Deutschland bangt: Wie wirkt sich ein harter Brexit aus?

Veröffentlicht am 17. Januar 2019 in der Kategorie News von

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Deutschland bangt: Wie wirkt sich ein harter Brexit aus?

Das britische Parlament hat den mit der EU ausgehandelten Brexit-Vertrag abgelehnt. Nun fürchtet die deutsche Wirtschaft die Konsequenzen eines möglichen harten Brexit.

Was, wenn der Brexit ungeregelt verläuft?

Clemens Fuest, Präsident der Ifo prophezeit immense Kosten für den Fall eines harten Brexit. Bereits Ende März ist der Ausstieg Großbritanniens aus der EU geplant. Holger Bingmann, Außenhandels-Präsident, findet die Zeit zu knapp, um sich angemessen auf den Brexit ohne geregelten Vertrag einzustellen. So warnt er:

"Ein ungeordnetes Ausscheiden riskiert ein bilaterales Außenhandelsvolumen Deutschlands von über 175 Milliarden Euro - an Ein- und Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen. Es droht eine unmittelbar durchschlagende Rezession in der britischen Wirtschaft, die auch an Deutschland nicht unbemerkt vorüberziehen würde."

Bernhard Mattes, Präsident der Automobil-Lobby VDA ist für einen Aufschub des geplanten Austritts, wenn maßgebliche Fortschritte dadurch zu erwarten sind.

Gegen einen solche Verschiebung des Austrittsdatums ist die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK). Der Chef des Vereins, Eric Schweitzer, ist nicht zuversichtlich, dass das etwas an der Brexit-Situation ändern würde. Der DIHK-Gechäftsführer Martin Wansleben sieht Großbritannien und Europa so eng miteinander verzahnt, dass eine wirtschaftliche Trennung kaum umzusetzen sei. Wie sollten neue Regelungen den Praxistest im Alltag überstehen? Im SWR äußerte er, dass täglich zehn bis zwölftausend Lkw durch die englische Küstenstadt Dover fahren:

"Man muss sich mal vorstellen, jeder Lkw wird eine Viertelstunde, 20 Minuten, eine halbe Stunde kontrolliert, das kann man sich nicht mehr vorstellen."

Panik macht sich allgegenwärtig breit: Der Geschäftsführer des Industrieverbands BDI betont ebenfalls, dass alle betroffenen Unternehmen weiterhin unter der Ungewissheit leiden würden und ein Brexit-Chaos drohe.

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Droht ein Datenchaos?

Bitkom-Präsident Achim Berg erwartet durch den geplatzten Brexit-Deal ein europaweites Datenchaos. Der 30. März ist der Stichtag: Ab dann gilt, dass deutsche Unternehmen britische Unternehmen so behandeln müssen, als säßen diese außerhalb der EU. Dies schließt nicht nur Kunden, Business- und Kooperationspartner, sondern auch sämtliche Dienstleister ein, die dort ihren Firmensitz haben. Der IT-Verband teilt mit:

"Wer dies missachtet, und zum Beispiel Kunden- oder Auftragsdaten im Vereinigten Königreich verarbeiten oder speichern lässt, verstößt gegen die Datenschutzgrundverordnung - mit den bekannten hohen Bußgeldrisiken."

Daher gilt es, die Einwilligung aller betroffenen Parteien einzufordern und mit allen Partnern Verträge abzuschließen oder sich die Datenschutzvorschriften genehmigen zu lassen.

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Ist ein harter Brexit wirklich so unerwartet?

Große Konzerne haben sich mit der Möglichkeit eines ungeregelten Brexit durchaus schon aueinandergesetzt. Davon geht zumindest der Ökonom Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung aus. Doch Mittelständler, die Exporte nach Großbritannien durchführen, müssen sich rechtzeitig Hilfe von den zuständigen Kammern und Unternehmensverbänden holen, um nicht unvorbereitet mit den Folgen konfrontiert zu werden.

Doch es gibt auch Gegenstimmen: Laut Ökonom Marcel Fratzscher seien die Folgen des ungeplanten Brexit gar nicht so schwerwiegend und die Kosten würden überschätzt. Auch in der Vergangenheit haben deutsche Unternehmen stets flexibel und agil auf Änderungen reagiert. Daher ist der DIW-Präsident zuversichtlich, dass es auch in diesem Fall so kommen würde.

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Quelle: Reuters

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