SEO: So tickt Google! (Teil V)

Veröffentlicht am 11. Januar 2010 in der Kategorie Marketing & Vertrieb von

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Fotolia_6960597_XSDer Usability-Guru Jakob Nielsen predigt seit Jahren, dass die meisten Webseiten an den Anforderungen der Besucher vorbeigehen. Dies belegt er in seinen regelmäßig erscheinenden Artikeln anhand verschiedener Studien. Dabei haben seine Predigten in den vielen Jahren scheinbar nicht sehr viel verändert.

Von Thomas Kaiser

Bedenken Sie bitte, dass eine hohe Platzierung bei Google alleine keinen Umsatz macht. Die Themen Usability und Web Analytics nehmen an Bedeutung zu, denn je besser eine Website funktioniert, desto besser rechnen sich Ausgaben im Online-Marketing. SEO (Search Engine Optimization, Suchmaschinenoptimierung) sucht daher immer auch einen optimalen Kompromiss aus Benutzerfreundlichkeit und suchmaschinenfreundlicher Gestaltung.

Ein Beispiel: Aus den bereits genannten Regeln lässt sich ableiten, dass der Linktext zur Startseite innerhalb einer Website möglichst die wichtigsten Begriffe beinhalten sollte. In den meisten Fällen heißt der Linktext aber "Home" oder "Startseite", aber nach "Home" oder "Startseite" sucht niemand in den Suchmaschinen. Dennoch macht es Sinn, den Link zur Startseite mit „Home“ zu bezeichnen, sonst wäre die Seite nur schwer zu benutzen.

Wenn Sie sich einmal die Seiten von ebay ansehen, werden Sie feststellen, dass die Navigationselemente zum großen Teil aus Text bestehen, nicht aus Grafiken. Sie sollten also bei der Optimierung einer Website auch Kompromissbereitschaft zeigen. Wer eine Website für Suchmaschinen optimiert, sollte auch Kenntnisse im Bereich der Usability haben. Hierzu kann ich vor allem das Buch Don‘t make me think von Steve Krug empfehlen. Denn es kann passieren, dass man zwar die Platzierungen verbessert, aber nebenbei die Konversionsrate senkt.

Beim Thema Design treffen oft verschiedene Ziele aufeinander. In der Regel muss man davon ausgehen, dass die Ästhetik einer Homepage eine geringere Rolle spielt als oft angenommen wird. Beispiele wie Google selbst belegen, dass die Funktionalität oft wichtiger ist als ein aufwendiges Design. Dies hat sich heute etwas relativiert, dennoch hat der Erfolg einer Seite nicht unbedingt etwas mit gutem Design zu tun.

Die Benutzerfreundlichkeit spielt sicher eine größere Rolle als voll durchgestylte Webseiten. Natürlich hat das viel mit der Zielgruppe und den angebotenen Produkten und Dienstleistungen zu tun. Ein typisches Problem ist die Frage, ob man bestimmte Elemente einer Website mittels Grafiken oder reinem Text darstellt. Die Gestaltungsmöglichkeiten mit Text sind im Internet leider dramatisch schlecht, da es nur wenige Schriften gibt, die in allen Browsern und auf allen Betriebssystemen korrekt dargestellt werden.

Und man kann die Wünsche der Designer verstehen, dennoch sollte man auch ganz pragmatisch anerkennen, dass vielen Nutzern das nicht wirklich wichtig ist. In den meisten Fällen geht es den Menschen darum, Antworten zu finden, Bedürfnisse zu befriedigen, Probleme zu lösen oder sich nur gut zu unterhalten. Halten Sie sich vor Augen, dass der Erfolg von Google auf simplen, kleinen Textanzeigen ähnlich wie im Kleinanzeigenmarkt einer Zeitung beruht. Eine Sensation, wenn man die multimedialen Möglichkeiten des Internets bedenkt.

Für die Gestaltung einer Website im Sinne von SEO gibt es ein paar einfache Grundregeln:

