Social Bookmarking: SEO und Öffentlichkeitsarbeit mit Mister Wong & Co.

Veröffentlicht am 25. Juni 2009 in der Kategorie Marketing & Vertrieb von

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Web 2.0-Funktionalitäten verbinden nicht nur Menschen mit ihren Profilen in sozialen Netzwerken wie StudiVz oder Xing. Mit dem Entstehen des sogenannten Social-Bookmarking ist es den Nutzern möglich, Verlinkungen im Internet mit Freunden und Bekannten zu teilen.

Was ist Social-Bookmarking?

Bookmarks sind nichts anderes als Lesezeichen für das Internet. Gespeichert werden Verlinkungen zu einer Website entweder im Internetbrowser, zum Beispiel als Favorit, oder aber in Zeiten des Web 2.0 auf so genannten "Social-Bookmark"-Portalen, wie z. B. Mister Wong.

Durch die Einbindung auf der Website des Anbieters werden die einzelnen Lesezeichen zu sogenannten "Social-Bookmarks", die andere Nutzer der Plattform bewerten, selbst speichern und kommentieren können. Es entsteht ein ganzes Netzwerk aus Lesezeichen und Beiträgen, die zum Beispiel nach Interessen und Themen gegliedert sein können.

Der Eintrag eines interessanten Beitrages auf einer Internetseite ist ganz einfach. Auf den Social-Bookmark-Websites kann ein neues Lesezeichen manuell durch die Eingabe des Links erstellt werden.

Viele Unternehmen bieten auch eine Möglichkeit zum automatischen Bookmarking ihrer Internetseiten durch einen Icon, dem Logo des jeweiligen Social-Bookmark-Anbieters. Dies geschieht meist durch den einfachen Einbau kostenfreier Scripts, wie das Social-Bookmark-Script oder das Script von Seitzeichen.de.

Damit die Lesezeichen leichter gefunden werden können, versieht der Nutzer sie beim Eintrag mit Schlagworten, den so genannten Tags, und gibt dem Beitrag eine kurze Beschreibung. In manchen Portalen kann das Lesezeichen auch noch bestimmten Gruppen oder Themen zugeordnet werden.

Social-Bookmarking für Unternehmen

Die Vorteile für den Betreiber einer Website ergeben sich nicht nur daraus, dass die Verlinkungen einen direkten Einfluss auf das Ranking bei Suchmaschinen haben können.

Noch wichtiger ist es, dass durch eine Verlinkung auch Zielgruppen in den Social-Bookmark-Portalen angesprochen werden können, zum Beispiel in dem der Link bestimmten Gruppen oder Themen zugeordnet wird. Einen Vorteil, der im sonst schwer überblickbaren und segmentierbaren Internet nützlich erscheint.

Es empfiehlt sich als Unternehmen aktiv am Social-Bookmarking zu partizipieren, um damit über diesen zusätzlichen Kanal beispielsweise Unternehmensnachrichten gezielt zu verbreiten. Zudem ist es somit auch möglich, sich an den Aktivitäten des Netzwerkes zu beteiligen und auf nützliche und kritische Kommentare zu reagieren.

Ausgewählte Social-Bookmark-Plattformen

In den letzten Jahren wurden viele Social-Bookmark-Plattformen gegründet, die ihre Portale unterschiedlich ausgerichtet haben. Es gibt beispielsweise mit Digg (englisch), Yigg und Webnews (s.u.) Anbieter, die als Nachrichtenportal ausgerichtet sind und damit vor allem von der Aktualität der eingestellten Lesezeichen leben.

Daneben sind auch die Branchenriesen aus dem Suchmaschinensegment, Google und Yahoo!, als Online-Bookmark-Anbieter aktiv. Zu den klassischen Social Bookmark-Plattformen zählen unter anderem Delicious (s.u.) und die deutschsprachigen Anbieter Mister Wong (s.u.), Oneview und Linkarena. Einige ausgewählte werden im Folgenden näher vorgestellt.

