Unternehmensführung: Was wir von Robinson Crusoe lernen können …

Veröffentlicht am 10. Juli 2014 in der Kategorie Management & People Skills von

Themen: ,

Unternehmensführung: Was wir von Robinson Crusoe lernen können ...Auf der Suche nach Führungskräften ziert seit einiger Zeit der Begriff des „Unternehmers im Unternehmen“ die Anforderungsprofile vieler Unternehmen. Was zeichnet diese gesuchten Erfolgsmenschen eigentlich aus?

Welche Fähigkeiten und Eigenschaften der Wunderknabe „Manager“ mitbringen soll. Die Antworten der Personalentscheider auf die Frage ist folgende:

  • führungsstark
  • eigenverantwortlich
  • visionär
  • kostenbewusst
  • entschlussfreudig
  • dynamisch
  • loyal.

„Ein Unternehmer im Unternehmen eben“, heißt es kurz und lapidar. Man fragt sich, was ist wirklich damit gemeint. Sind lohnabhängige Führungskräfte nicht ein Widerspruch zum Unternehmer im Unternehmen? Welcher angestellte Manager geht schon gern tagtäglich hochmotiviert (denn das erwarten wir ja schließlich von ihm!) zur Arbeit in dem Bewusstsein, nur für einen vielleicht sogar unbekannten Unternehmer oder Aktionär Kohle zu scheffeln und mit Reißzähnen und Klauen den Shareholder Value zu verteidigen?

Robinson Crusoe - DER Unternehmertyp?

Nein, es muss noch etwas anderes gemeint sein mit diesem selbständig agierenden Unternehmertyp. Eigentlich erinnert all das an Robinson, den legendären Helden in Daniel Defoes Roman. Genau genommen war Robinson Crusoe das Urbild des Unternehmertypen. Wie der Autor mitteilt, entstammte der Traummann aller Fernreisenden einer Bremer Kaufmannsfamilie und hieß in Wirklichkeit Kreutzner.

Als er ungewollt auf seiner Insel landete, brauchte er zum Überleben alle Eigenschaften, die dem Unternehmertypen von heute zugeordnet werden:

  • Schaffenskraft
  • Arbeitsfreude
  • Erfindergeist
  • Risikobereitschaft usw.

Robinson hatte es mit seinem „Unternehmen“ nicht gerade leicht: Rohstoffe musste er selbst organisieren, es gab keine ausgebildeten Mitarbeiter, selbst Werkzeuge fehlten. Aber Robinson kam durch, zur Bewunderung aller Geschlechter von 1719 an bis zum heutigen Tage. So schwer es dieser Überlebenskünstler auch hatte – in vieler Hinsicht hatte er es leichter als die heutigen Unternehmertypen.

Die Schwierigkeiten eines Unternehmers

Robinson Crusoe musste sich um folgende Dinge gar nicht kümmern:

  1. Er hatte keine Konkurrenz, denn er war der einzige in seinem „Markt“.
  2. Er brauchte kein Marketing, keine Werbung und er konnte seine Produktion genau auf seinen Markt abstimmen, denn er selbst war schließlich der einzige Kunde.
  3. Er hatte keine Geldsorgen, denn es gab keines. Er brauchte weder eine alles genehmigende Konzernzentrale noch eine Bank für Kredite.
  4. Er hatte auch keine Managementprobleme. Vielmehr lernte er rasch den Unterschied zwischen Arbeit und Beruf kennen: Solange er allein war, hatte er jede Menge Arbeit. Aber dann tauchte Freitag auf und mit ihm der Ruf nach Arbeitsteilung (wer macht was?).

Freitag wurde „berufstätig“ und Robinson sein Boss. Mit einem Wort: der Unternehmer Robinson war geboren. Er wurde zum Beweis für die Erkenntnis: „Wir können mehr, wenn wir müssen, als wir glaubten zu können, solange wir nicht mussten.“

Fazit: Wir müssen nur wollen.

Unternehmerische Manager oder managende Unternehmer unserer Zeit haben zwar nicht mit wilden Tieren und nur selten mit der Bösartigkeit der Natur zu kämpfen, aber jeden Tag mit einem Umfeld, das ihre Arbeit zu einer nicht geringeren Herausforderung macht. Sie sind – sehen wir mal von einigen wenigen Ausnahmen ab – auf sich allein gestellte Einzelkämpfer.

Der Unternehmer - ein Einzelkämpfer

Sie haben keine Lobby, keine Tarifgemeinschaft, die ihre Interessen vertritt. Sie müssen führen, und das bedeutet „machen, dass der Karren läuft“. Sie müssen Menschen bewegen, auf ein Ziel hin steuern. Sie brauchen unbeugsame Willenskraft, die auf andere ausstrahlt und die dem Handeln oberste Priorität einräumt.
Sie müssen Macht ausüben – nicht um sich daran zu berauschen, sondern

  • um Entscheidungen zu beschleunigen
  • Mitarbeiter mächtiger, stärker werden zu lassen
  • um sich verantwortlich zu fühlen
  • und Ziele zu erreichen.

Sie dürfen Mitarbeiter nicht nur als Arbeitskraft betrachten, sondern müssen sie als Persönlichkeit anerkennen, nicht als Arbeitnehmer, sondern als Eigentümer von kostbarem Humankapital, nicht als Kostenstelle, sondern als Gewinnproduzent.

Wenn wir diese „Unternehmer im Unternehmen“ wirklich wollen, dann bedarf es in den Betrieben als erstes einer Kultur, die Fehler zulässt. Sonst bleiben ihre noch so innovativen Strategien und Ideen in den aus Angst aufgebauten Kontrollmechanismen hängen.

Experimentieren statt kontrollieren!

Dabei bedeutet doch gerade innovativ zu sein, zu experimentieren. Wer sich aber traut zu experimentieren, läuft natürlich auch Gefahr, dass seine Versuche scheitern. Wie kann man solche Misserfolge rechtfertigen? Wie häufig kann sich ein „Unternehmer im Unternehmen“ Flops erlauben, bis es heißt: Den hat das Glück verlassen. Der ist inkompetent.

In modernen Unternehmen hat man inzwischen erkannt: Wer mit Angst regiert, ist kein guter Unternehmenslenker. Wer unter Angst leidet und führen soll, taugt nicht zum Manager, erst recht nicht zum „Unternehmer im Unternehmen“. Die Zukunft gehört denen, die Risiken als Chancen betrachten und ihre Leute angstfrei arbeiten lassen.

Wenn also der Ruf nach den „UIUs“ kein Lippenbekenntnis ist, dann müssen wir die Führungskräfte danach auswählen. Dann brauchen wir nicht die Nick-Auguste, Duckmäuser und Ja-Sager, sondern Leute, die mutig nach eigener Überzeugung handeln. Und das sind dann die Leute, die wirklich etwas unternehmen im Unternehmen.