Kofler Energies: Revolution aus heißer Luft

Veröffentlicht am 9. November 2010 in der Kategorie Reportage von

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Selbst ein unternehmerisches Energiebündel, wagt sich Ex-Premierechef Georg Kofler ausgerechnet ans Energiesparen heran: Kofler Energies bietet Industriekunden und neuerdings auch Privathaushalten Energieeffizienz mit Erfolgsgarantie. Noch fährt der unabhängige Energiesparclub zwar Verluste ein, doch der Markt bietet ein enormes Potential. Und so hat Kofler bereits den Börsengang im Visier – in seiner Karriere wäre es bereits der Dritte.

Von Unternehmer.de-Reporterin Linda Csapo

Es ist kein Zufall, dass Kofler Energies den Namen seines Chefs und Gründers trägt: Ex-Medienmanager Georg Kofler ist nach über 20 Jahren im Fernsehgeschäft längst selbst zur Marke geworden. Doch seine „besondere Mischung aus Erfahrung und Pioniergeist“, die ihm von seinem damaligen Premiere-Aufsichtsratschef Peter Mihatsch attestiert worden ist, trieb ihn auf ein völlig neues Geschäftsfeld – das er nun mit altbewährten Methoden beackert. Denn was Fernsehzuschauer und Stromverbraucher gemeinsam haben: Geht es nach Georg Kofler, kann man beiden Abonnements verkaufen. Zahlte das Publikum des verschlüsselten Privatsenders Premiere (heute Sky) für exklusive Sportübertragungen und aktuelle Kinofilme, sollen die Kofler-Kunden durch ihre Clubmitgliedschaft Strom sparen.

Dahinter steckt ein ebenso einfaches, wie intelligentes Geschäftsmodell: Kofler garantiert seinen Kunden eine Senkung der Energiekosten um mindestens zehn Prozent. An allen darüber hinausgehenden Einsparungen – in der Regel 25 bis 40 Prozent - verdient Kofler mit. Der Kunde riskiert dabei nicht einen Euro, denn alle Investitionen in Modernisierung und Energieverwaltung werden vorfinanziert. Kofler Energies übernimmt auf Wunsch auch Instandhaltung, Versicherung und Energie-Controlling der neuen Anlagen. Damit könne der Kunde jährlich weitere zwei bis drei Prozent seiner Kosten einsparen.

„Europas größte Energiequelle“

Beteiligungen von Koffler Energies

Als Kofler Energies 2008 an den Start ging, hatte das Unternehmen die Sanierung energieintensiver Produktionsanlagen, Gewerbeimmobilien und öffentlicher Gebäude zum Kernziel. „Energiesparen im Industriellen Maßstab“, so die selbstgestellte Mission. Derzeit betreut Kofler Energies rund 2.000 Geschäftskunden mit insgesamt über 12.000 Objekten. Doch da geht noch mehr: „Allein in Deutschland stehen 50.000 Gebäude, deren Energierechnung durchschnittlich eine Million Euro beträgt“, so Kofler. Allein bei diesen Großverbrauchern sieht er ein Einsparpotential von 15 Milliarden Euro pro Jahr. Dass zusätzlich zu den rein ökonomischen Anreizen auch Umwelt und Klima profitieren – denn die Kostensenkungen bedeuten gleichzeitig auch eine Reduktion des CO2-Ausstoßes um 50 Millionen Tonnen – nennt man wohl eine klassische Win-Win-Situation: „Ich war immer der Meinung, dass marktwirtschaftliche Modelle die entscheidenden Impulse für den Klimaschutz geben müssen.“

Ab diesem Herbst jedoch will Kofler zusätzlich zu den Kommunen und Industriekunden auch Privathaushalte für sich gewinnen. Mit „Kofler Energies Club“ wurde im Oktober Deutschlands erster Energiesparclub ins Leben gerufen – und Kofler wäre nicht Kofler, wenn er das Projekt nicht gleich zum „ADAC für Hausbesitzer“ ausgerufen hätte: Bis Ende 2012 soll der Club bereits mehr als eine Million Mitglieder aufweisen können, so das ehrgeizige Ziel. „Ein kleiner Schritt für viele Haushalte, ein großer Schritt für die Haushaltskasse und die Umwelt“, wird sogar Neill Armstrongs berühmtes Mondlandungszitat bemüht. Konkret bedeutet dieser kleine Schritt eine Jahresgebühr von überschaubaren 75 Euro – halb so viel, wie die garantierte Mindesteinsparung von 150 Euro pro Mitgliedshaushalt. „Im Schnitt“, so das Versprechen, „sparen die Mitgliedshaushalte jedoch 500 Euro pro Jahr.“ Dafür sorgen die rund 800 angestellten Ingenieure, Energieexperten und Fachberater: Bei Hausbesuchen analysieren sie die Ausgangslage, erstellen Wärmebilder um Energieverluste aufzudecken und entscheiden, ob eher eine neue Dämmung oder aber eine neue Heizungsanlage Sinn machen. „Die Energiewende beginnt zu Hause, nicht in Parlamenten, Hinterzimmern oder Konzeptpapieren“, so Kofler.

Bei 11,3 Millionen Einfamilienhausbesitzern allein in Deutschland sind sowohl der potentielle Kundenkreis als auch deren Einsparungsmöglichkeiten enorm: „Energiesparen ist Europas größte Energiequelle!“, so Kofler. Die Beratungsfirma Roland Berger etwa schätzt den deutschen Markt für Energieeffizienz auf 70 Milliarden Euro. Weltweit könnte das Volumen in den kommenden zehn Jahren sogar von derzeit 600 Milliarden auf eine Billion ansteigen – eine Größenordnung, die Koflers ehemaliges Terrain, das Fernsehen, wohl nie erreichen wird.