  1. Verzichten Sie auf ein Intro: Vorgeschaltete Animationen oder Filmsequenzen sind für die Besucher in der Regel nur nervend und zeitraubend. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Betrachter vor allem den Link „Skip“ oder „Überspringen“ suchen. Solche Intros sind für Suchmaschinen Gift, da bei manchen die Suchmaschinen über das Intro gar nicht hinwegkommen.
  2. Vorsicht bei skript-gesteuerten Weichen: Ob Sie nun die Sprache des Browsers prüfen wollen, ob JavaScript deaktiviert ist oder welche Flash-Version installiert ist: Für den Besucher können solche Weichen sehr sinnvoll sein, um die Inhalte anzuzeigen, die beim Besucher auch sicher funktionieren. Bedenken Sie bitte, dass Suchmaschinen JavaScript nicht verstehen. Daher sollten Sie Weichen so einbauen, dass zunächst die für Suchmaschinen lesbare Variante geladen wird und die Weiche dann gegebenenfalls auf andere Seiten weiterleitet. So erhalten auch Suchmaschinen vollen Zugang zur Website.
  3. Setzen Sie Flash mit Vorsicht ein: Animationen und Filme sollten Sie nur als ergänzendes Element von Webseiten einsetzen, aber nicht als Technologie für die gesamte Website. Designer sind zwar von Flash und Silverlight begeistert, für Suchmaschinen stellen Sie aber ein großes Problem dar. Zwar können Suchmaschinen Flash durchaus verstehen, aber die hier vorgestellten Optimierungsmöglichkeiten gibt es nicht für Flash. Wenn Sie Flash als Technologie für die gesamte Website einsetzen, müssen Sie fest mit dauerhaft schlechten Platzierungen rechnen. Sie können das Problem dann nur mit statischen (X)HTML-Dokumenten lösen, die die Inhalte der Flash-Seite abbilden, und dann innerhalb dieser Dokumente die Optimierung durchführen.
  4. Ein klares Nein zu Frames: Frames ist eine Technologie, die im Laufe der Jahre eine besondere Wandlung erfahren hat. Heute muss man klar von Frames abraten, da sie zu viele Nachteile haben. Der Vorteil der einfacheren Administration ist heute mit leistungsfähigen CMS hinfällig. Eine Optimierung von Seiten basierend auf Frames ist sehr problematisch, daher sollten Sie eine Umstellung der Website ernsthaft in Erwägung ziehen. Frames haben auch aus Sicht der Usability ihre Nachteile.
  5. In dem Zusammenhang möchte ich noch erwähnen, dass es in den Anfangstagen ein beliebtes Mittel war, Suchbegriffe in den <NOFRAMES>-Bereich zu packen, denn dieser Bereich wurde von den Browsern nie angezeigt. Wenn Sie das übertreiben, kann auch das ein Verstoß gegen die Regeln sein, denn allen ist bewusst, dass der NOFRAMES-Bereich für Besucher nicht sichtbar ist.

Suchmaschinenoptimierung: Die rechtliche Grundlagen

In der Rechtsprechung sind viele Bereiche des Internets noch nicht eindeutig abgesteckt. Dennoch gibt es auch dort Spielregeln, an die sich alle Beteiligten halten sollten. Vor allem das Wettbewerbsrecht und das Markenrecht spielen häufig eine Rolle. Da in vielen Fällen höchstrichterliche Entscheidungen fehlen, kommt es immer wieder zu sehr unterschiedlichen Urteilen.

  • Mit fremden Federn schmücken

Ein häufiger Grund von Auseinandersetzungen ist die Verwendung geschützter Begriffe und Titel. Ob man Suchende zu sich leiten will oder gar falsche Tatsachen vorgaukeln möchte, die Verwendung geschützter Begriffe, Marken oder geschützter Titel ist grundsätzlich problematisch.

Nicht selten wird dabei der Einsatz solcher geschützten Begriffe unbeabsichtigt eingesetzt. Man muss sich zunächst verdeutlichen, dass viele scheinbar gebräuchliche Namen wie "gelbe Seiten" oder "Lotto" Marken sind, die sich einfach im Sprachgebrauch manifestiert haben.

  • Müll abladen

Hohe Platzierungen in den Suchmaschinen alleine sind nicht problematisch. Dennoch sollte man darauf achten, nicht über das Ziel hinauszuschießen und viele hohe Platzierungen zu erreichen. Wer nämlich die Ergebnislisten von Suchmaschinen „zumüllt“, betreibt sogenanntes Index-Spamming und behindert damit den Wettbewerb.

Wer einen Dienstleister beauftragt, sollte sicherstellen, dass dieser entsprechend vorsichtig agiert oder sogar Frühwarnsysteme hat, die solche Fehltritte frühzeitig erkennen. Wenn Sie heute allerdings nur eine Domain optimieren, dürfte dieser Punkt keine Rolle mehr spielen, denn die Suchmaschinen werden für einen Begriff Ihre Website nicht zigmal in den Treffern anzeigen. Auch das hohe Platzieren irrelevanter Begriffe wird von Suchmaschinen verfolgt, da es die Qualität der Ergebnisse maßgeblich verschlechtert.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch Top Platzierungen bei Google & Co..

Weiter Artikel dieser Serie:

Suchmaschinenoptimierung: So tickt Google – Teil I
Suchmaschinenoptimierung: So tickt Google – Teil II
Suchmaschinenoptimierung: So tickt Google – Teil III
Suchmaschinenoptimierung: So tickt Google - Teil IV

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