Die Banken und der Mittelstand: Kontoführung – Auswirkungen im Rating

Veröffentlicht am 19. Juli 2010 in der Kategorie Finanzen & Steuern von

Themen: , , ,

Angesichts der durchschrittenen Rezession, die in vielen Bilanzen Spuren hinterlassen hat, haben viele Unternehmen aktuell mit einem sich verschlechternden Finanzrating zu kämpfen. Dieses ist der wesentlichste Teilfaktor der Gesamtratingnote in den Ratingsystem der Banken.

Damit diese Verschlechterung nicht voll durchschlägt und damit auch die Gesamtratingnote mit der Folge einer schwierigern Kreditversorgung zu schlechteren Konditionen einbricht, kann mit einer Verbesserung der qualitativen Ratingfaktoren entgegengewirkt werden. Darauf bin ich im letzten Artikel bereits eingegangen.

Für das die Gesamtratingnote ist dann noch die Kontoführung Ihres Geschäftskontos von großer Bedeutung. Dabei werden z.B. die Schwankungsbreiten (also max. Habensaldo zu höchstem Sollsaldo), die Anzahl der Tage im Guthaben bzw. im Soll, die durchschnittlichen Salden usw. ausgewertet.

Eine einwandfreie Kontoführung, die also teilweise im Guthaben und ansonsten im Rahmen eingeräumter Kreditlinien erfolgt und die ausreichende Schwankungen in beide Richtungen aufweist führt dabei in der Regel nicht zu einer Ratingverbesserung. Ganz im Gegenteil dazu führt allerdings eine Kontoführung, die Negativmerkmale aufweist, meist zu sofortigen teils erheblichen Ratingverschlechterungen. Ihre Kontoführung ist also in erster Linie ein Negativkorrektiv.

Als besonders bedeutend erweisen sich dabei insb. drei Faktoren:

  1. Eine Linie, die in der Regel voll beansprucht ist und bei der keine Schwankungen mehr festzustellen sind, sich die Salden also nicht mehr in die Nähe der Null-Linie bzw. nicht mehr in den Bereich des Guthabens bewegen. Solche sog. „eingefrorenen Linien“ führen zu Negativbewertungen und sind aus Sicht der Bank auch zweifelsohne als Warnsignal zu werten.
  2. Die unabgesprochene Inanspruchnahme von Krediten über den eingeräumten Rahmen hinaus (Überziehungen). Solche Kreditausnutzungen sind immer Negativmerkmale und führen zu Ratingverschlechterungen sowie i.d.R. zu Sanktionen durch Ihre Bank (Gespräch, Rückführungsaufforderung, etc.). Sie belasten auch das persönliche Vertrauensverhältnis zu Ihrem Berater, der sich überfahren fühlen dürfte. Können Sie also absehen, dass Sie Liquiditätsbedarf über den eingeräumten Kreditrahmen hinaus haben, dann reden Sie unbedingt vorher mit Ihrer Bank. Das erspart Ihnen auch erhebliche „Strafzinsen“.
  3. Beanspruchen Sie Ihr Konto niemals mehr als 90 Tage ohne Unterbrechung über den eingeräumten Kreditrahmen hinaus. Basel II definiert derartige Beanspruchungen als „ausgefallene Kredite“, solche also, bei denen die Bank unterstellen muss, dass eine Rückzahlung nicht mehr erfolgen wird. Damit stürzt Ihr Rating ab und eigentlich darf Ihnen die Bank kein weiteres Geld mehr zu Verfügung stellen.

Gerade die Kontoführung ist bei allen Kreditinstituten ein sensibler Bereich, deshalb widmen Sie ihr besondere Aufmerksamkeit. Sprechen Sie vorher mit Ihrer Bank, bevor Sie Fakten schaffen, die Sie hinterher bereuen.

Deshalb nochmals:

Keine unabgesprochenen Überziehungen, keine Dauerüberziehungen über 90 Tage hinaus. Sie zerstören Ihr Rating sonst selbst! Reden Sie vorher mit Ihrer Bank, gemeinsam finden Sie garantiert besser eine Lösung Ihres Liquiditätsproblems.

Die Unternehmer.de-Leserfrage:

Wie lösen Sie derartige Probleme?

(Bild: © istockphoto.com)