„Ein gesetzlicher Mindestlohn ist keine gute Sache, weil er Jobs vernichtet“

Veröffentlicht am 6. September 2010 in der Kategorie Management & People Skills von

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Marie-Christine Ostermann (Bild links) hat ein volles Programm: Sie ist die Vorsitzende des Bundesverbandes "Die Jungen Unternehmer" (BJU) und jagt in dieser Funktion unter anderem von einem Pressetermin zum nächsten. Parallel leitet sie noch einen Familienbetrieb im nordrhein-westfälischen Hamm. Die 32-Jährige geht in die Offensive.

Unternehmer.de wollte vom "Liebling der Medien" (O-Ton Süddeutsche Zeitung) wissen, um was es sich beim Verband "Die Jungen Unternehmer" dreht, welche Ziele sie als Vorsitzende hat und welche Impulse das Unternehmertum in Deutschland unbedingt braucht.

Unternehmer.de: Frau Ostermann, im Kurzportrait des Verbandes "Die Jungen Unternehmer" heißt es, man sei die branchenübergreifende Interessenvertretung für junge Familien- und Eigentümerunternehmer bis 40 Jahre. Gehört man demnach mit 41 Jahren zum alten Eisen?

Marie-Christine Ostermann: Nein, natürlich gehört man mit über 40 nicht zum alten Eisen. Erfolgreiches Unternehmertum kennt keine Altersgrenze. Aber "Die Jungen Unternehmer" sind nun mal ein spezielles Forum für junge Familien- und Eigentümerunternehmer. Das macht auch Sinn, weil junge Unternehmer oft vor ganz besonderen Herausforderungen stehen, zum Beispiel wenn es um Gründung und Nachfolge geht. Familienunternehmer über 40 Jahre sind übrigens sehr gut bei unserem Mutterverband "Die Familienunternehmer" aufgehoben.

Unternehmer.de: Weiter heißt es, dass Sie sich für eine wettbewerbsorientierte und soziale Marktwirtschaft und gegen überflüssige Staatseingriffe einsetzen. Stehen "Die Jungen Unternehmer" der FDP näher als der SPD?

Marie-Christine Ostermann: Unser Verband ist parteipolitisch unabhängig. Unter dem Motto Freiheit, Eigentum, Wettbewerb und Verantwortung treten wir dafür ein, die Rahmenbedingungen für junge Unternehmer zu verbessern. Natürlich gibt es bei bestimmten Positionen eine größere Nähe zu der einen oder anderen Partei. Das bedeutet aber nicht, dass wir unsere Unabhängigkeit aufgeben.

Unternehmer.de: Wer kann Mitglied bei Ihnen werden und welche Vorteile bringt eine Mitgliedschaft?

Marie-Christine Ostermann: Mitglieder können Inhaber bzw. Gesellschafter eines Unternehmens werden, die mindestens eine Million Euro Jahresumsatz oder zehn Mitarbeiter haben. Außerdem benötigen unsere Mitglieder einen Eintrag ins Handelsregister oder in die Handwerksrolle und dürfen das 40. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Die Mitgliedschaft bei uns bringt viele Vorteile: Vertretung der Interessen junger Unternehmer gegenüber der Politik, unternehmerischer Austausch auf hochkarätigen Veranstaltungen und in unserer Online-Community sowie Teilnahme an exklusiven Seminaren und Workshops. Außerdem bringt eine Mitgliedschaft in unserem Verband auch jede Menge Spaß. Mehr Infos gibt es auf www.bju.de.

Unternehmer.de: Kann ich auch als Existenzgründerin oder Existenzgründer Mitglied werden? Welchen Stellenwert haben Startups im Verständnis von "Die Jungen Unternehmer"?

Marie-Christine Ostermann: Unternehmensgründer sind bei uns herzlich willkommen. Sie können Mitglied werden, wenn die Aussicht besteht, dass sie die Aufnahmekriterien innerhalb von fünf Jahren nach ihrem Eintritt erfüllen. Die Mitgliedschaft ist dann zunächst auf diesen Zeitraum befristet. Startups sind ganz wichtig für die Wirtschaft in unserem Land. Sie legen die Grundlage für das Wachstum und die Arbeitsplätze von morgen. Wir brauchen in Deutschland noch viel mehr mutige und innovative Menschen, die Unternehmen gründen. Mit unserem Bildungsprojekt „Schüler im Chefsessel“, im Internet erreichbar unter www.schueler-im-chefsessel.de, wollen wir deshalb junge Leute für das Unternehmertum begeistern.

Unternehmer.de: Sie sind seit November 2009 Vorsitzende von "Die Jungen Unternehmer". Was kam Ihren Posten betreffend so, wie Sie es erwartet hatten, und was hat Sie überrascht?