  • Google und Yahoo! betreiben Bookmarking im klassischen Sinne als Speicherung privater Lesezeichen, die im E-Mail-Account abrufbar sind. Sie gehören damit im engeren Sinne nicht direkt zu den Anbietern von Social-Bookmark-Plattformen, sind jedoch aufgrund ihrer weltweiten hohen Reichweite - beide zählen laut Alexa zu den meist genutzten Websites der Welt - zu beachten. Auch bei ihnen ist es möglich, den gespeicherten Links Schlagworte und Beschreibung beizufügen. Eine Einteilung in Gruppen oder Themen wird derzeit nicht unterstützt. Es findet für die breite Masse der Nutzer noch keine weitere Vernetzung von Bookmarks statt.
  • Delicious ist einer der Pioniere des Social Bookmarkings und gehört seit 2005 zu Yahoo!. Das Portal ist englischsprachig und besitzt auch in Deutschland einen hohen Bekanntheitsgrad. Die Plattform bietet neben dem klassischen Setzen eines Bookmarks auch eine Community, also ein Netzwerk, in das Nutzer Freunde, Bekannte oder Kollegen einladen und unter der Rubrik My Network vernetzen können. In My Network sind danach alle eigenen freigegebenen Bookmarks sowie die der verbundenen Netzwerknutzer sichtbar. Außerdem können Nutzer einen eigenen Weblog direkt in den eigenen Delcious-Account einbinden, so dass Einträge im Weblog direkt ein Lesezeichen erhalten. Wie bei Google ist es jedoch auch hier nicht möglich, die Verlinkungen einer Gruppe oder Kategorie zuzuordnen. Ein Vorteil des Portals ist die unbegrenzte Vergabe von Schlagwörtern.
  • Mister Wong ist der erfolgreichste deutsche Vertreter mit über sieben Millionen gespeicherten Bookmarks und nach eigenen Angaben 2,55 Millionen Nutzern pro Monat. Ebenso wie bei Delicious ist es möglich, außer Lesezeichen anzulegen auch Freunde einzuladen. Lesezeichen können einer Gruppe zugefügt werden. Besteht keine passende Gruppe, können Gruppen selbst gegründet werden. Es ist zudem möglich den neuen Eintrag direkt zu twittern. Mister Wong veröffentlicht eigene Website-Charts, basierend auf der Anzahl der Bookmarks der Nutzer und bietet unter der Rubrik "Spotlight" unter Rubriken wie "Kunst" oder "Business" Bookmarks mehr oder weniger berühmter Persönlichkeiten an. Nutzer, die bereits einen Account bei einem anderen Anbieter besitzen, können über eine Import-Funktion jederzeit ihre Bookmarks aus anderen Plattformen einbinden. Ein Export der gesammelten Bookmarks ist aber genauso leicht möglich.
  • Webnews ist laut Alexa das meistbesuchte deutschsprachige Social-Bookmark-Portal, das sich ganz auf Nachrichten spezialisiert hat. Webnews lebt also von der Verlinkung aktueller Meldungen, die von den Besuchern der Plattform bewertet und kommentiert werden können. Webnews lässt die Links in News-Sparten wie Wirtschaft Inland, Technologie News oder Entertainment veröffentlichen und erhält damit den Charakter eines Nachrichtenportals. Zudem kann neben einer begrenzten Anzahl an Tags auch ein regionaler Bezug hergestellt werden. So werden Einträge auch extern, beispielsweise auf meinestadt.de auf der jeweiligen regionalen Website, veröffentlicht. Ebenfalls von Vorteil ist die Nutzungsmöglichkeit von Webnews als News-Weblog, der vor allem auch für kleine Unternehmen ohne großen Aufwand betrieben werden kann, um Firmennachrichten zu verbreiten. Webnews erhält durch die Beteiligung von Holtzbrinck Ventures, die sich unter anderem am Social-Network StudiVZ beteiligen, und der ProSiebenSat. 1 Group eine enormes Reichweitenpotenzial in Deutschland.

Fazit

Social-Bookmarking ist mehr als eine lose Linksammlung mit weltweiter Verfügbarkeit. Durch das gezielte Setzen von Bookmarks, vor allem bei den auf Nachrichten spezialisierten Plattformen, kann die Reichweite der Unternehmenskommunikation deutlich gesteigert werden. Dazu ist es jedoch auch notwendig, aktuelle Inhalte zu bieten.

So werden von den Nutzern von Social-Bookmark-Sites vor allem Links mit inhaltlichem Tiefgang geschätzt, die direkt auf Berichte oder auch auf nützliche Anleitungen verweisen und nicht auf pure Angebote oder Shop-Seiten. Schnell schwindet die Akzeptanz solcher Bookmarks im Netzwerk und die eigentlich nützlichen Lesezeichen werden als reiner Versuch zur Optimierung der eigenen Suchmaschinenpositionierung wahrgenommen und dementsprechend negativ bewertet oder kommentiert.

Bei der Einbindung der Bookmark-Schaltflächen auf der eigenen Website sollte sorgfältig geprüft werden, welche Verlinkungen Plattformnutzer verwenden und welche Reichweite die Social-Bookmark-Plattformen für die eigenen Aktivitäten haben. Dazu lassen sich beispielsweise die eigenen Zugriffsstatistiken heranziehen.

Eine kontinuierliche Überprüfung mit Hilfe von Statistik-Tools ist wie bei allen eingebundenen Web-Anwendungen notwendig, um den konkreten Nutzen von Social-Bookmarks für das eigene Unternehmen zu quantifizieren und den diesbezüglichen Aufwand ökonomisch tragfähig zu gestalten.

Die Autoren

Sebastian Emmerich und Andreas Duscha. Andreas Duscha (Dipl.-Wirt.-Inf.) ist seit Januar 2004 wissenschaftlicher Mitarbeiter am ECC Handel Institut für Handelsforschung. Schwerpunktmäßig beschäftigt er sich mit Fragen des E‑Commerce, dabei insbesondere mit Methoden der Online-Kunden­akquisition, Verfahren des Suchmaschinenmarketings, Online-Befragungen sowie mit Einsatzmöglichkeiten der RFID-Technologie.

(Bild: © Sven Bähren - Fotolia.com)