Finanzierungsprobleme als Gründungsfehler: Wie genaue Planung hilft

Veröffentlicht am 16. September 2008 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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Green Services„Das Geld zerrint einem in den Händen...“ Das Gefühl, dass ein befragter Existenzgründer in der ersten Phase der Selbständigkeit hier beschreibt, beschleicht viele Neu-Unternehmer in den ersten Tagen, Wochen und Monaten nach ihrem Start in die Selbständigkeit. Obwohl jedem potentiellen Existenzgründer klar ist, dass ohne Gründungskapital der Start in die Selbständigkeit nicht realisierbar ist, wird diese Binsenweisheit vielen Gründern zum Verhängnis.

Finanzierungsfehler sind mit 68,6 % die häufigste Ursache, warum Existenzgründer in Deutschland aufgeben müssen. Natürlich steckt in vielen Fällen der Teufel im Detail, d.h. oft wird das benötigte Kapital für die Existenzgründung unterschätzt, die durch die Ausübung der selbständigen Tätigkeit erzielten Einnahmen werden überschätzt und scheinbar unvorhergesehene Ereignisse (z.B. Steuerabschlagszahlungen) werden nicht mit einkalkuliert. Wenn solche Fehler passieren, scheint der Weg in die Insolvenz unausweichlich.

Finanzplan als wichtiger Bestandteil des Businessplans

Der Finanzplan ist elementarer Bestandteil des Businessplans und sollte als finanzieller Rahmen für die erste Zeit der Selbständigkeit dienen. Zunächst einmal sollte der Finanzplan eine genaue Aufstellung des einmaligen Kapitalbedarfes der Gründung enthalten. Damit sind nicht nur die reinen Investitionskosten in das Anlagevermögen oder die Beschaffung des Umlaufvermögens benannt, sondern auch die eigentlichen Gründungskosten.

Diese beinhalten neben den Kosten für Gewerbeanmeldung, Handelsregistereintrag und Notar auch die Kosten für die Markterschließung (z.B. Messebesuche, Erstellung von Werbekonzepten), die Kosten für Genehmigungen (z.B. Konzession), die Kosten für erste Geschäftsdrucksachen (Visitenkarten, Flyer,...) und mögliche Mietkautionen. Wichtig ist eine Reserve für Unvorhergesehenes in Höhe von 10-20 % der eigentlichen Gründungskosten in Ansatz zu bringen.

Bei den reinen Investitionskosten können viele Gegenstände, die für die Ausübung der Selbständigkeit unabdingbar sind, mittlerweile über Leasinggesellschaften finanziert werden. So ist der Kapitalbedarf zum Start des Unternehmens geringer und die Leasingraten wirken sich als Betriebsausgaben steuermindernd aus.

Die Kosten, die während des laufenden Geschäftsbetriebes anfallen, sollten im Vorfeld keine unbekannte Größe sein. Hier empfiehlt es sich über IHK, HWK, Branchenverbände, Wirtschaftsförderungen oder Ämter für Statistik Kennzahlen der jeweiligen Branche einzuholen, um mit realistischen Größen zu arbeiten.

Bei der Kalkulation der monatlichen laufenden Kosten während der Selbständigkeit ist eine Unterteilung in fixe und variable Kosten unabdingbar. Für über 40 % der Selbständigen stellt die Deckung der laufenden Fixkosten ein Problem dar. An bestimmten fixen Kosten wie z.B. Miete oder Personalkosten lässt sich relativ wenig machen.

Bei anderen monatlichen Kosten wie Telefon und Internet lohnt es sich schon im Vorfeld entsprechende Verträge abzuschließen, die möglichst viele Leistungen zu einem vorgegebenen Festpreis beinhalten. So lässt sich das Risiko minimieren, dass diese Kosten in die Höhe schießen.

Bei Bürokosten oder KfZ-Kosten sollte man ein monatliches Budget festlegen, welches zwingend einzuhalten ist. Wenn es trotzdem mal zu einer Überschreitung des vorgegebenen Budgets kommen sollte, ist dieses durch Einsparungen in anderen Budgets gegen zu finanzieren.

Der Gründer sollte auch daran denken, die Budgets nicht zu knapp zu gestalten und einen angemessenen Prozentsatz für unvorhergesehene Dinge mit einzukalkulieren. Um die genaue Auslastung des jeweiligen Budgets festzustellen, ist es erforderlich von Beginn an ein Controlling-System einzuführen, welches zur Kontrolle und Steuerung der einzelnen Budgets dient. Bei den variablen Kosten, z.B. bei Wareneinkauf sollte der Neu-Unternehmer Zahlungsziele von Lieferanten großzügig ausnutzen und Rechnungen nicht schon nach 2-3 Tagen bezahlen.