Marie-Christine Ostermann: Mein Vorgänger Dirk Martin, der ein sehr erfolgreicher Bundesvorsitzender war, hat mich gut auf meine neue Aufgabe vorbereitet. Ich wusste also, dass viele Veranstaltungen, Politikergespräche und Medientermine auf mich zukommen. So ist es dann auch geschehen – und es macht sehr viel Spaß. Überrascht hat mich, in welch kurzer Zeit man sich dann doch in alles einarbeitet.

Unternehmer.de: Welche Themen liegen Ihnen besonders am Herzen, was sind die fünf wichtigsten Ziele, die Sie während Ihrer Amtszeit als Vorsitzende erreichen wollen?

Marie-Christine Ostermann: Ganz wichtig ist mir das Thema Generationengerechtigkeit. Ich möchte nicht, dass die Zukunftschancen der jungen Menschen in unserem Land unter die Räder kommen. Deshalb müssen wir unbedingt die hohe Staatsverschuldung zurückfahren und die sozialen Sicherungssysteme reformieren. Weitere Themen, die mir besonders am Herzen liegen, sind Bildung, Bürokratieabbau und Arbeitsmarktflexibilisierung. Außerdem brauchen wir ein einfacheres und gerechteres Steuersystem. Bei all diesen Themen will ich als Vorsitzende meinen Beitrag dazu leisten, dass es zu spürbaren Verbesserungen kommt.

Unternehmer.de: Stichwort Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Laut neuesten Statistiken wird es vielen berufstätigen Frauen in Deutschland nach wie vor immens schwer gemacht, Kind und Karriere zu vereinbaren. Wo sehen Sie hier Ansatzpunkte und was wäre in welchem Zeitraum umsetzbar?

Marie-Christine Ostermann: Von entscheidender Bedeutung ist der Ausbau der Kinderbetreuung. Hier gibt es insgesamt noch viel Nachholbedarf. Ich erwarte von der Politik, dass sie sich an ihre Vorgaben hält und sicherstellt, dass es bis 2013 bundesweit für 35 Prozent der unter Dreijährigen einen Betreuungsplatz gibt. In diesem Zusammenhang ist wichtig, dass auch private Anbieter angemessen zum Zuge kommen.

Unternehmer.de: Wie wollen Sie sich mit Ihren Ideen und Forderungen bei den Politikern in Berlin Gehör verschaffen?

Marie-Christine Ostermann: Ich halte das persönliche Gespräch für sehr wichtig. Im Rahmen von Veranstaltungen und bei anderen Terminen habe ich viel Gelegenheit, mit Politikern zu sprechen und unsere Positionen darzulegen. Darüber hinaus macht unser Verband eine sehr starke Medienarbeit.

Unternehmer.de: In der Talkrunde von Maybrit Illner hatten Sie jüngst den Niedriglohnsektor auf 400 Euro Basis verteidigt. Was ist der Standpunkt von "Die Jungen Unternehmer" zum Thema "gesetzlich festgelegter Mindestlohn"?

Marie-Christine Ostermann: Ein gesetzlicher Mindestlohn ist keine gute Sache, weil er Jobs vernichtet. Insbesondere bei einfachen Tätigkeiten bleibt die Produktivität sehr oft deutlich hinter dem vom DGB geforderten Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro zurück. Das hat zur Folge, dass diese Jobs für die Unternehmen nicht mehr finanzierbar sind und abgebaut werden müssen. Auf diese Weise verschließt ein gesetzlicher Mindestlohn vor allem Geringqualifizierten den Zugang zum Arbeitsmarkt. Ein Kombilohn ist deshalb die bessere Alternative.

Unternehmer.de: Zum Abschluss eine persönliche Frage: Sie sind Unternehmerin, Vorsitzende eines großen Verbandes und sehr gefragt als Interviewpartnerin: Wie schaffen Sie es angesichts dieses vollen Programms abzuschalten und aufzutanken? Was sind Ihre Kontrastprogramme zum meist doch harten Alltag der Ökonomie?

Marie-Christine Ostermann: Am besten abschalten kann ich beim Sport. Das macht den Kopf frei. Ich jogge und trainiere auch im Fitnessstudio. Meine große Leidenschaft ist jedoch das Klettern. Zum Glück gibt es in meiner Heimatstadt Hamm und Umgebung viele Klettermöglichkeiten. Außerdem lese ich gern und viel.

Unternehmer.de: Frau Ostermann, wir bedanken uns für dieses Gespräch.

Das Interview führte Unternehmer.de-Redakteur Mathias Sauermann.

www.bju.de