Robinsonlisten: Empfehlung für Werbung und Adresshandel

Veröffentlicht am 20. Mai 2010 in der Kategorie Recht & Gesetze von

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Robinsonlisten sind nicht nur in Deutschland anerkannte und praktizierte Schutzlisten, in die sich Verbraucher eintragen, um weniger unangeforderte Werbung zu erhalten.

Dies betrifft natürlich nur solche Werbeaktivitäten, die der Adressat nicht selbst als erwünscht angefordert bzw. durch rückbestätigtes „Opt-in“ erlaubt hat. Die Berechtigung zur Kontaktierung muss im Zweifelsfall jedoch immer der Verursacher nachweisen.

Grundsätzlich ist die unangeforderte Kontaktierung mit Werbecharakter per E-Mail, Telefon (Mobil und Festnetz) sowie Fax gemäß §7 Absatz 2 Nr.3 UWG gesetzlich untersagt. Ergänzend dazu dienen u.a. die gültigen Paragrafen der Teledienstegesetze. Sie regeln neben dem Verbot für irreführende oder verschleierte Angaben auch die Androhung von Bußgeldern bis zu 50.000 Euro bei Zuwiderhandlung.

Um der Wirtschaft mehr Sicherheit bei Werbekontakten und dem Verbraucher mehr Schutz vor unerbetener Werbung zu ermöglichen, führen Branchen- und Verbraucherschutzverbände deshalb bereits seit mehr als zehn Jahren die seit 2001 auch von der EU den Ländern anempfohlenen zentralen Robinsonlisten.

Die Listen werden von großen Teilen der Wirtschaft zum Abgleich benutzt, um bei erworbenen oder fremden Adressbeständen (als Dienstleister) keine unerwünschte Kontaktierung vorzunehmen. Besonders eklatant ist dies bei der Benutzung von Telefonkontakten, bei denen das Vorhandensein eines nachweisbaren Opt-in in der Mehrheit der Fälle noch immer zweifelhaft ist.

Deutsche Robinsonlisten gibt es für

  • Briefpost (DDV Deutscher Direktmarketing Verband e.V., Wiesbaden)
  • Fax (BITKOM Bundesverband Informationwirtschaft Telekommunikation und Neue Medien e.V., Berlin)
  • E-Mail (I.D.I. Interessenverband Deutsches Internet e.V., München)
  • Mobiltelefon (I.D.I. Interessenverband Deutsches Internet e.V., München
  • Festnetztelefon (I.D.I. Interessenverband Deutsches Internet e.V., München)

Eine zentrale Zusammenfassung erfolgt derzeit über die in Kooperation mit dem I.D.I. Verband gegründete Institution der „Deutsche Robinsonlisten e.V.“ mit Sitz in Bochum (www.robinsonlisten.de).

Der Eintrag in eine Robinsonliste ist für den Verbraucher grundsätzlich kostenlos. Die Statuten der Listen erlauben keine bezahlten Einträge durch jedwelche Diensteanbieter, was aber immer wieder versucht wird, auch unter Missbrauch des Namens der dafür zuständigen Treuhänder. Der Abgleich für die Wirtschaft ist mit
geringen Kostenpauschalen verbunden.

Während Einträge in die Briefpost- und Fax-Robinsonliste überwiegend per Postverkehr schriftlich abzuwickeln sind, kann dies für E-Mail-, Mobil- und Festnetztelefon bereits seit Bestehen über die elektronischen Medien – vorwiegend das Internet – stattfinden. Aber auch für Briefpost gibt es dafür inzwischen ein Online-Portal (www.postrobinsonliste.de).

Im Internet werden dabei verschlüsselte Sicherheitsverfahren genutzt, die eine Ausspähung der eingetragenen Daten durch unbefugte Dritte ausschließen. Wer über kein Internet verfügt, kann den Eintrag auch schriftlich oder in Ausnahmefällen telefonisch vornehmen. In der Praxis nimmt die Werbewirtschaft beim Abgleich jene Adressen aus den eigenen freien Werbebeständen heraus, die in die Robinsonlisten eingetragen wurden. Die dafür angebotenen Abgleiche laufen über verschlüsselte Verfahren, so dass abgleichende Unternehmen nur die Daten aus der Robinsonliste gemeldet bekommen, die sich in den eigenen Adressbeständen befinden. Missbrauch oder Ausspähung durch unbefugte Dritte ist deshalb in jedem Fall ausgeschlossen.

Grundsätzlich beschränkt sich der Nutzen der Listen auf Werbeaktivitäten und die davon betroffenen Verbraucher in Deutschland. Obwohl der Einsatz bei Werbeversendern auf freiwilliger Basis stattfindet, hat sich die Existenz der Listen in der Praxis längst bewährt, zudem geht ein nicht unerheblicher disziplinarischer Effekt von ihnen aus. Auch der positive psychologische Einfluss auf den Verbraucher („Hier wird etwas für mich getan!“) spielt eine nicht unerhebliche Rolle.

Derzeit nutzen etwa 500 Werbevermarkter in Deutschland die Einrichtung der Robinsonlisten mit ihren über 3 Mio. eingetragenen Verbrauchern (Stand: Februar 2010). Dies ist in Anbetracht der bei Zuwiderhandlungen zu erwartenden kostenbewehrten Abmahnungen und vom Gesetzgeber festgelegten Geldbußen eine respektable, aber immer noch nicht ausreichende Quote. Das Thema sollte deshalb bei Wirtschaftvereinigungen und Verbänden noch stärker sensibilisiert werden.

Kaum Einfluss haben die deutschen Listen natürlich auf Werbeaktivitäten aus dem Ausland, die allerdings oftmals auch von deutschen Firmen zur Verschleierung des Urhebers benutzt werden. Dies allein stellt aber bereits einen Gesetzesverstoß dar. Wann das deutsche Parlament sich zu der von der EU empfohlenen gesetzlichen Verankerung der Robinsonlisten entschließen wird, ist allerdings noch immer offen.

(Bild: © LaCatrina - Fotolia.com)