Unternehmensgründung: Was gehört in den Businessplan?

Veröffentlicht am 5. August 2009 in der Kategorie Gründung & Selbständigkeit von

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new businessDer Businessplan ist das Herzstück einer Existenzgründung. Wer ein Unternehmen gründen will, muss stichhaltig darlegen können, was seine Geschäftsidee ist und wie er sie umsetzen will. Der folgende Artikel erschien erstmals in der "Mittelstand Wissen"-Ausgabe "Businessplan".

Von Dipl.-Hdl. Magdalena Abt

„Es gibt nur einen einzigen Weg, abgesehen von ein paar unbedeutenden Ausnahmefällen, sich ein großes Vermögen aufzubauen: Man muss ein eigenes Unternehmen gründen.“ (Paul Getty, Milliardär)

In den letzten Jahren nahm die Zahl der Unternehmensgründer, die innerhalb der ersten vier Jahre ihre Existenz wieder aufgeben mussten, zu. Dies lag häufig nicht an gesamtwirtschaftlichen Problemen, sondern an Fehleinschätzungen und Managementfehlern. Gut durchdachte  Unternehmensgründungen hatten und haben hingegen hohe Erfolgsaussichten. Die Erstellung eines Businessplans zwingt Unternehmensgründer, ihre Geschäftsidee systematisch zu durchdenken, und erhöht deren Erfolgschancen somit nachweislich.

Unter einem Businessplan (zu dt. Geschäftsplan) wird die dokumentierte Zusammenfassung einer unternehmerischen Vision verstanden. Ausgehend von der Geschäftsidee werden in einem Businessplan Strategien und Ziele erläutert, die mit der Entwicklung, Herstellung und Finanzierung des Produktes oder der Dienstleistung verbunden sind.

Überzeugend und präzise entworfen, kann ein Businessplan nicht nur zur systematischen Analyse der Geschäftsidee anregen, sondern auch der Akquirierung finanzieller Mittel dienen, die Kommunikation mit Vertriebspartnern, Lieferanten oder Kunden erleichtern, den Ausgangpunkt der Erfolgskontrolle darstellen und einen umfassenden Gesamtüberblick liefern, der verhilft, Risiken besser einzuschätzen und Abhängigkeiten aufzuzeigen.

Je nachdem zu welchem Anlass der Businessplan geschrieben wird – neben Neugründungen kommen Businesspläne häufig auch bei Nachfolgeregelungen, Firmenverkäufen, Fusionen, Neuprodukteinführungen oder Börsengängen zum Einsatz – sollte dieser unterschiedlich gestaltet werden. Nachfolgend werden exemplarisch die Bestandteile eines Businessplans zur Neugründung eines Unternehmens genannt und in Kürze erläutert.

1. Executive Summary

  • Die Executive Summary ist eine Zusammenfassung des Businessplans und enthält die wichtigsten Elemente in kurzer und prägnanter Form.
  • Da sie in der Regel zuerst gelesen wird und damit als erstes Selektionskriterium für potentielle Geldgeber oder Marktpartner dient, muss sie mit besonderer Sorgfalt erstellt werden.
  • Ein Laie sollte sie in fünf bis zehn Minuten gelesen und verstanden haben.

2. Produkt/Dienstleistung

  • Ein Geschäftsvorhaben gründet immer auf einer Produkt- oder Dienstleistungsidee, die überzeugend und anschaulich dargestellt werden muss.
  • Wichtig ist hierbei vor allem, den zukünftigen Kundennutzen herauszustellen und zu zeigen, wie sich das Produkt von etablierten Produkten unterscheidet.
  • Unverzichtbar ist auch eine kurze Darstellung des Stadiums der Produktentwicklung, weiterer wichtiger Entwicklungsschritte und der Entwicklungsziele.

