Achtung Falle: Schützen Sie sich vor Bewerbungsbetrug! (Teil IV)

Veröffentlicht am 10. Mai 2011 in der Kategorie Recht & Gesetze von

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Manche Arbeitgeber fordern vom Bewerber die Vorlage eines Führungszeugnisses als Präventionsmaßnahme gegen die Einstellung von Bewerbern mit krimineller Energie. Dieser an sich gut gemeinte und grundsätzlich auch durchaus empfehlenswerte Weg beinhaltet jedoch einige Fallstricke hinsichtlich einer vermeintlichen durch das Führungszeugnis ausgehenden Sicherheit.

Zunächst einmal ist es so, dass Verurteilungen zu Geldstrafen von nicht mehr als 90 Tagessätzen oder zu Freiheitsstrafen von nicht mehr als 3 Monaten im Regelfall nicht in das Führungszeugnis aufgenommen werden.

Gleiches gilt für Jugendstrafen von bis zu 2 Jahren auf Bewährung. Nicht übersehen werden darf auch, dass strafrechtlich Personen unter 14 Jahre als strafunmündig gelten. Deshalb haben diese Personen strafrechtlich einen Zeugen- und keinen Beschuldigtenstatus. Nichtsdestotrotz gibt es durchaus nicht wenige strafunmündige Kinder die regelmäßig Straftaten begehen. Diese Kinder sind potentielle zukünftige Arbeitnehmer mit ggf. eintragsfreien Führungszeugnissen.

Milde Verurteilung von Ersttätern

Hinzu kommt, dass die deutschen Gerichte meiner Erfahrung nach gerade bei Ersttätern oftmals sehr milde urteilen. Ganz besonders gilt dies bei jugendlichen Tätern, da die Gerichte bei diesen weniger die Bestrafung als vielmehr den Erziehungsgedanken im Vordergrund sehen.

Deswegen ist eine Verurteilung von Jugendlichen, insbesondere bei Ersttätern, von mehr als 2 Jahren zur Bewährung in den meisten Fällen als äußerst unwahrscheinlich zu betrachten. Es sei denn, es wurden äußerst massive Straftaten begangen.

Es ist aber nun keineswegs so, dass Mitarbeiterkriminalität nur bei Erwachsenen ein Thema ist. Ein krimineller Jugendlicher der als Auszubildender eingestellt wird, kann in vielen Fällen dem Unternehmen auch massiven Schaden zufügen.

Wer jedoch keinen Eintrag in seinem Führungszeugnis hat, darf sich rechtlich als nicht vorbestraft bezeichnen. Hier hat der Arbeitgeber auch zivilrechtlich schlechte Karten, wenn sich zu einem späteren Zeitpunkt herausstellen sollte, dass ein Bewerber ohne Führungszeugniseintrag bereits Straftaten begangen hat, die er aber im Einstellungsgespräch verschwiegen hatte.

In meiner langen Zeit bei der Kriminalpolizei haben meine Kollegen und ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass die meisten Strafverfahren aus den verschiedensten Gründen eingestellt werden. Kommt es dann doch mal zu einer Verurteilung, dann sind Strafen von mehr als 90 Tagessätzen oder Freiheitsstrafen von mehr als drei Monaten eher selten, es sei denn es handelt sich um schwere Straftaten oder penetrante Wiederholungstäter.

Führungszeugnis kein Garant

Somit ist ein Führungszeugnis kein Garant für einen soliden Bewerber. Außerdem darf man die generelle Dunkelziffer bei Straftätern nicht unberücksichtigt lassen. Ladendiebstähle haben zum Beispiel in den meisten Kriminalstatistiken eine sehr hohe Präsenz, gleichzeitig werden viele Ladendiebe erst nach sehr vielen Wiederholungstaten ertappt. Können dann dem Ladendieb keine weiteren Taten nachgewiesen werden und ist er bis dahin strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten (da noch nie erwischt), so stehen seine Chancen gut, einem Führungszeugniseintrag durch ein mildes Urteil oder durch eine Einstellung des Verfahrens zu entgehen. Gleiches gilt auch dann, wenn der Ladendieb regelmäßig stiehlt, aber nur alle paar Jahre ertappt wird. Eine ähnliche Problematik besteht bei Betrugsdelikten.

Gerade aber Betrug und Diebstahl gehören zu den größten Gefahrenfeldern im Sektor Mitarbeiterkriminalität. Arbeitgeber haben zu Recht ein vorrangiges Interesse daran, gerade die Einstellung von Bewerbern mit vermögenskriminellem Hintergrund zu vermeiden. Bei Ladendiebstählen sind jugendliche Täter auffällig überrepräsentiert. Ob sie mit der Unterzeichnung eines Auszubildendenvertrages allerdings ihre kriminelle Energie vor dem Firmenportal ablegen, darf bezweifelt werden.

Löschungsfristen für Straftaten

Bei Führungszeugnissen ist außerdem noch wissenswert, dass für Straftaten, die in ein Führungszeugnis eingetragen werden, Löschungsfristen zwischen drei und zehn Jahren bestehen. Viele Straftaten fallen hierbei in die 3-Jahresfrist. Im Führungszeugnis gelöschte Straftaten tauchen nie wieder in einem solchen auf.

Weniger bekannt ist die Tatsache, dass Einträge in Führungszeugnisse auch auf Antrag des Betroffenen in bestimmten Fällen vorzeitig gelöscht oder gar nicht erst eingetragen werden können.

Außerdem berücksichtigt ein Führungszeugnis naturgemäß nur Einträge bis zum Tag der Ausstellung. Nicht wenige Bewerbungsbetrüger beantragen daher ihr Führungszeugnis kurz vor einer zu erwartenden gerichtlichen Verurteilung. So kann der Bewerbungsbetrüger in diesem Fall mit einem jungfräulichen Führungszeugnis zum Einstellungsgespräch erscheinen, obwohl er erst vor kurzem verurteilt worden ist.

Abschließend stelle ich fest, dass ein Führungszeugnis zwar eine sinnvolle Ergänzung einer professionellen und fundierten Bewerberprüfung sein, diese aber keinesfalls ersetzen kann.

Weitere Artikel dieser Serie:

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Achtung Falle: Schützen Sie sich vor Bewerbungsbetrug! (Teil II)
Achtung Falle: Schützen Sie sich vor Bewerbungsbetrug! (Teil III)

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