TelDaFax: „Den etablierten Anbietern ein Dorn im Auge“

Veröffentlicht am 6. Dezember 2010 in der Kategorie Management & People Skills von

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Seit Wochen macht der Billigstromanbieter TelDaFax Schlagzeilen: Der Firma wird eine Reihe von fragwürdigen Vorgängen rund um illegale Geschäftsmodelle, klamme Finanzen und Insolvenzverschleppung vorgeworfen, die Staatsanwaltschaft leitete Verfahren ein.

Ein bislang unbekannter russischer Großinvestor soll nun aber die Wende bringen. Im Gespräch mit Unternehmer.de nimmt Klaus Bath, der Vorstandsvorsitzende von TelDaFax, Stellung zum Auf und Ab des turbulenten TelDaFax-Herbstes.

Unternehmer.de: Herr Bath, Können Sie sich zu den anhängigen Verfahren gegen Sie äußern?

Klaus Bath: Bei der Staatsanwaltschaft Landshut ist eine Strafanzeige erstattet worden, die sich auch gegen mich richtet. Aufgrund entsprechender Presseveröffentlichungen hat mein anwaltlicher Vertreter mit dem zuständigen Abteilungsleiter der Staatsanwaltschaft Landshut Kontakt aufgenommen. Dieser hat ausdrücklich bestätigt, dass er kein Ermittlungsverfahren gegen mich einleiten werde und es deshalb auch kein Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Landshut gegen mich gebe.
Bezüglich der Staatsanwaltschaft Bonn ist mitzuteilen, dass dort aufgrund einer Strafanzeige einer dritten Person ein so genanntes Überprüfungsverfahren eingeleitet wurde.
[Anm. der Redaktion: Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft Bonn ein Ermittlungsverfahren unter anderem wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung eingeleitet.]

Klaus Bath, Vorstandsvorsitzender von TelDaFax

Unternehmer.de: Sie wiederum haben gegen Ihren ehemaligen Finanzchef Alireza Assadi Anzeige erhoben. Was werfen Sie ihm vor?

Klaus Bath: Wir haben Anzeige gegen unbekannt erstattet und in diesem Zusammenhang auch Herrn Assadi benannt. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Bonn ein Ermittlungsverfahren gegen Herrn Assadi eröffnet. Hier geht es vor allem um den Verrat von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen.

Unternehmer.de: Das Handelsblatt attestierte TelDaFax im Oktober eine langjährige finanzielle „Schieflage“: TelDafax sei seit eineinhalb Jahren überschuldet. Außerdem sind die Jahresabschlussberichte aus 2008 und 2009 nach wie vor noch nicht testiert. Wie kommt es dazu?

Klaus Bath: Das Unternehmen wird für die Jahre 2008 und 2009 bilanzielle Verluste ausweisen. Es wird aber durch die Hebung stiller Reserven – geplant noch im Jahr 2010, mit einem um die Anlaufverluste bereinigten Eigenkapital auf der Passivseite ausgestattet. Wir werden in 2010 etwa eine halbe Milliarde Umsatz erwirtschaften, im kommenden Jahr rechnen wir mit schwarzen Zahlen. Eine in 2008 vollzogene Verschmelzung mit einem definierten Verschmelzungsstichtag, war handelsrechtlich zu diesem Stichtag nicht in Ordnung. Die Auswirkungen, die dieser Umstand auf die Jahresabschlüsse hatte, werden derzeit noch geprüft.

Unternehmer.de: Immer wieder wurde im Zusammenhang mit TelDaFax auch er Vorwurf laut, Sie betrieben ein „Schneeballsystem“. Dabei bieten derzeit etwa 70 Energielieferanten Verträge mit jährlicher Vorkasse an. Was glauben Sie, warum ausgerechnet Ihnen der Vorwurf gemacht wurde?

Klaus Bath: TelDaFax arbeitet natürlich nicht nach einem Schneeballsystem. Dieser Begriff ist im Übrigen mehrdeutig. Zum einen bezeichnet er ein wettbewerbswidriges Verhalten, zum anderen ein Geschäftsmodell, das zum Funktionieren eine ständige wachsende Anzahl an Neukunden benötigt. Offensichtlich ist durch interessierte Kreise dieser völlig unzutreffende Vorwurf in die Welt gesetzt worden. Dass unser Unternehmen trotz vielfältiger „Querschüsse“ laufende Neukundenzugänge zu verzeichnen hat, beruht auf der offensichtlichen Solidität unseres Angebotes. Dies mag den großen Energiekonzernen nicht passen. Durch ständige Wiederholung wird die Behauptung, wir betrieben ein „Schneeballsystem“, aber nicht zutreffend.

