Work-Life-Balance: Psychische Probleme vermeiden (Teil II)

Veröffentlicht am 2. September 2011 in der Kategorie Management & People Skills von

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In Teil I haben Sie bereits erfahren, wie die rasante Entwicklung der Informations- u. Kommunikationstechnik die Arbeitsbelastung und den Alltag vieler Menschen verändert hat. Lesen Sie nun, wie Unternehmen auf diese Veränderungen reagieren können, und weshalb dies auch betriebswirtschaftlich sinnvoll ist.

Zeitmanagement allein ist nicht genug

Die Folge: Die Betroffenen schieben einen Berg unbewältigter Aufgaben vor sich her. Und permanent plagt sie nicht nur ein schlechtes Gewissen, sondern sie können sich auch immer schlechter konzentrieren, weil sie, egal was sie tun, zugleich denken: „Eigentlich müsste ich ...“

Mit dem klassischen Zeit- und Selbstmanagement ist es heute nicht mehr getan. Dieses wird zwar auch künftig ein sehr hilfreiches und nützliches Instrument sein, um Routineaufgaben zu lösen. Was viele Mitarbeiter heute jedoch brauchen, ist eine aktive Unterstützung beim Lösen neuer Aufgaben und Herausforderungen. Sie müssen sozusagen die Grundzuversicht entwickeln: „Irgendwie schaffe ich das schon – alleine oder mit selbstorganisierter Unterstützung. Schließlich habe ich in meinem Leben schon viele, zunächst scheinbar unlösbare Herausforderungen gelöst.“ Sonst geraten sie in unserer modernen Lebens- und Arbeitswelt immer wieder in Situationen, in denen sie sich nicht nur überfordert fühlen, sondern dies auch faktisch sind.

Bei der Prävention neue Wege beschreiten

Das haben inzwischen zahlreiche Unternehmen erkannt. So zum Beispiel ein renommierter Finanzdienstleister. Entsprechend breit gefächert ist sein Work-Life-Balance-Angebot. So können seine Mitarbeiter zum Beispiel neben den klassischen Zeit- und Selbstmanagement- auch Stressmanagementseminare besuchen und in ihrer Mittagspause an Entspannungstrainings teilnehmen. Und wer will, kann sich sogar zu Massagen anmelden. Dahinter steckt die Erkenntnis: Ein Finanzdienstleister hat andere gesundheitsbelastende Faktoren als ein Produktionsunternehmen. Also müssen den Mitarbeitern auch andere Präventionsangebote unterbreitet werden.

Ebenfalls im Weiterbildungsprogramm stehen Seminare, die darauf abzielen, die Resilienz, also Widerstandskraft der Mitarbeiter zu stärken. Und wer aus beruflichen und/oder privaten Gründen, das Gefühl hat „Alles wird mir zu viel – wenn ich nicht aufpasse, steuere ich auf einen Burn-out zu“? Der kann sich auch mit einem Coach treffen, um mit ihm Präventions- und Lösungsstrategien zu erarbeiten.

Vorsorge rechnet sich

Dies alles macht der Finanzdienstleister nicht aus altruistischen Motiven. Dahinter stecken betriebswirtschaftliche Erwägungen. Denn mittelfristig rechnen sich diese Ausgaben für Unternehmen, davon sind die Personalverantwortlichen überzeugt – nicht nur aufgrund der geringeren Zahl von krankheitsbedingten Fehltagen. Diese Annahme ist nicht unbegründet. Denn fällt ein Mitarbeiter wegen eines Burn-out aus, dann können Unternehmen davon ausgehen, dass er ein halbes Jahr fehlt. Und völlig unklar ist in dieser Zeit: Kommt er danach zurück und wenn ja, wie stark ist er anschließend belastbar?

Angenommen nun, der Mitarbeiter ist ein Bereichsleiter. Dann entstehen dem Unternehmen durch den Burn-out schnell unmittelbare Kosten in Höhe von 80.000 Euro. Und rechnet man die so genannten Chaoskosten hinzu, die dadurch entstehen, dass aufgrund der Abwesenheit des Bereichsleiters gewisse Vorhaben nicht, mit Zeitverzögerung oder mit fehlender Sorgfalt umgesetzt werden, dann landet man schnell bei einem Betrag von mehreren 100.000 Euro. Das zeigt, wie wichtig es für Unternehmen ist, präventiv aktiv zu werden.

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