Facebook: Nutzen Sie „Places“ für Ihr Marketing!

Veröffentlicht am 25. Oktober 2010 in der Kategorie Marketing & Vertrieb von

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Wer, wie, was und nun auch wo. Facebook wartet seit kurzem mit seiner neuen Funktion Places auf. Zunächst war die Funktion nur Nutzern aus den USA vorbehalten.

Seit gestern bietet Facebook unter dem Namen "Facebook Orte" den Service auch in Deutschland an. Die rund 11 Millionen Mitglieder der deutschen Facebook-Community können nun ihren Freunden nicht nur mitteilen, was sie gerade machen, sondern auch, wo sie sich gerade aufhalten.

Facebook folgt hiermit dem Prinzip anderer Geo-Tagging-Dienste wie Foursquare oder Gowalla, die jedoch über eine deutlich geringere Reichweite verfügen. So nutzen bereits heute 150 Millionen Facebook-Nutzer die mobile Internetseite des Netzwerks, während Foursquare nur rund 3 Millionen registrierte Mitglieder verzeichnet. Experten prognostizieren deshalb nicht unbegründet den Durchbruch ortsbasierter Dienste und Anwendungen. Auch die zunehmende Verbreitung von Smartphones wird zum Erfolg der Geo-Tagging Dienste beitragen. In Deutschland zählen sich bereits heute 10 Millionen Menschen zu den Smartphone-Besitzern, in zwei Jahren könnten es schon 20 Millionen sein.

Funktionsweise von Facebook Places

Bisher gibt es für Smartphone-Nutzer zwei Möglichkeiten, sich an einem Ort „einzuchecken". Zum einen über die aktualisierte Version der iPhone App von Facebook, zum anderen über die mobile Internetseite des Netzwerks. Sobald der Nutzer über GPS geortet wurde, kann er seinen aktuellen Aufenthaltsort aus einer Liste mit Vorschlägen umliegender öffentlicher Plätze wählen. Ist der Ort, an dem sich der Nutzer gerade aufhält, noch nicht in der Liste vertreten, kann er vom Nutzer selbst angelegt werden. Hier können verschiedene Informationen über den Ort hinterlegt werden, wie Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten, aber auch Kundenbewertungen und Empfehlungen.

Für die Nutzer soll Places laut Facebook vor allem drei Zwecke erfüllen:

  1. Die Nutzer können ihren Freunden mitteilen, wo sie sich gerade aufhalten. Dazu müssen sie lediglich am entsprechenden Ort einchecken und die Ortsangabe erscheint auf der eigenen Seite, dem Profil des jeweiligen Ortes und in den Neuigkeiten-Fenstern der eigenen Freunde. Auch andere Facebook-Nutzer können eingecheckt werden, diese müssen aber vorher zustimmen.
  2. Die Nutzer können sehen, welche ihrer Freunde sich gerade in der Nähe des eigenen Ortes aufhalten und sich mit diesen im realen Leben verabreden.
  3. Places soll ermöglichen, neue Orte in der Umgebung zu entdecken. So können unterwegs schauen, welche Cafés oder Geschäfte in der Nähe sind. Persönliche Empfehlungen von Freunden können hier helfen, das beste Geschäft in der Nähe oder das schönste Café zu finden.

Aber auch für Unternehmen bietet Places verschiedene Möglichkeiten der lokalen Werbung im (mobilen) Internet. In den USA wird das Volumen des lokalen Werbemarktes bereits auf einen zweistelligen Milliardenbetrag geschätzt. Auch wenn diese Summe in Deutschland wohl nicht erreicht wird, verdeutlicht dies doch das Potenzial, das sich hier verbirgt. Darüber hinaus konnte eine Studie von Chitika zeigen, dass sich die Klickrate im Vergleich zu Standardwerbung um 38 Prozent erhöht, wenn es sich um regionale Anzeigen handelt. Im mobilen Web wurde sogar eine Steigerung der Klickrate um 64 Prozent gemessen, wenn Angebote aus der näheren Umgebung beworben werden.

