Achtung Falle: Schützen Sie sich vor Bewerbungsbetrug! (Teil I)

Veröffentlicht am 15. April 2011 in der Kategorie Recht & Gesetze von

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Aus meiner langjährigen kriminalpolizeilichen Erfahrung als Betrugsermittler weiß ich um die hohe Rate an Bewerbungsbetrügern. In der heutigen Zeit, in der Unternehmen immer höhere Anforderungen an zukünftige Mitarbeiter stellen müssen, wird das Thema Bewerbungsbetrug immer präsenter.

Große Wirtschaftsprüfgesellschaften und Detekteien gehen von Bewerberbetrugsraten von bis zu 30 Prozent aus. Zu ähnlich erschreckenden Ergebnissen kommt auch der amerikanische Liars Index, welcher gefälschte Bewerbungsunterlagen statistisch erfasst. Dieser ist seit Jahren schon im zweistelligen Prozentbereich, Dunkelziffern selbstverständlich nicht mit gerechnet.

Unwahre Angaben in Bewerbungen

Das amerikanische Personaldienstleistungsunternehmen ADP Employer Services führte im Jahr 2005 eine großangelegte Überprüfung von drei Millionen Bewerbungsunterlagen durch und stellte in ca. 10 Prozent der Fälle Unregelmäßigkeiten fest. Man kann also davon ausgehen, dass zwischen 10 und 30 Prozent aller Bewerbungen unwahre Angaben enthalten. Von der Kaschierung von Arbeitslosigkeit bis zur Fälschung von Doktortiteln ist da die gesamte Bandbreite vertreten.

Leider sind viele Unternehmen für diese Problematik noch nicht ausreichend sensibilisiert. Dieses Thema wird einerseits oft als Tabu gesehen, andererseits wird oft Zeit an der falschen Stelle eingespart und nicht wenige Personaler sind sich auch etwas unsicher über die rechtlichen Möglichkeiten von Internetrecherche und Co.

Unternehmen, die sich dem Weg der Mitarbeiterintegritätsprüfung jedoch verschließen, werden in vielen Fällen über kurz oder lang Opfer von dolosen Handlungen, durch die Einstellung von nicht integren Mitarbeitern. So manches Unternehmen ist dadurch schon in die Insolvenz gegangen. Ich habe selbst genügend dieser Fälle bearbeitet und kenne daher die Tricks und Möglichkeiten der Entlarvung aus erster Hand.

Spionage durch das Einschleusen falscher Mitarbeiter

Nicht zu vergessen ist auch ein weiteres Tabuthema, nämlich die Firmenspionage durch das Einschleusen falscher Mitarbeiter. Hiervon sind besonders solche Unternehmen betroffen, welche in ihrem Segment die Marktführerschaft für sich beanspruchen. Manchmal kann ein einziges Interna, wie zum Beispiel die Kalkulation eines Produktes oder die Kopie von Konstruktionsplänen, dem Konkurrenzunternehmen die entscheidenden Impulse einer neuen Markstrategie liefern. Oder aber der Konkurrent kann aufgrund von Insiderwissen ein ähnliches Produkt deutlich günstiger auf den Markt bringen und dadurch die Marktführerschaft an sich reißen.

Das dolose Handlungen auch ein Thema bei scheidenden Mitarbeitern sind, wissen wir nicht erst seit der Lopez-Affäre. Der erste Schritt sollte daher immer bei der richtigen Personalauswahl ansetzen. Bloß was ist eine richtige Personalauswahl? Meines Erachtens ist eine richtige Personalauswahl eine solche, welche die Eignungs- und Integritätsprüfung gleichberechtigt berücksichtigt und umsetzt.

Weitere Artikel dieser Serie:

Achtung Falle: Schützen Sie sich vor Bewerbungsbetrug! (Teil II)
Achtung Falle: Schützen Sie sich vor Bewerbungsbetrug! (Teil III)
Achtung Falle: Schützen Sie sich vor Bewerbungsbetrug! (Teil IV)

(Bild: © Adrian Niederhäuser – Fotolia.com)