Kassenrabatte – darauf sollten Sie achten!

Veröffentlicht am 24. Oktober 2011 in der Kategorie Versicherungen & Banken von

Obwohl die deutschen Krankenkassen laut Bundesbank im Jahr 2011 einen Überschuss von weit über drei Milliarden Euro verzeichnen werden, sind Beitragssenkungen nicht in Sicht. Auch mit Prämienauszahlungen sollte man nicht rechnen, da nicht nur die Zuwendungen aus dem Bundeshaushalt im kommenden Jahr auf 14 Milliarden reduziert werden, sondern auch ein schnellerer Anstieg der Ausgaben im Vergleich zu den beitragspflichtigen Einkommen ansteht.

Selbstbehalt und Leistungsverzicht:

Wer also dennoch im Rahmen seiner Krankenversicherung sparen will, ist beispielsweise auf Selbstbehalte oder Leistungsverzicht angewiesen. Man sollte sich jedoch im Klaren darüber sein, welche Risiken bzw. Nachteile man durch solche Sparmaßnahmen in Kauf nimmt. Beim Selbstbehalt verpflichtet sich der Versicherte, bei sämtlichen Leistungen einen Teil der Kosten bis zu einem bestimmten Betrag selbst übernehmen.

Der Vorteil: Auf den Beitrag wird ein entsprechender Rabatt gewährt, der allerdings unterhalb des maximalen Selbstbehalts liegt. Das Problem: Das Modell rechnet sich für die Versicherten aber nur dann, wenn keine Leistungen bzw. nur solche mit geringen Kosten in Anspruch genommen werden. Andernfalls zahlt man trotz des vermeintlich günstigeren Tarifs drauf.

Vergleichbar verhält es sich mit Tarifen, die einen Leistungsverzicht umfassen. Um in den Genuss von Rabatten zu kommen, muss der Versicherungsnehmer ebenfalls einen Anteil der Kosten selbst tragen. Der Selbstbehalt ist hierbei jedoch auf ausgewählte Sektoren wie Kur, Haushaltshilfe oder Zahnersatz begrenzt, sodass einige Bereiche von vorne herein ausgeschlossen sind.

Der Vorteil: Verglichen mit einem Selbstbehalt für alle anfallenden Leistungen ist hier das finanzielle Risiko eines Nachteils besser überschaubar. Das Problem: Entsprechend höher ist auch die Differenz zwischen Prämie und maximalem Eigenanteil.

Drum prüfe, wer sich für drei Jahre bindet…

Die eigene Recherche sollte sich auf Informationen aus zwei Ebenen stützen. Auf einer ersten, konstanten Ebene sind rechtliche Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, die für alle Versicherer gelten. Vor diesem Hintergrund kann die jährliche Prämie max. 20 Prozent der vom Versicherten selbst übernommenen Beiträge betragen, darf eine Höhe von 600,00 Euro allerdings nicht überschreiten (vgl. Sozialgesetzbuch § 53, Abs. 8 SGB V). Gesetzlich festgelegte Untersuchungen zu Vorsorge und Früherkennung, für die außerdem keine Praxisgebühr bezahlt werden muss, dürfen prinzipiell ohne eigene Zuzahlung in Anspruch genommen werden. Von einer eventuellen Selbstbehaltsregelung bleiben diese Termine unberührt.

Auf einer zweiten Ebene sind diejenigen Aspekte zu beachten, die von Versicherung zu Versicherung variieren können. Vorweg: Gemeinsam ist allen Anbietern, dass eine Selbstbehaltsregelung für einen Zeitraum von drei Jahren gilt.

Ansonsten lohnt sich ein gewissenhafter Vergleich zwischen einzelnen Versicherern. Hinsichtlich der Selbstbehaltsstaffelung legen die einzelnen Kassen die Grenzen individuell fest. Was ambulante ärztliche und zahnärztliche Versorgung ohne weitere Verordnungen anbelangt, gehen die Kassen ebenfalls unterschiedlich vor. Gleiches gilt auch für Leistungen, die von beitragsfrei Mitversicherten in Anspruch genommen werden.

Ja was denn nun, Selbstbehalt oder nicht?

Einige Versicherungsanbieter koppeln den Selbstbehalt zudem an die Zustimmung des Versicherten zum Prinzip der Kostenerstattung. Die Versicherungsnehmer treten dann beim Arzt im Range von Privatpatienten auf. Stellt dieser nun ein Honorar, das über dem gesetzlichen Rahmen liegt, müssen die Versicherten dies übernehmen. Da die Krankenkassen nur Kassenleistungen erstatten, lauert hier ein finanzielles Risiko auf die Versicherten.

Unter dem Strich empfiehlt sich eine Selbstbehaltsklausel besonders angesichts der Drei-Jahres-Regelung nur für diejenigen, die sich bereits bester Gesundheit erfreuen und davon ausgehen, dass sich hieran in absehbarer Zeit nichts ändert. Ansonsten ist sorgfältig abzuwägen, ob Selbstbehalt oder Leistungsverzicht besser zu den individuellen (finanziellen) Möglichkeiten passt. Vorsicht ist in diesem Zusammenhang geboten, sobald die Selbstbehalte an Kostenerstattungsmodelle gebunden werden sollen.

Unternehmer.de Redaktion: Michael Maussner

(Quelle: www.focus.de)

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