Patientenakte & elektronisches Rezept: Das Gesundheitswesen wird digital

Veröffentlicht am 14. Januar 2019 in der Kategorie News von

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Nach dem Hackerangriff auf ca. 1000 Politiker und Prominente ist die Angst vor Datenmissbrauch im Netz groß. Gerade im Bereich Gesundheit handelt es sich um sehr sensible Angaben, die nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollten.

Die veröffentlichten Daten stammen nicht aus spektakulären Einbrüchen, sondern wurden mit einfachen Mitteln zusammengetragen. Ebenso einfach lassen sich auch Daten aus angebotenen Gesundheitsakten stehlen.

Martin Tschirsich, IT-Fachmann

Auch viele Ärzte schlagen sich nun auf die Seite der Digitalisierungsgegner. Laut dem Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sind die jüngsten Hackerattacken ein Albtraum, der deutlich zeigt, dass Digitalisierung kein Allheilmittel ist. Es reiche nicht, ohne Konzepte einfach Digitalisierung zu fordern.

Dieser peinliche Vorfall ist der letzte Weckruf, den bürokratischen Spahnsinn zur Bloßstellung der intimsten Patientendaten doch noch zu stoppen.

Bayerischer Facharztverband (BFAV)

App mit Laborwerten und Röntgenbildern

Im September ging die App "Vivy" an den Start, mit der digital Röntgenbilder, Laborwerte und Befunde gespeichert, verwaltet und bei Bedarf mit Ärzten geteilt werden können. Die App erinnert den Nutzer auch an Vorsorgeuntersuchungen und Impftermine und veranschaulicht Wechselwirkungen von Medikamenten. Das TÜV-geprüfte Programm wird bereits von 14 gesetzliche und zwei privaten Krankenversicherungen bereitgestellt - Tendenz steigend.

Zum Schutz der Daten kombiniert Vivy die fortgeschrittensten Verschlüsselungstechnologien entsprechend höchster Standards.

"Vivy"-Sprecher

Kryptographische Verfahren, die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfohlen werden, würden für den Schutz eingesetzt. Weitere Gesundheitsakten gibt es bereits von der AOK und der TK.

Die digitale Patientenakte für alle?

Spahns Gesetzentwurf sieht vor, dass alle Krankenkassen ihren Versicherten spätestens 2021 eine elektronische Patientenakte zur Verfügung stellen müssen. Diese muss zudem von der Gesellschaft für Telematik (gematik) zugelassen sein. Per Smartphone oder Tablet sollte der Zugriff ebenfalls möglich sein, also ohne den Einsatz der elektronischen Gesundheitskarte. Die Sicherheitsstandards sollen so hoch wie beim Onlinebanking sein.

Momentan wird zudem an den ersten medizinischen Anwendungen der Gesundheitskarte gearbeitet:

  • Die elektronischen Notfalldaten
  • Der elektronische Medikationsplan (besserer Überblick bei mehreren verordneten Medikamenten)

Aber auch der Bereich der Telemedizin soll ausgeweitet werden, z.B. Sprechstunden per Video. Ein anderer Gesetzentwurf sieht vor, ab 2020 die Verwendung von Arznei-Verordnungen nur noch in elektronischer Form zu ermöglichen.

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Trotz Hackerangriff: Digitalisierungspläne bleiben

Die BRD hält trotz des Datenklaus an ihren Digitalisierungsplänen fest.

Die Server stehen in Deutschland. Wir tun alles, damit Patientendaten sicher bleiben.

Jens Spahn, Gesundheitsminister

Sein Ministeriumssprecher betonte, Datenschutz und Informationssicherheit gehörten zu den gesetzlichen Kernaufgaben der gematik. Diese Grundpfeiler führten zu hohen Anforderungen an alle technischen Komponenten. Der Nachweis der Sicherheit fuße stets auf den Vorgaben des BSI. Doch Datensicherheit bedeutet immer einen Spagat.

Wer zu viel Sicherheit einfordert, verliert Kunden. Datensicherheit geht oft mit Komfortverlust einher, ist also ein Wettbewerbsnachteil", sagte der Experte Tschirsich.

Martin Tschirsich, IT-Fachmann

Die Anbieter von Gesundheits-Apps dürften sich aber nicht mit dem Argument aus der Verantwortung ziehen, der Kunde habe es so gewollt. Diese Gefahr bestünde beim geplanten Zugang zur Patientenakte über Smartphone und Tablet.

Quelle: Reuters

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