Jobsuche & Social Media: Das müssen Bewerber beachten

Veröffentlicht am 25. Juli 2016 in der Kategorie Management & People Skills von

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Jobsuche & Social Media: Das müssen Bewerber beachtenSie haben eine Eins-a-Bewerbung vorliegen: Top-Zeugnisse, Top-Qualifikationen, Top-Referenzen. Nur noch kurz das Facebook-Profil des Kandidaten anschauen – eine reine Formalität, versteht sich. Bei diesem sympathischen Gesicht wird schon nichts Gravierendes zu finden sein. Doch weit gefehlt! Die Chronik ist zugepflastert mit Partyfotos und Kommentaren wie

Die Bewerbung landet ganz unten in der Schublade. Solche Situationen sind kein Einzelfall. Studien der letzten Jahre belegen, dass sich mehr als die Hälfte der Arbeitgeber im Netz über ihre Kandidaten informieren. Tendenz steigend.

Facebook is watching you – die Personalabteilung auch!

Laut einer Umfrage von CareerBuilder aus dem Jahr 2015 haben 56 % der Befragten die Social-Media-Profile ihrer Bewerber überprüft, weitere 9 % hatten vor, dies demnächst zu tun. Bemerkenswert ist, dass Arbeitgeber vor allem Profile sichten, die zu privaten und weniger zu beruflichen Zwecken verwendet werden: So schauen sich 81 % das Facebook-Profil der Kandidaten an und nur 31 % das auf LinkedIn. Über die Hälfte nutzen zudem Suchmaschinen wie Google.

Welche Konsequenzen hat das nun für die Bewerber? Fast ein Drittel der befragten Arbeitgeber gab zu, sich aufgrund der entdeckten Inhalte schon gegen Bewerber entschieden zu haben.

Ablehnung von Bewerbern: Die Liste der K.O.-Kriterien ist lang ...

  • schlechte Kommunikationsfähigkeiten;
  • Posts über das Konsumieren von Alkohol;
  • unangemessene Fotos;
  • diskriminierende Kommentare;
  • abfällige Äußerungen über ehemalige Arbeitgeber;
  • zu häufiges Posten oder
  • entlarvte Lügen über Fehlzeiten (etwa, wenn sich die ehrenamtliche Tätigkeit im Lebenslauf mit der auf Facebook bebilderten Auszeit auf Mallorca „überschneidet“).

Ein weiteres Drittel der Befragten sah sich dagegen durch die Inhalte eher dazu motiviert, einen Bewerber einzuladen.

Facebook is watching you

Von wilder Posterei zur gepflegten Online-Präsenz

Die wilden, scheinbar ungeregelten Welten des Social Web bereiten manch einem großes Unbehagen. Viele haben Sorge, dass ihre Daten auf Lebenszeit (und länger) auffindbar bleiben. Dabei stellt sich, wie bei allem im Leben, die Frage: Wie hoch ist der eigene Anteil an persönlicher Einflussnahme wirklich?

1. Wieviel möchte ich über mich preisgeben?

Die Frage klingt banal. Dennoch scheint sie sich nicht jeder zu stellen, gerade in der Jobfindungsphase. Bei vielen hat sich über die Jahre ein kaum noch überschaubares Sammelsurium an Bildern, Videos und Kommentaren auf unterschiedlichsten Plattformen angehäuft, die nicht selten von nahezu jedem einsehbar sind. Gerade Facebook steht immer wieder unter dem Vorwurf, diese Mengen an Daten über die Nutzer auf Dauer zu sammeln – und das stimmt natürlich auch.

Sie sollten sich also im Klaren darüber sein, wieviel Sie von sich preisgeben möchten und wieviel von dem, was im Netz über Sie zu finden ist, von Ihnen selbst stammt.

Dabei ist es für User gerade in den sozialen Medien recht einfach, durch eine gezielte Optimierung der „Privatsphäre“, fremde oder unliebsame Stöberer aus ihrem virtuellen Leben auszuschließen. Fragen Sie sich hin und wieder, ob Sie das, was Sie gerade gepostet haben und was bereits fleißig geteilt worden ist, in ein paar Jahren noch im Netz wissen wollen? Denn das sollten Sie!

