Krisenmanagement mit der 5-Finger-Methode: Machen statt reden!

Veröffentlicht am 13. August 2014 in der Kategorie Management & People Skills von

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Krisenmanagement mit der 5-Finger-Methode: Machen statt reden!Schock in der Morgenstunde. Der Geschäftsführer eröffnet dem Eigentümer: „Die Bank will die Kreditlinie nicht verlängern. Das bricht uns das Genick. Wir müssen einen Berater ins Haus holen, wir müssen ein Krisenszenario aufstellen!“

Wenn Manager Mist bauen

Der Eigner hat ein halbes Dutzend Unternehmen und deshalb in letzter Zeit kein besonders scharfes Auge auf dieses hier geworfen – aber so einen Schreck kurz nach dem Frühstück hat er nicht erwartet. Das ist das Vertrackte am Unternehmertum – man braucht Leute dazu. Mitarbeiter. Manager. Sind letztere gut, kann man auch mal Triple-L praktizieren. Man kann den Laden laufen lassen. Sind sie es nicht, hat man ein doppeltes Problem.

Das Unternehmen gerät in Schwierigkeiten und der Eigner kriegt das meist erst spät, oft als Letzter mit. Das ist ärgerlich. Als ich in meiner Beratungstätigkeit mal wieder einen besonders ärgerlichen dieser Fälle erlebte, mailte ich in der ersten Frustreaktion meinen Verteiler an: „Erlebt ihr das auch manchmal? Diesen Mist im Management?“

Meine Mailbox hat sich von dem daraufhin einsetzenden Mail-Tsunami Hunderter Eigentümer, Unternehmer, Geschäftsführer und Manager bis heute nicht erholt. Die Flut der Rückmeldungen hätte ein Buch füllen können. Zentrale Erkenntnis: Wenn Manager Mist bauen, ist das nie Zufall. Es hat Methode. Es hat System. Ein System basierend auf fünf Faktoren, die man sich an den Fingern abzählen kann.

Daumen: Mach die Augen auf!

Der Eigner meint erst mal: „Ich rede selber mit der Bank.“

Daraufhin der Geschäftsführer: „Das mache ich seit drei Wochen! Die lassen nicht mit sich reden.“

Der Eigentümer vereinbart trotzdem einen Termin und sagt den Bankgranden: „Letzte Woche hat meine Frau unseren Golden Retriever zum Tierarzt gebracht. Der hat ihn auch nicht eingeschläfert, bloß weil er was Falsches gefressen hat. Wenn Sie sich entschließen, unser Unternehmen zu retten, sind Sie die Helden vom Landkreis. Wenn nicht, können Sie sich ausmalen, was Medien, Internet, Gemeinderat und die Bürger der Stadt sagen werden: Schon wieder lässt eine Bank fast tausend Arbeitsplätze gegen die Wand fahren.“

Der Bankvorstand nachdenklich: „So haben wir das noch nicht betrachtet!“ Der Geschäftsführer übrigens auch nicht. Aber der Unternehmer.

Seine Mitarbeiter sagen: „Der Alte kann im Dunkeln sehen!“ Das stimmt nicht: Er sieht lediglich, was andere übersehen.

Zeigefinger: Mach endlich!

Während sein Geschäftsführer einen Berater engagieren und ein Krisenszenario aufstellen will, geht der Eigner schon mal zur Bank und klärt die Sache. Der Unterschied? Während der Manager analysiert, plant, szenariert und konzipiert, macht der Eigner.

Er macht der Bank den Vorschlag: „Kommen Sie morgen, 15 Uhr, in die Firma. Nach einem kurzen Rundgang setzen wir uns zusammen, installieren freiwillig einen Aufsichtsrat, mit Sitz für einen Vertreter Ihrer Bank. Dann können Sie uns in monatlichen Aufsichtsratssitzungen kontrollieren. Außerdem kennen Sie doch so viele Unternehmen: Bringen Sie Ihre Anregungen und Ideen ein – wir nehmen diese in den Aktionsplan auf.“ Die Bank schlägt ein: mehr Kredit gegen mehr Transparenz.

Mittelfinger: Mach, was Sinn macht!

Gerade in Krisenzeiten blüht der Aktionismus mistanfälliger Führungskräfte: Sie wirbeln, sie klappern, sie verbreiten Hektik. Sie machen so vieles – und so wenig von dem, was wirklich

  • nötig,
  • wesentlich,
  • zentral,
  • unabdingbar
  • und im Sinne des Worts not-wendend ist.

Der Eigner lässt sich nicht von der hektischen Umtriebigkeit seines Führungsteams anstecken. Er analysiert sich nicht zu Tode, konzipiert keine dreißigste Kostensenkungskampagne, sondern macht das Einzige, was die Situation retten kann: den Engpass beseitigen, die Bank besänftigen. Und er macht es sich dabei so einfach wie möglich.

Ringfinger: Mach’s einfach!

Er geht einfach zur Bank und macht eine Handvoll simpler Vorschläge. Ohne 40 Folien Powerpoint, ohne „Krisenstrategie“ und andere Management-Moden, ohne ausgeklügelten „Produktportfolio-Relaunch“. Er macht das, was nötig ist und macht es auf einfachstmögliche Weise, während andere Führungskräfte gerne von der „wachsenden Komplexität und Dynamik unserer Zeit“ reden.

Kleiner Finger: Mach fertig!

Der Manager gibt auf, bevor die Bank im Boot ist. Der Eigner macht so lange, bis die Bank ihr Placet gibt. Und er zieht die Sanierung so lange durch, bis der Cashflow eine Rückkehr zur alten Kreditlinie erlaubt. Sein Geschäftsführer hätte schon lange vorher den Berater ins Haus geholt.

Action Management: Die 5-Finger-Methode

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Das Trivialparadoxon

Seit Auswertung des Feedback-Tsunamis biete ich Klienten, Buchlesern, Vortragshörern und Seminarteilnehmern eine Wette an: Wenn Sie auch nur einen einzigen Fall von Mist im Management kennen, der nicht aus einer Missachtung einer oder mehrerer der 5-Finger-Maximen entstanden ist, gebe ich Ihnen auf der Stelle hundert Euro.

Die Wette läuft seit Monaten – der Hunderter steckt noch immer in meiner Börse. Was logisch ist: Wann immer ein Manager, ein Mensch, ein Lehrer, ein Vater, eine Mutter oder ein Politiker Mist baut, können Sie sicher sein,

  • dass er etwas übersehen hat,
  • dass er zu lange nachgedacht und zu spät gehandelt hat,
  • dass er sich in Nebensächlichem verzettelt,
  • es sich und seinen Leuten viel zu kompliziert gemacht
  • und/oder sein Ding nicht bis zum Ende durchgezogen hat.

Die Besten der Besten dagegen sehen, was andere übersehen. Sie werden schneller tätig als der Rest, machen (nur) das Wesentliche, machen es sich dabei so einfach wie möglich – und ziehen ihr Vorhaben bis zur letzten Konsequenz durch. Diese 5-Finger-Methode ist so einfach, dass wirklich jeder schon mal drauf gekommen sein könnte: Viele wissen davon – aber nur wenige machen es auch. Das ist der kleine Unterschied, der den großen Unterschied macht.

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