Das WM-Interview: „Nike ist eindeutig die Nr. 1 im Fußball!“

Veröffentlicht am 21. Juni 2010 in der Kategorie Marketing & Vertrieb von

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Die zweite Woche der WM in Südafrika hat begonnen, das Fußball-Fieber steuert weiter auf seinen Höhepunkt zu. Auch für die beteiligten Sportartikelhersteller geht es um viel: Wer ist die Nr. 1 im Fußball, wer stattet die meisten, wer die besten Mannschaften aus?

Unternehmer.de unterhielt sich mit Nike-Sprecher Olaf Markhoff über die Spiele, die Präsenz von Nike in Südafrika und die Konkurrenz von adidas.

Unternehmer.de: Herr Markhoff, wer ist Ihr Favorit bei der Fußball-WM in Südafrika, wie schätzen Sie die Chancen der deutsche Mannschaft ein?

Olaf Markhoff: Es hat Spaß gemacht zuzuschauen, wie Khedira, Özil und Klose die Socceroos mit großem Selbstbewusstsein besiegt haben. Der Dämpfer gegen Serbien kam zur rechten Zeit. Ich bin davon überzeugt, dass die Mannschaft daraus gestärkt hervorgehen und ins Achtelfinale einziehen wird. Danach ist alles drin. Aber auch Argentinien, Brasilien und Portugal zählen für mich zu den Titelaspiranten. Ich würde mich persönlich für die einheimischen Fans mit ihrem sympathischen Enthusiasmus für Fußball freuen, wenn ein afrikanisches Team das Finale erreichen würde, vielleicht die Elfenbeinküste.

Unternehmer.de: Wie verfolgen Sie die Spiele: Vor Ort in Südafrika, via Public Viewing oder zuhause als Fernsehzuschauer?

Olaf Markhoff: Ich schaue die Spiele mit Freunden oder mit Kollegen in der Nike-Zentrale bei uns in Frankfurt an. Wir haben extra für die WM ein kleines Stadion mit Großbildleinwand errichtet, wo sich die Fangruppen unterschiedlicher Nationalitäten zusammenfinden und ihre Teams unterstützen. Nach dem Auftaktspiel gegen Spanien sind momentan die Schweizer Kollegen besonders selbstbewusst...

Unternehmer.de: Ihre Meinung zu den Vuvuzelas?

Olaf Markhoff: Sie gehören zur Fußballkultur der Afrikaner dazu und das sollte man respektieren. Deshalb geht mir die ständige Meckerei gegen den Strich. Ich bin davon überzeugt, dass sich das Image dieses archaischen Instruments im Laufe des Turniers noch sehr stark zum Positiven wandeln und am Ende ein Vuvuzela-Kult enstehen wird, auch wenn ich beim Spiel der Brasilianer lieber die Samba-Trommeln hören würde.

Unternehmer.de: Welche Mannschaften werden von Nike ausgestattet, wie präsent sind Sie in Südafrika?

Olaf Markhoff: Neun Teams laufen in Nike auf, darunter Brasilien, Portugal und Holland. Darüber hinaus stattet unsere Tochter Umbro das englische Team aus. Außerdem haben rund 44 Prozent der Spieler in Südafrika hochwertige Fußballschuhe von Nike am Fuß. Nike ist damit mit Abstand die sichtbarste Marke auf dem Platz. Darüber hinaus unterhalten wir schon seit Jahren ein umfassendes Community-Programm in Südafrika, welches über fußballbasierte Sozialprojekte jugendliche Afrikaner aus sozial schwächeren Milieus unterstützt. Gleichzeitig wird über Medikation und Edukation das dort sehr gravierende Problem HIV bzw. AIDS sehr gezielt angegangen und bekämpft.

Unternehmer.de: Nike und adidas werden als die dominierenden Ausstatter bei der WM in Südafrika gesehen. Im Interview mit Unternehmer.de wies adidas-PR-Chef Oliver Brüggen die Aussage von Nike-Deutschland-Geschäftsführer Carl Grebert zurück, Nike sei die Nr. 1 im Fußball, und beanspruchte diesen Titel für adidas. Wer besitzt denn nun das größte Stück vom Kuchen?