Facebook Places: Standortvorteile nutzen - stationäre Händler im Vorteil

Ohne physisches Geschäft, kein Check-In. Was bedeutet, dass Online-Händler zunächst einmal nicht unmittelbar von dieser Entwicklung profitieren. Für stationäre Händler dagegen öffnet Facebook Places das Tor zum viralen Multi-Channel-Marketing. Denn jeder Kunde, der im Geschäft eincheckt, bewirbt selbiges auch in Echtzeit im eigenen Freundeskreis. Hier gilt es Anreize zu setzen, um diese Hebelwirkung auch zu nutzen.

Für kleine und mittelständische, aber auch für Filialen und große Einzelhändler, scheinen die Möglichkeiten gleichermaßen attraktiv. Jeder Ort (bspw. Café), der von einem Nutzer angelegt wurde, kann von dem Eigentümer (bspw. Café-Besitzer) übernommen werden und wird dann als Facebook-Profil freigeschaltet. Der Eigentümer des Ortes kann Informationen wie die Adresse, Kontaktdaten, Öffnungszeiten, Bilder und andere Informationen hinzufügen und regelmäßig aktualisieren. So können auch große Unternehmen für jede einzelne Filiale einen Ort anlegen und spezifische Sonderangebote für einzelne Filialen bewerben.

Hat ein Unternehmen bereits eine Fanpage bei Facebook, können Fanpage und Place zusammengeführt werden. Hier werden dann sämtliche Informationen der Fanpage und des physischen Ortes gebündelt. Alle Anwendungen der bisherigen Fanpage wie Bilder, Videos oder Diskussionen stehen weiterhin zur Verfügung, ergänzt um die Informationen zum Ort. Auch eine gegebenenfalls bestehende Vanity-URL bleibt bestehen. War eine Fanpage bisher vor allem zum Branding und zur Imagebildung geeignet, können sich Unternehmen nun lokal präsentieren und gezielt Kunden in ihr ihrer Region ansprechen. Allerdings ist es zunächst lediglich möglich, eine Fanpage mit einem Ort zu verbinden.

Eigene Facebook-Places können, wie Fanpages auch, über Self-Service-Anzeigen beworben werden, um die Nutzer auf die jeweiligen Orte aufmerksam zu machen. Außerdem ist jeder Ort auf Facebook mit einem "Like"-Button versehen. Unternehmen haben die Möglichkeit, Nutzer, die einen Ort "liken", anschließend mit Anzeigen oder Statusmeldungen direkt anzusprechen. So können Nutzer ortsspezifisch erreicht werden, was bisher in dieser Weise nicht möglich, aber ein seit jeher existierender Traum für Marketingfachleutete, war. Angebote oder Informationen zu Sonderaktionen aber auch Treuerabatte können so gezielt an Nutzer verschickt werden, die sich an einem Ort in der Nähe aufhalten. So verteilte Starbucks über Foursquare bereits Gutscheine an Nutzer, die ihre Filialen besonders häufig besuchten.

Die Möglichkeiten, die der neue Service von Facebook bietet, scheinen für Händler durchweg attraktiv, haben jedoch einen faden Beigeschmack. Denn ähnlich wie Google sich mit Adsense und Adwords als Gatekeeper der Internetwerbung etabliert hat, besteht die Gefahr, dass der ortsbasierte, regionale Werbemarkt in Zukunft überwiegend von Facebook besetzt wird. Handelsunternehmen, die eine derartige Abhängigkeit scheuen, sollten gewarnt sein.

Autoreninfo: Maria Klees ist Studentin der Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln und seit August 2007 als Studentische Mitarbeiterin am Institut für Handelsforschung tätig. Über Adrian Hotz erfahren Sie mehr in der unten stehenden Autoreninfo.

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