Management auf Zeit: Lohnen sich Interim-Manager für KMU? [Interview]

Veröffentlicht am 27. Januar 2014 in der Kategorie Management & People Skills von

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Management auf Zeit: Lohnen sich Interim-Manager für KMU? [Interview]Interim-Manager sind im Kommen, so behaupten es jedenfalls deren Vermittler. Nach aktuellen Schätzungen üben diesen Job deutschlandweit zwischen 5.000 und 7.500 Manager aus, genaue Zahlen existieren nicht. Dass sich mehr und mehr Firmen auf die „Manager auf Zeit“ einlassen, hängt einerseits mit guten Erfahrungen zusammen, aber auch damit, dass insbesondere kleinere Unternehmen sich schwer tun, in einem enger werdenden Personalmarkt kompetente Manager zu akquirieren. Da wird eine bestimmte Kompetenz auf Zeit eingekauft und zur Veränderung des eigenen Unternehmens, der dortigen Strukturen und der Arbeitsweisen genutzt.

Viel wurde in jüngster Zeit über Interim-Manager geschrieben, insbesondere Provider haben sich zahlreich zu Wort gemeldet. Wie aber sehen die Interim-Manager selber die Situation? Wir haben mal einen gefragt, der es wissen muss: Interim-Manager und unternehmer.de-Autor Dipl. Ing. Matthias Fitzner, der in Unternehmen des mittelständischen Maschinenbaus tätig ist und sich auf Vertrieb, After Sales und Projektmanagement spezialisiert hat.

Der Nutzen für Unternehmen

unternehmer.de: Herr Fitzner, Sie sind nun seit drei Jahren überwiegend als Interim-Manager selbständig. Was reizt Sie an diesem Job, nach über 20 Berufsjahren in der Festanstellung?

Matthias Fitzner: Ich liebe die immer neuen Herausforderungen. Jedes Unternehmen tickt anders, viele haben auf den ersten Blick ähnliche Probleme, die sich jedoch bei näherem Hinsehen als unterschiedlich darstellen und deshalb auch unterschiedliche Lösungen erfordern. An diesen Lösungen mitzuwirken heißt zum einen natürlich die bereits vorhandenen, eigenen Erfahrungen zu nutzen, aber ebenso, immer wieder neu hinzuzulernen. Die Tätigkeit in einem Unternehmen ist ja keine Einbahnstraße, man bringt viel ein, aber man gewinnt ja auch zusätzliche Erfahrungen. Das begeistert mich.

unternehmer.de: Worin besteht Ihrer Meinung nach der Nutzen des Interim-Managements für Unternehmen?

Fitzner: Nun ja, zum einen können sie plötzliche Vakanzen überbrücken. Eine Führungskraft ist erkrankt oder hat das Unternehmen plötzlich verlassen und man benötigt eine Übergangslösung. Dann natürlich bei Veränderungsprozessen. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen haben oft Schwierigkeiten, sich an die rasant verlaufenden Marktveränderungen anzupassen.

Ein kompetenter, operativ tätiger Interim-Manager kann besser als jeder externe Berater korrigierende und optimierende Wirkung entfalten. Als Außenstehender hat er einen neutralen, unpolitischen Blick auf das Unternehmen, es gibt diese Ausblendungen, verursacht durch Betriebsblindheit, nicht. Und das Unternehmen kann sich auf Anhieb die geballte, praktische Erfahrung des Interim-Managers zunutze machen, die er in seinem Berufsleben und mit seinen Mandaten erworben hat. Dieser Punkt wird von den Unternehmen unterschätzt, aber tatsächlich können sie hier maßgeblich profitieren und ihr Unternehmen nach vorne bringen.

Wie funktioniert der Einstieg in das Unternehmen?

unternehmer.de: Wenn Sie in ein Unternehmen einsteigen, wie muss man sich das vorstellen?

Fitzner: Das ist zunächst einmal ziemlich genau so wie die ersten Tage in einer Festanstellung – mit dem Unterschied, dass Sie natürlich keine umfangreiche Einarbeitszeit haben, sondern jeder erwartet, dass Sie direkt loslegen – was immer die oder der Einzelne darunter versteht. Und da lauern dann auch die ersten Fallstricke: Je nachdem, wie Sie angekündigt wurden, müssen Sie erst einmal das eine oder andere Weltbild gerade rücken. Gerade als Externer stehen Sie ja unter besonderer Beobachtung. Die einen sehen in Ihnen den Sanierer, andere den teuren Powerpoint-Showstar, dritte den Spion der Geschäftsführung, vierte den zahnlosen, kostspieligen Platzhalter bis der „Richtige“ gefunden wurde, usw. usw.

Von den meisten werden Sie in die Schublade „Unternehmensberater“ gesteckt – was ja auch nicht verkehrt ist – und damit haften an Ihnen alle überwiegend negativen Klischees der Beraterzunft. Es wird in der Presse immer so nett dargestellt, ein IM kommt mit seiner Kompetenz in ein Unternehmen, „räumt dort auf“ und besetzt eine offene Position, und geht einfach wieder, wenn das Aufräumen beendet oder der Nachfolger gefunden ist. Die ganze Diskussion wird immer nur von der Sachebene aus gesehen, aber das Hauptgeschehen spielt sich insbesondere am Anfang ganz woanders ab.

unternehmer.de: Das klingt aber eher belastend?

