Achtung Falle: Schützen Sie sich vor Bewerbungsbetrug! (Teil III)

Veröffentlicht am 3. Mai 2011 in der Kategorie Recht & Gesetze von

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Die Methoden zum Erkennen von Bewerbungsbetrug ausführlich darzustellen, würde den Rahmen dieses Artikels bei weitem sprengen. Ich werde mich daher darauf beschränken, einige Beispiele zu nennen, um damit zur Sensibilisierung beizutragen und einige mögliche Vorgehensweisen aufzuzeigen.

Nun möchte ich Sie mit den vier Freunden bekannt machen, die sich mit vielen Bewerbungsbetrügern immer wieder ein Stelldichein geben. Gleichzeitig stelle ich Ihnen einige Möglichkeiten vor, die vier Freunde zu erkennen, wenn Sie bei Ihnen an die Tür klopfen. Sie sind nicht immer leicht zu erkennen, denn Diskretion ist bei den vier Freunden Ehrensache.

Die vier Freunde:

  1. Abwesenheit
  2. Qualität
  3. Fähigkeiten
  4. Position

Freund Nummer 1: Abwesenheit

Sein Motto lautet: „Ich bin dann mal weg, aber sagt es keinem weiter!“

Er ist der natürliche Feind des konsistenten Lebenslaufs. Anstatt wie vorgegeben durchgehend bei verschiedenen Arbeitgebern seine Arbeitskraft eingebracht zu haben, glänzte er durch Abwesenheit in Form von Arbeitslosigkeit, selbst auferlegten Auszeiten, Gefängnisaufenthalten, Aufenthalten in Therapie- oder Entzugseinrichtungen usw. Selbstverständlich behält er wie seine anderen Freunde dieses Wissen gerne für sich und täuscht stattdessen lieber das Gegenteil vor.

So können Sie ihn erkennen:

  • Internetrecherchen (z.B. gab es bzw. gibt es die Firmen der Referenzen wirklich?)
  • Echtheitsprüfung von Bewerbungsunterlagen
  • Anforderung von allgemeinem Informationsmaterial bei ehemaligen Arbeitgebern um den Briefkopf und das verwendete Briefpapier im Original für Vergleichszwecke zu bekommen (Achtung: möglichen Corporate-Design-Wechsel berücksichtigen)
  • Nachfragen bei ehemaligen Arbeitgebern (schriftliche Erlaubnis einholen, ohne Erlaubnis muss nach dem Gebot der Direkterhebung Betrugsverdacht begründbar sein!)
  • Taktischer Einsatz von kriminalistischen Gesprächstechniken
  • Logikfehler in den Arbeitszeugnissen (z.B. am Sonntag ausgestellt, neue Rechtschreibung angewandt vor der Reform, neue Postleitzahlen vor der Reform verwendet etc.)

Freund Nummer 2: Qualität

Sein Motto lautet: „Qualität und Quantität sind im Grunde das gleiche.“

Er verfügt über die beachtenswerte Gabe, selbst Kleinigkeiten groß wirken zu lassen. So wird jede Anekdote aus seinem bisherigen Arbeitsleben zum akustischen Hörgenuss. Was er auch anpackt, das wird auch super gut, so gut, dass er für seinen aktuellen Chef ein schlimmer Verlust werden könnte. Und weil er so gut ist, sollte man auch gut nachprüfen.

So können Sie ihn erkennen:

  • Echtheitsprüfung von Bewerbungsunterlagen insbesondere auf Ergänzungen oder Ausbesserungen einzelner Inhalte von echten Arbeitszeugnissen
  • Detailbefragungen durch kriminalistische Befragungstaktiken
  • Nachfragen bei ehemaligen Arbeitgebern (schriftliche Erlaubnis einholen)
  • Praktische Demonstration seines Könnens einfordern und Fachfragen stellen

Freund Nummer 3: Fähigkeiten

Sein Motto lautet: „Fähigkeiten, die ich nicht habe, erfinde ich einfach!“

Er kleckert nicht, sondern klotzt lieber. Seine EDV-Kenntnisse sind auf die jeweilige Stelle angepasst und selbstverständlich fundiert. Die Beschäftigung mit der englischen Sprache war ihm immer sein liebstes Hobby und für das Analysieren von Sachverhalten, schnellem Auffassen, Konfliktbewältigung und Mitarbeiterführung, da ist er immer der richtige Mann oder Frau.

