Social Media: Das Internet kann Messen nicht ersetzen … aber erweitern!

Veröffentlicht am 3. September 2010 in der Kategorie Marketing & Vertrieb von

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Social-Media-Plattformen verändern die Kommunikation zu und über Messen. Veranstalter können davon profitieren, wenn sie auf ihre Besucher hören und Aussteller sich über den Termin hinaus profilieren.

Das Internet kann Messen nicht ersetzen. Der Kern, Geschäft dadurch zu generieren, dass Innovationen vor Ort im wahrsten Sinne des Wortes begreif- und fühlbar sind und Menschen sich treffen, ist nicht durch virtuelle Plattformen zu substituieren. Doch das Erlebnis ist erweiterbar.

Für Networking und Matching, ebenfalls Beweggründe, auf eine Messe zu kommen, ist das Internet ein ideales Medium. „Social Media kann Messen ergänzen und in der Kommunikationsstrategie als flankierende Maßnahme zum Erfolg führen“, sagt Frank Huber, Geschäftsführer der First Media, Freiburg. Sein Unternehmen launchte im Vorfeld für die Kölnmesse zur kommenden Photokina (21. September bis 26. September 2010) einen Social-Media-Newsroom als neues Web-2.0-Feature. Das neue Portal stellt Besuchern, Ausstellern und Pressevertretern einen Komplettüberblick über alle relevanten Informationen, Veröffentlichungen und Aktivitäten rund um die Photokina zur Verfügung.

Über die üblichen Infos auf einer Website hinaus ermöglicht der Newsroom allen Usern einen umfassenden Einblick in die Aktivitäten der Photokina im Web 2.0. Dabei bedient sich die Messe aller Medien und Plattformen: Foto- und Videodateien bei Sevenload, Facebook, Flickr, Twitter & Co gehören ebenso zum Angebot, wie die vielfältigen Möglichkeiten der Kontaktaufnahme über LinkedIn oder Xing.

Natürlich kann man alle Informationen als RSS-Feeds abonnieren, um stets die aktuellsten Meldungen zu erhalten, kann Fan der Photokina auf Facebook werden oder den Gruppen bei Xing oder LinkedIn beitreten. Der Launch des Newsrooms ist der Auftakt zahlreicher Aktivitäten, mit denen die Photokina die Social-Media-Kanäle nutzen will, um in den kommenden Monaten im Web 2.0 alle fotoaffinen User für die Weltmesse der modernen Bildkommunikation zu begeistern.

Social Media: Wie können Messe-Aussteller profitieren?

Was haben sie von der Omnipräsenz der Messemarke im Netz und auf allen Kanälen? „Ganz einfach“, so Huber, „sie können sich einbringen in Diskussionen, sich und ihr Angebot auf verschiedensten Plattformen präsentieren und zwar kostenlos.“

Erfolgreich nutzte dies etwa zur IMM Cologne der Möbelhersteller Walter Knoll, Herrenberg. Weit über den Messetermin im Januar 2010 hinaus ist das Unternehmen dank Videoplattform Sevenload mit seinen Innovationen im Netz vertreten. Der Film zur Messe wurde inzwischen über 1 000 Mal abgerufen und ist immer noch präsent. „Diese Ausweitung der Kommunikation zu einer Messe bringt den Ausstellern mehr Frequenz an den Stand und ist eine weitere Möglichkeit, das eigene Branding zu verbessern“, ist Huber überzeugt.

Die Messe Frankfurt, einer der Pioniere in der Web-2.0-Kommunikation, hat ebenfalls einen Social-Media-Newsroom im Internet eingerichtet. Tweets, Fotostreams, RSS-Feeds und andere Werkzeuge der Web-2.0-Kommunikation finden sich dort gebündelt für Journalisten, Kunden, Partner und Interessenten. Der Newsroom ergänze damit die bisherigen Informationsangebote des Unternehmens um das Geschehen in Communities und sozialen Netzen, so die Messe Frankfurt. Gleichzeitig macht das Unternehmen diese Informationen auch mobil verfügbar – mit der iPhone App Messe-Frankfurt-Monitor.

