Ein Fachbuch oder Sachbuch schreiben und veröffentlichen

Veröffentlicht am 9. August 2011 in der Kategorie Marketing & Vertrieb von

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Viele Freiberufler wie Trainer und Berater träumen davon, Buchautoren zu werden, um ihre Bekanntheit zu steigern und den Ruf „Spezialist für ...“ zu erwerben. Sie unterschätzen meist, welche Investition an Zeit – und/oder Geld – das Verfassen(-lassen) und das Publizieren eines Buchs erfordert. Und viele denken irrtümlich: Wenn ich das Manuskript beim Verlag abgeliefert habe, ist mein Job beendet.

Hand aufs Herz. Welcher Trainer, Berater oder Coach träumte nicht schon einmal davon, ein Buch zu schreiben, das in der Bestsellerliste der Wirtschaftswoche oder des Spiegel steht? Und welcher Berater sah sich in seinen Tagträumen nicht schon mal als der große „Meister“, der von Kongress zu Kongress reist und Managern erzählt, wie sie Probleme in kürzester Zeit lösen können? Vermutlich jeder!

Das ist verständlich! Denn auf Dauer ermüdet es, (Noch-nicht-)Kunden immer wieder zu umwerben, bis sie einem den ersehnten Auftrag erteilen. Wie schön wäre es stattdessen, von ihnen angerufen und gefragt zu werden „Könnten Sie für uns...?“. Und wie schön wäre es zudem, nachdem man jahrelang von Tagungshotel zu Tagungshotel eilte, die meiste Zeit auf dem Golfplatz zu verbringen, um dort zwischen Abschlag und Einlochen darüber nachzudenken: Welche Thesen sollen mein nächstes Buch garnieren? Und nach dessen Erscheinen als hochdotierter Redner auf Managementkongressen zu referieren. Ein solches Leben hätte auch seinen Reiz.

Nur sehr wenige Bücher werden Bestseller

Doch dieses Ziel erreichen nur ganz wenige Berater. Zwar verdient mancher mit der Zeit ausreichend Geld, um sein Hauptaugenmerk auf das Verbessern des Golf-Handicaps zu richten. Nur wenigen wird aber die Ehre zuteil, dass sie unter anderem aufgrund ihrer Bücher wie Reinhard Sprenger, Lothar Seiwert und Fredmund Malik zu den allgemein anerkannten und/oder bekannten Größen der Trainer- und Beraterzunft zählen.

Deshalb wächst in vielen Beratern im Lauf der Jahre der Wunsch: Auch ich möchte einmal ein Buch schreiben – insbesondere wenn sie registrieren, mit welch banalen Inhalten Autoren zuweilen eine schier unglaubliche Breitenwirkung erzielen. So wie zum Beispiel Werner Küstenmacher mit seinem Buch „Simplify your life“.

Manchmal wird dieser Wunsch bei Beratern geradezu zur fixen Idee und sie sind felsenfest überzeugt: Wenn erst mal mein Buch erscheint, dann gehen all meine beruflichen (und privaten) Wünsche in Erfüllung. Sie blenden völlig aus, dass

  • nur ganz wenige Fachbücher eine solche Langzeitwirkung wie Reinhard Sprengers Buch „Mythos Motivation“ haben und
  • nur ganz, ganz wenige Sachbücher solche Verkaufszahlen wie Werner Küstenmachers Buch „Simplify your life“ erreichen.

Die meisten von Beratern verfassten Bücher werden maximal 1000 bis 2000 Mal verkauft. Und wenn die verkaufte Auflage 5000 Exemplare übersteigt, werden die Bücher von den Verlagen in der Regel schon als „Bestseller“ bezeichnet.

Bücher schreiben: eine Mammutaufgabe

Entsprechend skeptisch und eher abwiegelnd reagiert dann auch der Autor dieses Artikels meist, wenn Berater in einem Gespräch beispielsweise verkünden: „Ich möchte im kommenden Jahr ein Buch verfassen und veröffentlichen“. Denn in der Regel unterschätzen die Berater, welch enorme Investition an Zeit (und/oder Geld) es ist, ein Buch zu publizieren. Und welch langen Atmen man hierfür braucht.

Angenommen, Sie würden gerne ein Buch publizieren. Dann müssen Sie zunächst ein Grobkonzept hierfür entwickeln. Danach müssen Sie sich auf die Suche nach einem Verlag begeben, der Ihr Konzept kauft – also bereit ist, Ihr Manuskript zu publizieren, weil er sich selbst davon einen wirtschaftlichen Erfolg verspricht. Allein diese Verlagssuche erstreckt sich oft über mehrere Monate.

Haben Sie dann einen Verlag gefunden und mit ihm das Konzept abgestimmt, können Sie mit dem Schreiben des Buchs beginnen. Auch dies dauert (selbst bei erfahrenen Schreibern) zwei, drei Monate. Und ist das Manuskript dann endlich fertig und haben Sie es mit einem Stoßseufzer an den Verlag gesandt, dann sollten Sie sich darauf einstellen, dass es wie ein Bumerang noch mehrfach auf Ihrem Schreibtisch landet – zum Beispiel, weil der Verlag bei einigen Kapiteln eine Überarbeitung wünscht. Oder weil ihm die Grafiken nicht zusagen. Oder weil Sie das gesetzte Manuskript nochmals gegenlesen sollen.

Die Autorenhonorare sind mager

Für alle diese Arbeiten, die sich über ein Jahr und länger erstrecken, sollten Sie insgesamt mindestens drei Arbeitsmonate kalkulieren. Drei Arbeitsmonate entsprechen aber, wenn man bei Ihnen, als einigermaßen etablierter Berater, einen monatlichen Umsatz von 8 000 Euro zugrunde legt, einer Investition von 24 000 Euro. In etwa diese Summe sollten Sie übrigens auch mindestens veranschlagen, wenn Sie beabsichtigen, einem Ghostwriter die Aufgabe zu übertragen, das Buch für Sie zu verfassen und für Sie einen Verlag zu suchen – zumindest dann, wenn das Buch kein Booklet sein soll.

Und welche Einnahmen stehen diesen Ausgaben gegenüber? Gehen wir davon aus, Ihr Buch kostet im Buchhandel 25 Euro. Dann erhalten Sie vom Verlag in der Regel circa 1,20 Euro pro verkauftem Exemplar. Wird Ihr Buch 5000 Mal verkauft (was bei einem Fachbuch bereits „spitze“ wäre), erhalten Sie somit ein Autorenhonorar von 6000 Euro. Diesem Betrag steht aber eine Investition an Geld oder Zeit im Umfang von 24 000 Euro und mehr gegenüber. Entsprechend genau sollten Sie sich, bevor Sie sich dazu entschließen, ein Buch zu publizieren, überlegen, ob sich diese Investition lohnt.

(Bild: © Bobo Ling – Fotolia.com)