammentreffen, können Kommunikations- und Verständnisprobleme auftreten. Viele international tätige Unternehmen legen deswegen Wert auf eine spezielle Schulung ihrer Mitarbeiter in sogenannten multinationalen Trainings.

Im Interview erklärt Ernesto Laraia, der Direktor des Bereichs „Internationale Personalentwicklung“ bei der Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner, worauf es ankommt und welche Anforderungen sich dabei an die Bildungsanbieter und Trainer ergeben.

Unternehmer.de: Herr Laraia, wie wichtig sind die sogenannten „Soft Skills“ in internationalen Projekten?

Ernesto Laraia:
Inzwischen hat Internationalisierung Entwicklung nicht nur die Großunternehmen sondern auch viele mittlere und kleine Unternehmen erfasst. Je stärker ein Unternehmen international agiert, umso häufiger arbeiten seine Mitarbeiter mit Kollegen aus dem Ausland. Denn wenn ein Unternehmen zum Beispiel außer in Deutschland auch über Produktionsstätten in Polen und Brasilien sowie über Vertriebsniederlassungen in Italien und in China verfügt, dann müssen häufig auch Projekte realisiert werden, bei denen die Schreibtische der Beteiligten in verschiedenen Ländern stehen.

Dazu muss die Fähigkeit der Mitarbeiter zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit entwickelt werden. Entsprechend steigt die Nachfrage nach inter- beziehungsweise multinationalen Personalentwicklungsmaßnahmen; des Weiteren an Trainings, an denen Mitarbeiter aus mehreren Ländern teilnehmen. Deswegen sehe ich die „Soft Skills“ der Mitarbeiter in internationalen Unternehmen als eine Schlüsselkompetenz.

Unternehmer.de:
Welche Anforderungen an die Bildungsanbieter bedeutet dies?

Ernesto Laraia ist bei der Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner tätig

Ernesto Laraia: Bildungs- und Beratungsanbieter werden häufiger mit Anfragen konfrontiert wie: Können Sie auch unsere Mitarbeiter in Frankreich, Spanien und in den USA trainieren? Für solche Kundenanforderungen sind noch wenige deutsche Bildungsanbieter gewappnet – unter anderem weil man beim Versuch, einen solchen Mitarbeiterpool aufzubauen, schnell registriert: In Deutschland gibt es recht wenige Trainer, die multinationale Gruppen trainieren können. Denn solche Trainings stellen an einen Trainer weit höhere Anforderungen als die Arbeit mit rein deutschen Teams. Denn wenn ein Trainer mit Teilnehmern aus mehreren Ländern arbeitet, dann muss er nicht nur fachlich fit sein. Er benötigt noch weitere Fähigkeiten. Er muss zum Beispiel die Mittlersprache beherrschen, in der die Gruppe kommuniziert. Meist ist dies Englisch.

Unternehmer.de: Wie wichtig ist die interkulturelle Kompetenz der Trainer?

Ernesto Laraia:
Sie stellt eine Kernkompetenz in der effektiven Umsetzung internationaler Personalentwicklungsmaßnamen dar. Interkulturelle Kompetenz stellt ein ganzes Bündel von Fähigkeiten zusammen. Hierzu zählt das Bewusstsein, dass Personen aus verschiedenen Kulturkreisen in denselben Situationen unterschiedliche Verhaltensmuster zeigen.

Die für das Trainieren multinationaler Teams erforderliche Kompetenz kann ein Trainer nicht am Schreibtisch erwerben. Hierfür muss er einige Zeit im Ausland gelebt (und gearbeitet) haben. Sonst nimmt er die Unterschiede im Verhalten zwar wahr, er kann sie aber nicht interpretieren. Deshalb fällt es ihm in multinationalen Trainings zum Beispiel schwer, mit den Teilnehmern zu analysieren, warum bei der Zusammenarbeit die Kommunikation nicht funktioniert – auch weil der Trainer die kulturellen Wurzeln seines eigenen Verhaltens nicht kennt. Deshalb kann er auch das Verhalten von Personen mit einem anderem kulturellem Background nicht angemessen interpretieren.

Unternehmer.de: Vielen Dank Herr Laraia für das Gespräch!

Das Interview führte Unternehmer.de-Redakteurin Patricia Scholz.

(Bild: © James Thew - Fotolia.com)