2. Anonym mit Pseudonym

Bei Twitter können Sie sich auch mit einem Pseudonym anmelden, bei Facebook hingegen gibt es die sogenannte Klarnamenplicht: Profile müssen so heißen wie deren Besitzer. Das wird bislang aber nicht von jedem beachtet. Trotz Klarnamenplicht kann auch Facebook ausgetrickst werden. Wenn Sie mit einem häufigen Namen einen Google-E-Mail- Account anlegen und anschließend mit dieser E-Mail-Adresse einen Facebook-Account erstellen, wird niemand so leicht Ihre wahre Identität feststellen können.

Facebook hat nämlich nur zwei Möglichkeiten, Sie zu entlarven: Ihr Name ist zu auffällig und offensichtlich falsch („Prinzessin Erbse“ oder „Prinz Supertyp“). Oder, Sie posten Dinge, die andere Nutzer dazu bringen, Sie bei Facebook zu melden. Ansonsten sind Sie anonym und auf der sicheren Seite.

3. Passive User

Studien der letzten Jahre belegen, dass der Anteil der passiven User zunimmt: Laut einer Umfrage von Statista haben 2015 nur noch 34% der deutschen Social-Media-Nutzer Facebook aktiv genutzt, 53% dagegen eher passiv.

Aber auch auf Twitter und Instagram gibt es eine große Anzahl an Nutzern, die eher konsumieren, vielleicht mal kommentieren, aber nicht aktiv Inhalte beisteuern. Denn viele sind überzeugt:

4. Die richtige Online-Präsenz

Facebook, Twitter & Co: Was gibst du von dir preis?Passive Nutzer haben den Vorteil, dass frühere „Schandtaten“ sie in der Bewerbungsphase nicht einholen können. Social-Media-Verweigerer sollten sich aber dennoch fragen:

Jobsuchende, etwa aus der Kommunikationsbranche oder dem IT-Bereich, könnten bei Personalern auch für Irritation sorgen, wenn nichts über sie im Netz zu finden ist. Denn heute setzt sich immer mehr die Überzeugung durch, dass engagierte und qualifizierte Bewerber zumindest bei Xing oder LinkedIn auch auffindbar sein sollten. In immer mehr Stellenausschreibungen wird die Auflistung der eigenen Profile bereits explizit verlangt. Für viele Menschen ist deshalb eine „gepflegte Online-Präsenz“ besser als gar keine.

Wenn Sie also lieber „Reputation Management“ betreiben und ihr eigenes öffentliches Bild pflegen wollen, statt sich zu verstecken, müssen Sie sich im Klaren darüber werden:

  • Was will ich erreichen?
  • Möchte ich eher aktiv oder passiv präsent sein?
  • Welche Medien bieten sich für mich in welcher Form an und wie kann ich Berufliches und Privates geschickt miteinander verbinden?
  • Nutze ich bereits alle mir zur Verfügung stehenden Mittel, damit meine privaten Meinungen, Bilder und Videos auch privat bleiben?

Für alle Bewerber gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Facebook bietet mit der Option „Anzeigen aus der Sicht von“ die Möglichkeit zu überprüfen, welche Ihrer Posts „öffentlich“, das heißt für jedermann zugänglich sind. Sie können Personen aus Ihrem Netzwerk (etwa den Bekannten, der bei Ihrem Wunscharbeitgeber angestellt ist) über die Option „Benutzerdefiniert“ von einzelnen – zum Beispiel sehr privaten – Posts ausschließen.

Hin und wieder ist es auch ratsam, den eigenen Namen in Suchmaschinen einzugeben und „Ego-Googeln“ zu betreiben. Unliebsame eigene Kommentare, die in den Suchergebnissen ganz weit oben stehen, können Sie jederzeit selbst löschen. Haben Sie Ihre Meinung auf fremden Webseiten kundgetan und möchten diese nun entfernen, setzen Sie sich mit den Betreibern der Seiten in Verbindung und bitten Sie um Löschung.

Jeder hat es selbst in der Hand, wo und wie er sich im Netz präsentiert. Dass sich heute immer mehr Arbeitgeber in den sozialen Medien über ihre Kandidaten informieren, muss kein Nachteil, sondern kann auch eine Chance für Sie sein.

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