Werbebrief oder Werbe-Mail? – Die richtige Marketing-Strategie

Veröffentlicht am 21. November 2011 in der Kategorie Marketing & Vertrieb von

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Marketing-Strategie: Werbebrief oder Werbe-Mail?Wieso Porto und Druckkosten bezahlen, wenn man (nahezu) kostenlos E-Mails verschicken kann? Sind Werbebriefe überhaupt noch modern?

Das sind nur zwei der Fragen, die Unternehmern durch den Kopf gehen, wenn sie eine Werbekampagne planen. Doch so einfach ist das mit dem Heilsbringer E-Mail leider nicht.

Schwierige Rechtslage für E-Mails

Besonders die Rechtslage in Deutschland macht der E-Mail das Leben schwer. E-Mails sind als Erstkontakt weder im Privatkundenbereich noch im Firmenbereich zulässig (vgl. §7 UWG und BGH 11.03.2004, I ZR 81/01). Genau genommen dürfen E-Mails nur an jene versendet werden, die aktiv zugestimmt haben, E-Mails von Ihnen zu empfangen. Dabei reicht ein Häkchen im Anmeldeformular leider nicht mehr – rechtlich abgesichert ist man nur, wenn nachweisbar ist, dass der Empfänger wirklich selbst sein Einverständnis gegeben hat (und nicht irgendjemand einfach seine E-Mail-Adresse eingetragen hat). Und diesen Nachweis hat man erst, wenn der Empfänger aus seinem Postfach heraus eine Bestätigung versendet hat, dass er die E-Mails wirklich möchte. Das ist dann das so genannte Double Opt-In.

Opt-In Adressen kaufen

Es gibt zwar unzählige Webseiten, die mit Millionen von Double Opt-In E-Mails für wenige 100,- € werben, aber da kann man sein Geld gleich verbrennen. Es gibt zwar auch seriöse Anbieter, allerdings mit (zu recht) gesalzenen Preisen. Um sicher zu gehen, müssen Sie beim Verkauf der E-Mail-Adressen den Nachweis des Double Opt-Ins für jede einzelne Adresse mitgeliefert bekommen oder Sie verschicken direkt über den Anbieter, so dass das Risiko der Abmahnung nicht auf Sie übergeht.

Zur Akquise von Neukunden sind E-Mails also leider nicht geeignet. Jeder, der es trotzdem schon mal versucht hat, weiß dass Abmahnungen leider keine Seltenheit sind.

Sind Postsendungen erlaubt?

Der Werbebrief kann hier deutlich punkten. Für ihn gelten weniger strenge Vorschriften, weil das Belästigungspotenzial geringer ist. Seit 2009 gilt eigentlich, dass Privatleute der Nutzung ihrer Adressen zugestimmt haben müssen, aber sobald die Adressen allgemein zugänglich sind (z.B. in Telefonbüchern) ist auch dann keine Einwilligung nötig (vgl. §28 BDSG). Vergessen Sie allerdings nicht, Ihren Empfänger auf sein Werbe-Widerspruchsrecht hinzuweisen.

Wann macht E-Mail überhaupt Sinn?

Beim Thema Kundenbindung! Im besten Fall wurde während des Kauf- oder Anmeldeprozesses ein Double Opt-In erwirkt. Dann sind Follow-Up E-Mails ein praktisches Mittel, um beim Kunden im Gedächtnis zu bleiben. Automatisiert können Sonderangebote, Geburtstagsgrüße oder interessante Newsletter versendet werden. Das würde sich mit Postsendungen wesentlich aufwendiger und kostenintensiver gestalten. Hier hat die E-Mail klar die Nase vorn – zumindest bei einer internetaffinen Zielgruppe.

E-Mail oder Brief: Was ist modern?

Abgesehen davon, dass nicht jede Zielgruppe wert auf die aktuellen Trends legt, ist der Werbebrief nicht unmoderner als die E-Mail. Selbst Internet-Riese Google zählt auf Werbung per Post. Innovative Ideen wie dem Brief eine bestimmte Duftnote zu verleihen sind online gar nicht möglich. Dagegen kann eine E-Mail mit Animationen oder verlinkten Videos punkten. Hier zählt Ihr Ideenreichtum viel mehr als die Möglichkeiten des Mediums.

Öffnungs- und Antwortquoten

Besonders für Online-Shops bieten sich Links aus E-Mails heraus natürlich mehr an, als wenn der Empfänger die Domain selbständig vom Werbebrief abtippen muss. Dieser Punkt geht klar an die E-Mail. Die Frage ist aber, ob der Empfänger überhaupt dazu kommt, den Link zu klicken. Die meisten Werbe-E-Mails werden tatsächlich oft schon vor dem Öffnen allein wegen der Betreffzeile gelöscht. Mit wenigen Worten im Betreff zum Öffnen zu animieren ist eine regelrechte Kunst!

Werbebriefe hingegen werden in den meisten Fällen zumindest geöffnet – besonders, wenn eine Briefmarke drauf klebt und die Anrede personalisiert ist. Die durchschnittlichen Antwort-Quoten von E-Mails und Werbebriefen nehmen sich nicht viel, bei Kaltakquise ist mit 0,01-1% zu rechnen, mit einem guten Adresshändler und Werbetexter auch mit 1,5 - 2%. Über die Zeit kann die Quote noch steigen (besonders bei Werbebriefen, die speziell von Unternehmern auch gerne für den späteren Bedarf abgeheftet werden).

Fazit

Die E-Mail wird dem Werbebrief in nächster Zeit nicht den Rang ablaufen können. Das lässt schon allein die Rechtslage nicht zu. Allerdings kann die E-Mail besonders in puncto Kundenbindung und Bestandskunden-Werbung eine wertvolle Ergänzung und sogar Alternative sein.

(Bild: © Hao Wang - Fotolia.de)