Wunderkind und Feuerwehrmann

Nach über 20 Jahren im TV-Business galt Georg Kofler als einer der wichtigsten Strippenzieher und fest etablierte Größe. „Pionier des Privatfernsehens“, „Medienmogul“ - das waren seine häufigsten Synonyme in der Tagespresse. Deshalb rieben sich die Branchenkenner die Augen, als er im August 2007 überraschend seinen Rückzug der Medienlandschaft bekannt gab. Der Sohn eines Südtiroler Holzfällers und einer Fabrikarbeiterin hatte bis dahin immer nur zwei Richtungen gekannt, und die gingen aufwärts und vorwärts.

Dr. Georg Kofler

Nach Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaften sowie Promotion war er schon als junger Berufsanfänger internationaler Referent des damaligen ORF-Generalintendanten Gerd Bacher. Nur ein Jahr später, 1987, wechselt Kofler bereits zur Kirch-Gruppe: Hier soll er, mit gerade einmal 31 Jahren, den defizitären Fernsehsender Eureka TV sanieren – heute bekannt als Prosieben. 1997 geht der Kanal unter der Führung Koflers als ProSieben Media AG mit Vorzugsaktien an die Börse. Kabel1, der Home-Shopping-Kanal HOT, der Nachrichtensender N24: alles ebenfalls Ziehkinder von Kofler. 2002, auf dem Höhepunkt der Kirch-Krise, ruft der nächste Brandherd: der Bezahlsender Premiere erweist sich als taumelnder Geldvernichter. Als Kofler drei Jahre später mit Premiere an die Börse geht – es ist der bis dahin größte Börsengang der deutschen Medienindustrie - ist das Unternehmen zwei Milliarden Euro wert. Zwar ist es Kofler nicht gelungen, Premiere dauerhaft in die schwarzen Zahlen zu bringen. Seinen Untergang im Strudel der Kirch-Pleite hat er jedoch erfolgreich verhindern können - und mit dem Verkauf seiner eigenen Aktienanteile den finanziellen Grundstock für Kofler Energies gelegt.

Gespür für Timing

„Ich wollte aus der Medienbranche raus“, gibt Georg Kofler heute zu. Und das offenbar zum richtigen Zeitpunkt: Premiere - mittlweile umgetauft in Sky - hat über eine Millionen seiner Abonnenten verloren und stagniert seither auf diesem Niveau. Zu den besten Zeiten zählte der Sender noch 3,5 Millionen zahlende Zuschauer. Viele Aktionäre klagen auf Schadensersatz und werfen dem Ex-Manager vor, die Zahlen schöngerechnet zu haben. Kofler dementiert entschieden. Außerdem könnte ihm das eigentlich auch egal sein, sein Gewinnanteil wird auf über 100 Millionen Euro geschätzt. Doch um sich auf seinem gemachten Bett auszuruhen, dafür versprüht er selbst zu viel Energie - ein neues Projekt musste her.

„Ich habe alle unternehmerischen Wachstumsfelder analysiert“, so Kofler. „Und mich für den spannendsten und größten Markt entschieden.“ Energieeffizienz also. Und auch hier stimmte das Timing: Trotz des gigantischen Marktpotentials gab es in Deutschland noch keinen Mitbewerber auf Augenhöhe. Energieberatung war Sache von Kleinbetrieben oder den Stromerzeugern selbst. Wenn jedoch das Kerngeschäft aus der Erzeugung und dem Verkauf von möglichst viel Energie besteht, dürften ernsthafte Einsparabsichten naturgemäß im Wege stehen. „Wir dagegen sind unabhängig von den Interessen der Energiekonzerne oder Anlagenhersteller,“ erklärt Peter Vest, Vorstandsvorsitzender vom Kofler Energies Club. „Diese wollen die ihren Kunden doch möglichst viel Energie oder möglichst teure Haustechnik verkaufen.“ Unabhängigkeit, Rundum-sorglos-Pakete, schwarz auf weiß garantierter Erfolg: Das sind die ausgewiesenen Zutaten für Koflers Zauberformel.

„Die Zeit ist Reif für unsere Idee.“

Die Zeichen stehen für Kofler jedenfalls auf Wachstum: Der Konzern setzt im Geschäftsjahr 2010 200 Millionen Euro um, ein Umsatzplus von über 100 Prozent (2009: 91 Millionen). Drei der fünf Geschäftsfelder - „Ingenieure und Technologie“, „Energieeffizienz für Geschäftskunden“ sowie „Energiehandel“ - sind bereits profitabel. Allerdings sind in diesem Jahr dennoch noch keine Gewinne zu erwarten, zu hoch waren die Investitionen in den Aufbau des Energie-Clubs:

„Wir haben in den vergangenen zwei Jahren viel Aufbauarbeit geleistet“, erklärt Georg Kofler. „Die Anlaufverluste in den Jahren 2008 und 2009 spiegeln die Aufbauinvestitionen wider und beinhalten auch einmalige Integrationskosten sowie bilanzielle Sondereffekte.“ Doch Kofler hat bereits das nächste Ziel im Auge: Obwohl die Unternehmensgründung auf seinen eigenen Mittel beruht, möchte er auch mit Kofler Energies zurück aufs Börsenparkett, nächstes Jahr will er darüber entscheiden. „Energieeffizienz wird neben der etablierten Energieerzeugung zur zweiten Säule der Energiewirtschaft“, gibt sich Kolfer strotzend vor Selbstbewusstsein. „Die Zeit ist reif für unsere Idee!“

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