3. Markt und Wettbewerb

  • In diesem Teil wird zunächst der Markt nach z.B. Regionen, Produkten, Kunden, Anwendungen oder Technologien abgegrenzt.
  • Anhand einer Marktanalyse werden relevante Eigenschaften wie Marktgröße, Marktwachstum oder Absatzvolumen herausgearbeitet.
  • In einem zweiten Schritt wird die Wettbewerbssituation hinsichtlich der Rivalität in der Branche, potentieller neuer Konkurrenten und möglicher Ersatzprodukte abgebildet und anhand einer Konkurrenzanalyse werden eigene Stärken und Schwächen im Vergleich zum Wettbewerber herausgearbeitet.

4. Marketing und Vertrieb

  • Ein weiteres unentbehrliches Element eines gut durchdachten Geschäftskonzepts stellt eine schlüssige Planung der Marketing- und Vertriebsaktivitäten dar.
  • Hierfür werden zunächst möglichst konkrete Marketingziele definiert (z.B. Steigerung des Absatzes um 10% im nächsten Jahr).
  • Anschließend werden Markteintritts-, Wettbewerbs- und Marketingstrategien festgelegt, zu denen abschließend konkrete Maßnahmen geplant werden.

5. Geschäftsorganisation

  • In diesem Kapitel wird die Unternehmensphilosophie in wenigen präzisen Leitsätzen dargelegt und das Geschäftssystem sowie Zuständigkeiten und Verantwortungen (=Geschäftsorganisation), der Standort und die Rechtsform des Unternehmens werden näher definiert.

6. Management-Team

  • Kapitalgeber wenden sich dem Thema Management oft gleich nach der Lektüre der Executive Summary zu, denn sie möchten wissen, ob das Management-Team das nötige Know-how für ein erfolgreiches Unternehmen besitzt.
  • Hier werden vor allem das Alter, die Ausbildung, unternehmensspezifische Fähigkeiten und besondere Eigenschaften der Teammitglieder verdeutlicht.

7. Realisierungsfahrplan

  • Mögliche Investoren wollen genau wissen, wie die Entwicklung des Unternehmens geplant ist. Innerhalb dieses Kapitels werden die wesentlichen Meilensteine und wichtigsten Zusammenhänge dargestellt.
  • Konkret sollen folgende Fragen beantwortet werden: Wer macht was mit welchen Mitteln bis wann und wie wird das Ergebnis kontrolliert?

8. Chancen und Risiken

  • Die frühzeitige Wahrnehmung, realistische Einschätzung und effiziente Behandlung von Chancen und Risiken sind für den Unternehmenserfolg enorm wichtig.
  • Mit einer ehrlichen Einschätzung der Risiken und Chancen im Hinblick auf die Stärken und Schwächen des Unternehmens (SWOT-Analyse) wird zudem Vertrauen gegenüber den Investoren aufgebaut.

9. Finanzierung

  • Ziel dieses Teils ist es, das Geschäftskonzept daraufhin zu überprüfen, ob es tatsächlich finanzierbar ist.
  • Die drei Hauptelemente sind der Liquiditätsplan, der der Einhaltung der Zahlungsfähigkeit des Unternehmens dient und alle Ein- und Auszahlungen berücksichtigt, die Plan-Gewinn- und Verlustrechnung, die einen Überblick über die Erfolgsaussichten gibt, sowie die Plan-Bilanz, die Vermögens- und  Eigenkapitalentwicklungen widerspiegelt.

10. Anhang

  • Bei Bedarf kann dem Businessplan ein Anhang hinzugefügt werden, der wichtige Diagramme, Nebenrechnungen, Patente oder Lebensläufe enthält.
  • Insgesamt sollte ein ausgereifter Businessplan ca. 30 Seiten umfassen und klar, sachlich, verständlich und präzise formuliert werden.

Über die Autorin:
Dipl.-Hdl. Magdalena Abt ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Personalwirtschaft und Organisation der Universität Bamberg.

(Bild: © iStockphoto.com)