Für ihn gab es bereits knapp 1 000 Downloads. Für Kai Hattendorf, Pressesprecher des Unternehmens, ein großer Erfolg, weil diese App primär eine Zielgruppen-App für Medienvertreter ist. Zur Musikmesse und zur Prolight & Sound gab es Veranstaltungs-Apps für das iPhone sogar mit einigen tausend Downloads. In Frankfurt setzt man darauf, Social Media zu integrieren und nicht parallel zu anderen Webangeboten zu stellen.

Der Newsroom bringt Besucher auf die übergreifende Startseite des ganzen Medienportals. Neben aktuellen Tweets aus dem Netz zum Unternehmen und seinen Veranstaltungen können Interessierte zugreifen auf die Blogs, RSS-Feeds und Twitterkanäle der einzelnen Veranstaltungen und des Unternehmens. Implementiert ist auch ein Flickr-Stream bei Foto/Video/Audio. „Das werden wir noch weiter ausbauen. Wir planen zum Beispiel, aus Google News jeweils aktuelle Links zu online frei verfügbaren Medieninhalten anzuzeigen“, so Hattendorf.

Messen und Social Media: Ein Blick in die Zukunft

Die Zukunft stellt sich Frank Huber so vor, dass Messen noch viel stärker mit Social-Media-Events verbunden und durch User-generated Content noch spannender werden. „Messen werden so in Zukunft noch mehr zu Plattformen, die als Medienmarken fungieren und die dazu dienen, Menschen zusammenzubringen. Online und offline. Wie das konkret aussieht?

Barcamps und Messen sind eine tolle Kombination. Unzählige Fotos in Flickr-Gruppen, mobile Facebook-Uploads und Tweets haben Messen zum Gegenstand und zeigen das rege soziale Leben auf dem Showfloor. Communities und Clans treffen sich auf Messen – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.“ Dazu komme außerdem, dass die Akzeptanz von Social-Media-Kanälen mit einem immer jüngeren Management ständig zunehme – innovative Unternehmen nutzten zunehmend Kanäle wie Blogs, LinkedIn und Xing. Der Long Tail ist auch ein sehr spannendes Betätigungsfeld für Messen, die auch hier Aktivitäten bündeln und im Idealfall in einer Branchen-Community effizient abbilden können.

Und selbst wer zurzeit noch zu wenig Spielraum sieht, als Unternehmen oder Aussteller Social-Media-Tools effizient zu nutzen, sollte dennoch weiter am Ball bleiben. Andrea Rieger, von der Agentur Pommerel aus Berne rät, in allen Kanälen seinen Namen zu besetzen, um Domaingrabbing durch andere Nutzer zu verhindern. Ein Nutzen, der zudem auch belegbar sei: Die Präsenz im Netz steigert die Suchmaschinenrelevanz.

Ein Aspekt zu Social Media, der auch kleineren Unternehmen Mut machen kann, sich im weiten Feld zu tummeln, sieht Renate Eck, Eck-Marketing, München: „Oftmals ist es nicht die Frage der Größe, sondern eine der Kreativität, die über Erfolg oder Misserfolg in Social Media entscheidet. Das zeigt besonders ein Blick auf kleinere Messeveranstalter, die auf Twitter überzeugen können.“ Große Verbände, Messen und Veranstalter hingegen täten sich damit meistens weitaus schwerer.

Von den Followerzahlen her profitierten sie vom Bekanntheitsgrad ihrer Markennamen. Dennoch ließen sich bislang nur wenige Veranstalter auf einen wirklichen Dialog ein. Allzu sehr stehe das eigene Event, beziehungsweise die eigene Organisation im Mittelpunkt der Twitterei. Letztlich, so Eck, zeige sich, dass erst wenige Veranstalter alle Chancen auf Twitter richtig nutzen. „Ich würde mir mehr Dialoge mit den Followern, weniger Selbstreferentialität und eine klarere Linie bei der Bespielung wünschen. Dann klappt es auch mit der Online-Kundenkommunikation besser.“

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