So können Sie ihn erkennen:

  • Testen Sie seine Kenntnisse während des Bewerbergespräches durch einige praktische Aufgabenstellungen/Demonstrationen, wie sie für seine zukünftige Stelle bei Ihnen im Tagesgeschäft relevant sind.
  • Wenn er verhandlungssicheres Englisch angegeben hat, verhandeln Sie auf Englisch mit ihm. Geben Sie ein für Sie realistisches Beispiel aus einer echten Verhandlungssituation vor.
  • Hat er sehr gute Englischkenntnisse angegeben, können Sie nicht erwarten, dass er die Fachtermini für ein Verhandlungsgespräch beherrscht, jedoch sollte ein flüssiges Gespräch über ein beliebiges Alltagsthema kein Problem darstellen.
  • Er ist ein Talent in Mitarbeiterführung und Konfliktbewältigung? Testen Sie ihn im Rahmen eines überraschenden Rollenspiels.
  • Stellen Sie ihm zu allen seinen angegebenen Fähigkeiten Fachfragen.
  • Achten Sie bei den vorgelegten Arbeitszeugnissen speziell auf Ergänzungen (z.B. Fähigkeiten werden am Schluss genannt, da dort leichter einzufügen, andere Schriftart, Schriftgröße etc.).

Freund Nummer 4: Position

Sein Motto lautet: „Lieber mehr Schein als Sein!“

Er gibt sich daher ganz gerne mal als erfolgreiche Führungskraft aus. Für ihn sind zwei oder zwanzig unterstellte Mitarbeiter im Grunde genommen das gleiche, jedenfalls wenn es um ihn geht. Seine bisherigen Positionen passen selbstverständlich optimal zu Ihrem Firmenprofil bzw. Ihrer Stellenausschreibung. Eine Mitarbeiterin im Personalwesen kann auch schon mal selbsternannt zur Personalchefin bzw. Hauptverantwortlichen aufsteigen. Ein Leiter einer Einkaufsabteilung in einem kleinen Unternehmen kann auch schon mal lediglich ein ganz normaler Mitarbeiter gewesen sein, der mehrere Tätigkeiten in Personalunion ausführte.

So können Sie ihn erkennen:

  • Genaues Analysieren des Arbeitszeugnisses auf Prioritätensetzung und Verklausulierungen
  • Echtheitsprüfung von Bewerbungsunterlagen insbesondere auf Ergänzungen oder Ausbesserungen einzelner Inhalte von echten Arbeitszeugnissen
  • Ungewöhnlich positive Arbeitszeugnisse (Selbstbeweihräucherungen): Fälschungsverdacht!
  • Nachsetzbefragungen zu Details seiner Führungsfunktion mittels kriminalistischen Gesprächstechniken
  • Nachfragen bei ehemaligen Arbeitgebern (schriftliche Erlaubnis einholen)
  • Nachfragen bei Dritten, die mit seiner Position Berührungspunkte hatten z.B. angeblicher Einkaufsleiter und Lieferanten, ehemalige Mitarbeiter und Vorgesetzte etc. (schriftliche Erlaubnis erforderlich)

Übrigens: Wenn ein Bewerber sein Einverständnis zu einer Referenzüberprüfung verweigert, sollten Sie ernsthaft erwägen von einer Einstellung abzusehen. Ein ehrlicher Bewerber hat mit einer solchen Vorgehensweise im Regelfall kein Problem, da er nichts verbergen oder beschönigen muss.

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Achtung Falle: Schützen Sie sich vor Bewerbungsbetrug! (Teil I)
Achtung Falle: Schützen Sie sich vor Bewerbungsbetrug! (Teil II)
Achtung Falle: Schützen Sie sich vor Bewerbungsbetrug! (Teil IV)

(Bild: © davidundderriese – Fotolia.com)