Auf der anderen Seite sollte man seinen Kunden Anreize geben, möglichst rasch zu zahlen (z.B. Skonto). Kosten, die dem Neu-Unternehmer durch einen Lieferantenkredit entstehen, sollte er in den Angebotspreis mit einkalkulieren. Wichtig, um als Gründer liquide zu bleiben, ist eine zügige und genaue Rechnungsstellung, wenn die Leistungen erbracht wurden. Ebenso sind eine stringente Überwachung des Zahlungseinganges und Vorüberlegungen hinsichtlich eines Mahnungswesens, wenn die Zahlung des Kunden nicht erfolgt, erforderlich.

Der Gründer sollte versuchen, Geschäftsbeziehungen zu möglichst vielen gleichgearteten Kunden aufzunehmen, anstatt auf nur einen großen Auftraggeber zu vertrauen. Erfahrungen haben gezeigt, dass die Insolvenz nicht mehr weit weg ist, wenn der Auftraggeber, mit dem man seinen Hauptumsatz realisiert, wegbricht.

Falsche Preiskalkulation

Ein weiterer Grund für einen finanziellen Engpass bei Existenzgründern ist oftmals die falsche Preiskalkulation Ihrer Produkte und Dienstleistungen. Es wird vielfach mit einem Marktpreis kalkuliert, der aber nicht oder gerade so die anfallenden Kosten für die Produktion des Produktes oder der Dienstleistungen decken, nur um einen Markteintritt zu forcieren.

Problematisch wird es, wenn der errechnete Kostenpreis für die avisierte Kundschaft oder im Verhältnis zur Konkurrenz zu hoch ist. Dann gilt es entweder Kosten zu reduzieren oder einen Kundenbereich anzusprechen, der bereit ist (ggfs.in Kombination mit einer Zusatzleistung z..B. einem gegenüber der Konkurrenz besseren Service), den erhöhten Preis zu zahlen.

Bei den meisten Tipps für die erste Zeit der Selbständigkeit werden aber nur die betrieblichen Ausgaben und Einnahmen beleuchtet, obwohl viele Gründer sich als Einzelunternehmer oder in Form einer GbR selbständig machen. Zu einer vernünftigen Planung sollte man auch an die Lebenshaltungskosten des Gründers denken. Es muss dem Gründer klar sein, dass große private Neuanschaffungen in der ersten Zeit der Selbständigkeit nicht zu schultern sind, da entgegen vielen Vorstellungen Gewinne erst nach eine gewissen Anlaufzeit erwirtschaftet werden können.

Deshalb ist auch im privaten Bereich nötig, Rücklagen für die erste Durststrecke zu bilden, bis der Break-Even erreicht ist und die ersten Gewinne aus der Selbständigkeit den Lebensunterhalt wieder sicher stellen.

Häufigste Finanzierungsfehler

Abschließend noch einmal die häufigsten Finanzierungsfehler bei der Gründung, die es zu vermeiden gilt:

  • Zu hohe Fixkostenbelastung
  • Nachfinanzierung bei Bau/Umbaumaßnahmen, da kein Festpreis vereinbart wurde
  • Unterschätzung des Betriebsmittelbedarfs
  • Nicht-Berücksichtigung von Anlaufverlusten
  • Keine Rückstellungen für ungewisse Ereignisse
  • Zu hohe Abhängigkeit von einem Kunden
  • Falsche Preiskalkulation
  • Überschätzung der Zahlungsmoral der Kunden / des zeitlichen Eingangs der Geldmittel nach Rechnungsstellung
  • Nicht-Inanspruchnahme von öffentlichen Fördergeldern
  • Nicht-Beachtung von versteckten Kosten (z.B. Bereitstellungszinsen, Beurkundungsgebühren, Verwaltungskostenzuschläge,...)
  • Keine Ausnutzung von Lieferantenkrediten (Skonti, Rabatte)
  • Vernachlässigung des internen Rechnungswesens und des Controllings

Über den Autor:

Sven Lohberg, Diplom-Verwaltungswirt (FH) / Diplom-Betriebswirt (FH) – Studium im Rahmen der gehobenen Beamtenlaufbahn an der FH Mannheim, Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Dortmund

Autor der Bücher „3,2,1 selbständig – Der Begleiter für Ihre Existenzgrünung“ und „Online-Recruiting – Externe Personalgewinnung über das Internet

Ehemaliger Geschäftsführer der Unternehmensberatung dortmund-consulting, Erfahrung in der Existenzgründungsberatung in der Agentur für Arbeit / ARGE Dortmund und Trainer / Coach im Bereich Arbeitsvermittlung / Integrationsarbeit / Existenzgründung im Bereich SGB II

(Bild: © A. Dudy - Fotolia.de)