Präsenzseminare vs. Video-Tutorials: Was ist sinnvoller?

Veröffentlicht am 16. März 2012 in der Kategorie Management & People Skills von

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Seit Jahren mache ich als IT-Trainer mit den Themen Präsenzseminare, e-Learning-Unterstützung und Video-Tutorial-Nachschlagewerke folgende Erfahrungen:

Präsenzseminare

Bei Präsenzseminaren – besonders bei etwas komplexeren Themen stelle ich fest, dass es am Ende eines ein- oder zweitägigen Seminars oft heißt “Das war jetzt sehr interessant, viele Informationen, … aber ob ich das morgen noch alles weiß und für meine Belange transferieren kann…”

Meine jeweiligen Hinweise auf meinen Seminarbegleitskripten, die ich auf meinen Seminar-Onlineseiten für die Teilnehmer meiner Seminar jeweils für einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung stelle und ständig aktualisiere, wurden stets “mit Erleichterung” zur Kenntnis genommen, aber nicht im durchdringenden Maße genutzt, wie ich in den Web-Statistiken verifizieren konnte. Dafür habe ich durchaus vollstes Verständnis. Am Arbeitsplatz hat dann wieder jeder mehr als genug zu tun, genügend Mails zu lesen und zu beantworten, zu recherchieren, Webinhalte und Manuals zu durchstöbern, zu Telefoniren etc.

Video-Tutorials nutzen

Die Zugriffszahlen auf die Seminarseiten haben sich erst definitiv erhöht, als ich anfing, zumindest die einzelnen Anwendungs-Abläufe als Video-Tutorial zu “skizzieren” und auf meinen Seminarseiten zur Verfügung zu stellen. Als Aufzeichnung-Tools habe ich anfangs meist Jing verwendet. Diese Erfahrung verfestigte sich im Laufe der Zeit und führte dazu, dass ich schon bald begonnen habe, professionelle Werkzeuge zu verwenden.

Die Akzeptanz der Anwender ist bemerkenswert. Sehr zu meinem Bedauern muss ich aber feststellen, dass die Akzeptanz seitens der Unternehmensführungen, Abteilungs- und/oder Projektleiter dem nicht ganz entspricht. Häufig ist immer noch festzustellen, dass nicht nur die technischen Voraussetzungen am Arbeitsplatz nicht ausreichen, um Video-Tutorials bzw. Lern(!)filme sehen zu können: kein Kopfhörer bzw. Headphone, teils nicht mal eine Soundkarte, sehr reglementierter Internetzugang. Die Mitarbeiter fühlen sich gegängelt und in ihren Bemühungen, sich fortzubilden, mitunter nicht ernst genommen. Manche Unternehmen scheinen noch nicht ganz in der Gegenwart angekommen und unterstellen ihren Mitarbeitern eher eine private Nutzung, sobald jemand „mit einem Ohrstöpsel erwischt“ wird.

Maßgeschneidertes Video-Nachschlagewerk als Ideallösung

Die optimale (und maximale) Lösung ist natürlich ein maßgeschneidertes intranetbasiertes Video-Nachschlagewerk für die individuellen Anwendungen (und Daten) bzw. für die Einführung einer neuen Software oder eines neuen Releases. Selbstverständlich sollte auch ein derartiges Nachschlagewerk „mitwachsen“, sofern sich Details ändern, es sei denn es handelt sich tatsächlich „nur“ um die Einführung einer neuen Software. Aber auch das stellt im Grunde heute kein größeres Problem mehr dar, denn die Erstellung von Videos kann mit entsprechender Software modularisiert werden. So mache ich auch positive Erfahrungen damit, während der Entwicklung von Anwendungen „clips“ für meine Auftraggeber herzustellen, in denen z.B. Änderungen an Anwendungsdetails oder der Stand der Entwicklung auf Videoebene angesehen und diskutiert werden kann.

Die Bereitschaft dafür Geld in die Hand zu nehmen, ist deutlich gestreut und scheint proportional mit der Anzahl der Mitarbeiter zu steigen. Je größer das Unternehmen, desto eher leistet man sich eine Unterstützung, wendet sich dann aber auch schon mal an die „großen Anbieter“. In manchen Fällen werden auch externe Mitarbeiter für die Ausarbeitung und Erstellung einbezogen. Unternehmen im KMU-Bereich, die zwar häufig inhaltlich flexibler, aber wirtschaftlich unflexibler sind, gönnen sich öfter Seminare von der Stange, sind aber auch nicht selten an Inhouse-Support interessiert.

Übrigens, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Ich halte Präsenzseminare und Workshops weiterhin für unverzichtbar. Bei der direkten Kommunikation fließt mehr als reine bewegte Bilder. Schließlich sind wir immer noch Menschen.

(Bild: © scusi - Fotolia.de)