Olaf Markhoff: Nike erzielt weltweit einen Jahresumsatz im Fußball von 1,7 Milliarden US-Dollar und zusammen mit unserer Tochter Umbro kommen wir auf 1,9 Milliarden Euro. Damit ist Nike eindeutig die Nr. 1 im Fußball.

Unternehmer.de: Allen Diskussionen zum Trotz muss man Nike attestieren, dass es die Marke innerhalb kurzer Zeit an die Spitze im Fußball-Geschäft geschafft hat. Im direkten Vergleich zu Basketball und Tennis: Welchen Stellenwert genießt Fußball in der Nike-Hierarchie? Was sind Ihre Ziele in diesem Segment?

Olaf Markhoff: Fußball ist die populärste Sportart der Welt, eine Weltsprache, und deshalb für den führenden Sportartikelhersteller von sehr hoher Priorität. Nike hat seit 1994 sehr viel getan, um in diesem Marktsegment schnell zu wachsen. Wir haben es in 15 Jahren geschafft, an die Spitze dieses Business zu kommen, wo unsere Mitbewerber schon seit über 50 Jahren präsent sind. Ich denke, das spricht für sich. Wir wollen und werden diesen Trend fortsetzen, mit den besten Athleten, innovativen Produkten, Kreativität und Leidenschaft für die Sportart Fußball.

Unternehmer.de: 2007 scheiterten Sie bei dem Versuch, offizieller Ausstatter der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zu werden. Nike bot für einen Acht-Jahres-Vertrag 500 Millionen Euro. Letztlich bekam aber erneut adidas den Zuschlag, obwohl Nike insgesamt 300 Millionen Euro mehr geboten hatte. Was ist Ihre Erklärung für dieses auf den ersten Blick verlustreiche Verhalten?

Olaf Markhoff: Ich bin davon überzeugt, dass man sich beim DFB immer noch die Augen reibt, denn viele dort in der Otto-Fleck-Schneise [Hauptsitz des DFB  in Frankfurt - Anm. d. Redaktion] hätten gerne das nicht nur finanziell deutlich attraktivere Angebot von Nike angenommen. Aber schauen wir lieber in die Zukunft. Ab 2011 wird Nike stattdessen Partner des französischen Fußballverbandes!

Unternehmer.de: Wie würden Sie das Verhältnis zwischen Nike und adidas beschreiben? Ist adidas ein Reizthema im Hause Nike?

Olaf Markhoff: Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil, wir respektieren unsere Mitbewerber. Aber wir sind sportlich und wir wollen gewinnen. Wenn man sich die Zahlen anschaut, gelingt uns das bisweilen sehr gut. Der Abstand zu unserem nächsten Mitbewerber wächst rasant, trotz der Übernahme von Reebok. [Anm. d. Redaktion: 2006 übernahm adidas für rund drei Milliarden Euro den ursprünglich britischen Sportartikelhersteller Reebok]

Unternehmer.de: Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Die Fußball-WM 2014 wird in Brasilien stattfinden. Ihre Prognose: Welcher Sportartikelhersteller wird die deutsche Nationalmannschaft ausstatten und wer wird den WM-Ball stellen?

Olaf Markhoff: Nike wird in jedem Fall Brasilien ausrüsten, den Rekordweltmeister und Gastgeber der nächsten WM. Es werden Samba-Trommeln statt Vuvuzelas zu hören sein, die Fans werden wieder gebannt der Erstaustrahlung des nächsten Nike-Fußballspots entgegenfiebern und wir werden weiterhin die führende Marke sein. Das sind doch ganz gute Aussichten, oder?

Unternehmer.de: Herr Markhoff, wir bedanken uns für dieses Gespräch.

Das Interview führte Unternehmer.de-Redakteur Mathias Sauermann.

(Bild: © Rafael Ramirez - Fotolia.com)