Unternehmer.de: Was sind die Vorteile des Vorkassenprinzips für die Kunden? Gibt es dabei Risiken?

Klaus Bath: Unser Vorkasse-Modell ist an äußerst günstige Tarife gekoppelt. Übrigens haben wir dieses Modell nicht erfunden. Nehmen Sie die Versicherungsbranche: Entschieden Sie sich für eine jährliche Zahlweise, ist Ihr Versicherungsbeitrag automatisch günstiger. Bei uns verhält sich das ebenso. Allerdings: Lediglich 20 Prozent unserer Kunden haben sich für einen solchen Tarif entschieden, das bedeutet, dass 80 Prozent unserer Kunden Monatszahler sind.

Unternehmer.de: Sie selbst haben die Berichterstattung der letzten Wochen als gezielte Kampagne gegen Ihr Unternehmen bezeichnet, die den anstehenden Verkauf des Unternehmens sabotieren sollte. Welche Vorwürfe machen Sie den Medien?

Klaus Bath: Sehen Sie, die Kampagne – übrigens gezielt vor allem von einem Medium aus gesteuert – ging exakt zu dem Zeitpunkt los, wo der Branche langsam klar wurde, dass wir einen neuen und noch dazu russischen Investor bekommen würden. Das muss den etablierten Anbietern im Energiemarkt doch ein Dorn im Auge sein. Zudem sind die weiteren Akteure in diesem Spiel, also unser ehemaliger Finanzvorstand und ein Frankfurter Ermittlungsbüro, eindeutiger Absender eines dubiosen Info-Pakets für die Presse – haben diese Pakete aber sicher nicht deshalb unters Volk gebracht, weil sie ihrer aufklärerischen Bestimmung gefolgt sind. Die gegen uns erhobenen Vorwürfe werden wir widerlegen und gegen die Urheber alle notwendigen rechtlichen Schritte einleiten. Ich bin sicher, dass an TelDaFax nichts „hängen bleiben wird“.

Unternehmer.de: Wie hat Ihre Belegschaft den Medienwirbel verarbeitet?

Klaus Bath: Gott sei Dank relativ gut. Die Loyalität und vor allem der Zusammenhalt innerhalb der Belegschaft ist in den vergangenen Wochen nochmals deutlich gestiegen. Das zeigen die vielfältigen Reaktionen direkt aus dem Haus. Von den Mitarbeitern kam übrigens auch die Idee, eine Anzeige zu schalten, mit der man in der Öffentlichkeit einiges richtig gestellt hat. Übrigens: Das Handelsblatt wollte diese Anzeige zunächst nicht schalten.

Unternehmer.de: Seit 4. November ist nun bekannt, dass TeldaFax einen neuen Investor an Land ziehen konnte. Können Sie uns genaueres über den Investor sagen?

Klaus Bath: Leider können wir den Namen nach wie vor nicht nennen. Hier gibt es vertragsbegleitend die Absprache, dass wir Stillschweigen bewahren, bis alle finalen Schritte gemacht wurden. Aber, was ich hier natürlich sagen kann – und auch gerne unterstreiche – ist die Tatsache, dass der Vertrag bereits unterzeichnet ist und wir lediglich mit der endgültigen Ratifizierung noch auf bestimmte nationale Gegebenheiten Rücksicht nehmen müssen. Zukünftig wollen wir vor allem im Gasmarkt stärker aktiv werden – das ist erklärtes strategisches Ziel.

Unternehmer.de: Dank der Investition befindet sich TelDaFax laut Ihrer Aussage nun in einer „finanziell sehr komfortablen Situation“. Sie werben mit Vertrauenstarifen. Können Sie uns einen kurzen Ausblick auf das Geschäftsjahr 2011 geben?

Klaus Bath: Trotz der Medienkampagne sind wir weiter wie geplant gewachsen und werden der Planung nach 2011 erstmals schwarze Zahlen schreiben. Verstärkt wollen wir im kommenden Jahr mit attraktiven Angeboten im Gasmarkt Präsenz zeigen. 2011 wird aber natürlich vor allem für uns ganz im Zeichen des neuen Investors stehen.

Unternehmer.de: Herr Bath, wir bedanken uns für dieses Gespräch.

Das Interview führte Unternehmer.de-Reporterin Linda Csapo.

(Bild: © Argus – Fotolia.com)