Fitzner: Nein, nur wenn Sie mit solchen Situationen nicht umgehen können. Dann sollten Sie aber auch nicht Interim-Manager werden. In extremen Fällen habe ich bei Mitarbeitern, die sich selber Karrierehoffnungen auf eine vakante Stelle gemacht hatten, auch schon aktive Mobbingversuche erlebt, als ich die Vakanz überbrücken sollte. Da bekam ich den gesamten Frust des Mitarbeiters ab, der sich – im Gegensatz zur Geschäftsführung – als hervorragend geeignet für diese Stelle einschätzte.

Sie müssen die einzelnen Kollegen und Mitarbeiter bei ihren Vorurteilen abholen und ihnen zeigen, dass sie von der Zusammenarbeit mit Ihnen profitieren können. Das ist ein Vorgang, der bei dem einen schneller, bei dem anderen etwas langwieriger verläuft, je nach dem Blickwinkel und Interessenlage der oder des Betroffenen.

unternehmer.de: Und was machen Sie dann?

Fitzner: Ich beschäftige mich schon lange mit Konfliktmanagement und Kommunikation, und bin auch als Mediator tätig. Insofern habe ich immer ganz lange Antennen und spüre relativ schnell, wer wie unterwegs ist. Da hilft meistens schon ein offenes Vier-Augen-Gespräch und über die Zeit natürlich eine integre Arbeitsweise. Wenn allen klar ist, dass Sie meinen, was Sie sagen und halten, was Sie versprechen, werden Sie auch anerkannt und akzeptiert. Und dann über die Sachkompetenz, die Sie natürlich auch immer wieder unter Beweis stellen müssen.

Mit einem Provider zusammenarbeiten?

unternehmer.de: Viele Interim-Manager äußern sich sehr kritisch über Provider, wie ist Ihre Meinung, arbeiten Sie mit einem zusammen?

Fitzner: Ich bin mit einigen im Gespräch, habe aber die bisherigen Mandate direkt akquiriert. Es gibt bei den Providern schwarze Schafe, die, aus der Zeitarbeit kommend, lediglich das Modell auf Führungskräfte auszudehnen versuchen, was aber wegen der involvierten Mitarbeiterverantwortung zu falschen Schlüssen führt. Natürlich sind die Vermittlungssätze von 20-40% des Gesamtauftrags, die Provider einstreichen, sehr hoch, insbesondere vor dem Hintergrund, dass sie praktisch keinerlei Risiko haben und lediglich die Vermittlung übernehmen. Anders als Zeitarbeitskräfte sind Interim-Manager keine Angestellten der Provider, sondern Subunternehmer.

Aber wir haben eine freie Marktwirtschaft, und es scheint ja so zu sein, dass viele Unternehmen bereit sind, diese Zuschläge zu bezahlen. Schlecht umgehen kann ich mit Klauseln in Providerverträgen, die mich im Rahmen eines Mandats, auf eine exakte Aufgabenstellung „festnageln“. Da wird von manchen gefordert, dass man ohne Freigabe des Providers keinerlei Frage- und Aufgabenstellungen außerhalb des definierten Aufgabengebiets bearbeiten darf. Gerade bei mittelständischen Unternehmen ist eine solche Klausel unrealistisch und benachteiligt den Auftraggeber, zumindest ist das meine Meinung.

unternehmer.de: Was halten Sie von der Diskussion über Qualitätsstandards bei Interim-Managern, mit denen manche Provider werben?

Fitzner: Natürlich ist Qualität wichtig, wir als Interim-Manager müssen uns – wie jeder andere Dienstleister auch – unsere Tagessätze im Sinne des Wortes verdienen. Am Ende sind aber Interim-Manager Führungskräfte auf Zeit. Kennen Sie Qualitätsstandards für Führungskräfte? Natürlich können Sie als Provider einen Auswahlprozess validieren, mit dem Sie geeignete Kandidaten aus Ihrer Datei herausfiltern.

Am Ende werden Sie aber feststellen, dass auch für Interim-Manager die Grundregel der Personalbeschaffung gilt: Gerade als Führungskräfte auf Zeit müssen Interim-Manager in das jeweilige Unternehmen und zu der Geschäftsführung passen. Wenn die Chemie nicht stimmt – es gibt ja nicht wie in der Festanstellung einen langfristigen Gewöhnungsprozess – dann wird die Zusammenarbeit nicht funktionieren, egal wie hoch die fachliche Kompetenz angesiedelt sein mag. Standards helfen da meines Erachtens wenig, besser sind ein oder zwei intensive Kennenlerngespräche im Rahmen einer detaillierten Klärung der Aufgaben und Verantwortung.

unternehmer.de: Herr Fitzner, wir danken Ihnen für das Gespräch.