„Können Frauen nicht führen?“ – Weibliche Körpersprache und männliches Dominanzgebaren

Veröffentlicht am 25. August 2010 in der Kategorie Management & People Skills von

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Gleichberechtigung sagt noch lange nichts aus über Gleichbehandlung. Noch immer sind Frauen in Führungspositionen nicht nur in der Minderheit.

Sie müssen auch um die ihnen entgegen gebrachte Akzeptanz als Führungskraft in einem männlich dominierten Umfeld kämpfen. Liegt ein Grund dafür in ihrer sozialeren Körpersprache?

Die Frage ist nicht, ob und wie Frauen Entscheidungen treffen – vielmehr muss man sich fragen, ob Männer deren Ernsthaftigkeit auch dann verstehen und akzeptieren, wenn sie auf „sozialverträglichere“ Weise kommuniziert werden, als dies bei ihrem eigenen Geschlecht der Fall ist.

Vertriebsleiterin Martina W., 45, beschleicht mitunter das Gefühl, dass einige männliche Teammitglieder sie nicht so ernst nehmen, wie die Situation es mitunter erfordert. Zwar ist sie insgesamt zufrieden - die Arbeit ist abwechslungsreich, das Unternehmen fördert Weiterbildung und die Bezahlung stimmt – doch sie wird das Gefühl nicht los, dass es deutliche Unterschiede in der Reaktion auf Anordnungen gibt, je nachdem, ob sie von einem männlichen oder einer weiblichen Kollegin erteilt werden.

Männliche Verhaltensweisen

Vor diesem Hintergrund fallen ihr bei ihren männlichen Kollegen Verhaltensweisen auf, die sie bei Frauen so noch nicht beobachtet hat. Oft handelt es sich dabei um typische Machtgesten:

  • mechanisches Lächeln
  • reduzierter Blickkontakt
  • Beschäftigung mit anderen Dingen, während jemand spricht
  • zielgerichteter Bewegungsablauf
  • kurze, knappe Gesten
  • raumgreifende Ausweitung eigener Distanzzonen
  • fehlende Rücksichtnahme auf Distanzzonen anderer

Die meisten dieser Punkte fallen eindeutig in den männlichen Bereich. Die fehlende Rücksicht auf Distanzzonen anderer beispielsweise wird in dem Klassiker, in dem der Chef hinter seiner Mitarbeiterin steht und sich über sie beugt, besonders deutlich. Der Herr, der einer Dame die Tür aufhält und ihr dabei wie selbstverständlich die Hand auf den Rücken legt, um sie hindurch zu geleiten, möchte vielleicht höflich sein. Das wäre er jedoch auch ohne die ungefragte Berührung und die damit einhergehende Verletzung der Intimdistanz.

Weibliche Verhaltensweise

Weibliche Körpersprache ist rücksichtsvoller und bescheidener als männliche. Sie enthält weichere Bewegungen und benötigt weniger Raum, beispielsweise im Stand, weil die Füße näher beieinander stehen. Männer „präsentieren“ mit ihrem breitbeinigen Stand wesentlich häufiger ihre Männlichkeit.

Verkündet eine Frau im beruflichen Kontext eine Entscheidung, wird sie im Normalfall dabei nicht von ihrer persönlichen Kommunikationsform abweichen. Ganz selbstverständlich geht sie davon aus, dass man ihre Kompetenz und ihren Status akzeptiert. Dabei signalisieren sowohl ihre Worte wie auch die dazu stimmige Körpersprache die Bereitschaft, Spielräume zu lassen.

Beispiel: Während ein Mann sagt: „Erledigen sie das bis morgen!“, fragt eine Frau: „Könnten Sie das bitte bis morgen erledigen?“ Dabei unterstützt sie ihre Aussage vielleicht mit einer nach oben geöffneten Handfläche. Da kann beim männlichen Gegenüber, der einen Hinweis mit dem Zeigefinger auf die zu erledigende Arbeit als klare Order verstanden hätte, durchaus schon mal das Gefühl entstehen, man habe ihm soeben einen Vorschlag unterbreitet, dem man ja mal nachgehen könnte – oder eben auch nicht.

Klare Anweisungen müssen klar kommuniziert werden!

Verbal und körpersprachlich. Leicht wird sonst nicht nur die Anweisung, sondern auch die dahinter stehende Person in Frage gestellt. Im Hinblick auf ein modernes Frauenbild ist das politisch zwar höchst unkorrekt, doch nach wie vor nicht selten. In bestimmten Berufsbildern wird weibliche Kompetenz schlicht in Frage gestellt. So, wie von dem Verkäufer, der in einem Seminar seine Ansicht so formuliert: „Frauen haben von Führung einfach keine Ahnung. Und von so jemandem muss ich mir sagen lassen, dass ich meine Verkaufsziele nicht erreiche!“

Was können Frauen dagegen tun?

Den Grund für derlei Ansichten lediglich auf die Körpersprache zu reduzieren wäre sicher zu einfach, wenngleich sie hinsichtlich unserer Wirkung den größten Anteil hat. Doch wie sollte Frau vorgehen? Sich breitbeinig in die Mitte des Raumes stellen und mit pfeilschnell abgeschossenen Befehlen Gehorsam einfordern? Diesen erhielte sie dann allenfalls aufgrund ihres hierarchisch höheren Status´. Darüber hinaus erntete sie statt Respekt jedoch höchstens ein verstohlenes Grinsen. Andererseits: Auf die Einsicht mancher Männer zu hoffen, ist mindestens ebenso aussichtslos.

Körpersprache ist Ausdruck unseres Inneren

Auf dem Weg zur Führungskraft und zur Macht entwickelt sich zwangsläufig eine Körpersprache, die diesbezüglich deutliche Signale sendet. Und bei allem Verständnis für soziale Harmonie für Männer wie für Frauen gilt: Wer darauf zuviel Rücksicht nimmt, wird zwar von Vielen gemocht – doch nur von wenigen als Führungskraft akzeptiert. Wobei sich Frauen aufgrund mangelnder Einsichtsbereitschaft der Männer meist mehr anstrengen müssen. Sei es nun politisch korrekt oder nicht.

Die Unternehmer.de-Leserfrage:

Welche Erfahrungen haben Sie als Frau bzw. mit Frauen gemacht? Können Sie die Ausführungen des Autors bestätigen?

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