Studenten als Unternehmensberater: „Keine Schubladenlösungen!“

Veröffentlicht am 23. August 2010 in der Kategorie Management & People Skills von

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Die Unternehmensberatung "Junior Comtec" an der Technischen Universität Darmstadt ist anders. Hier trifft man keine Consulter mit jahrzehntelanger Berufserfahrung, sondern blutjunge Studenten, die mittels frisch erworbenem Uni-Know-how Unternehmen auf Vordermann bringen wollen.

Was bietet eine studentische Unternehmensberatung? Unternehmer.de hakte nach bei Lukas Rein - 22 Jahre alt, Ressortleiter für Externes bei "Junior Comtec" und Student der Wirtschaftsingenieurwissenschaften.

Unternehmer.de: Herr Rein, was ist die Idee hinter "Junior Comtec", wann und wie wurde das Beratungsunternehmen ins Leben gerufen?

Lukas Rein: Die Gründer von "Junior Comtec Darmstadt e.V." waren in einem Auslandssemester in Frankreich, wo studentische Unternehmensberatungen bereits viel länger bekannt sind und auch eine eigene Rechtsform innehaben. Das erste Projekt führten die Gründer 1987 durch, wobei es sich um eine internationale Marktstudie handelte. Daraufhin wurde 1988 der Verein als erste deutsche studentische Unternehmensberatung nach französischem Vorbild gegründet und hat seitdem bereits über 550 Projekte vermittelt. Die Idee hinter "Junior Comtec" ist, dass Studenten das im Studium erlernte Wissen in der Praxis anwenden und dadurch wichtige Erfahrungen für das spätere Berufsleben sammeln können.

Unternehmer.de: Wer ist Ihre Zielgruppe, welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit ich als Kunde Ihr Beratungsunternehmen beauftragen kann?

Lukas Rein: Eine Zielgruppe in diesem Sinne haben wir nicht. Sowohl für internationale Unternehmen wie Siemens als auch für kleinere lokale Unternehmen haben wir bereits viele Projekte durchgeführt. Die wichtigste Voraussetzung für unsere Projekte ist, dass sie einen konzeptionellen Anteil haben. So wird verhindert, dass wir einfache Prozesse abarbeiten und sichergestellt, dass wir bei jedem Projekt neues Wissen und Erfahrung gewinnen.

Unternehmer.de: Was war das bislang namhafteste Projekt Ihrer Unternehmensberatung?

Lukas Rein: Mit einer so langen Existenz haben wir schon für viele namhafte Unternehmen Projekte vermittelt. Zu unseren Referenzen zählen fast alle DAX-Unternehmen wie zum Beispiel Lufthansa, Siemens und ThyssenKrupp. Aber auch für Continental oder die Deutsche Bahn haben wir erfolgreich Projekte durchgeführt.

Unternehmer.de: Wer an Unternehmensberatung denkt, erwartet vom Consulter oft viel Lebens- und Berufserfahrung. Auf wie viel Skepsis stoßen Sie beim Erstkontakt mit Kunden und wie viel Überzeugungsarbeit müssen Sie leisten? Was sind hier Ihre Argumente?

Lukas Rein, Ressortleiter bei der studentischen Unternehmensberatung "Junior Comtec"

Lukas Rein: Natürlich werden wir oft gefragt, ob wir fachlich kompetent sind, da wir uns noch in der Ausbildung befinden. Aber unsere überaus engagierten Mitglieder, unsere Erfahrung aus bereits abgeschlossenen Projekten sowie das Wissensmanagement und die Qualitätssicherungsinstanzen garantieren eine qualitativ hochwertige Arbeit unserer Projektteams. Jedes unserer Projekte wird mit einem erfahrenen Projektmanager besetzt, um die Qualität sicherzustellen. Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist unser vereinsinternes Angebotskuratorium, dem nur die erfahrensten Mitglieder angehören. Sie prüfen jedes einzelne Angebot und geben es erst frei, sobald inhaltlich und rechtlich keine Schwachpunkte mehr vorhanden sind. Dadurch wird sichergestellt, dass kein Projektteam im Vertrag Leistungen verspricht, die es nicht erfüllen kann. Ein besonderes Merkmal an studentischen Unternehmensberatungen ist, dass deren Berater noch keine stark eingeschränkte Sicht auf die Dinge haben, somit zu neuartigen und kreativen Lösungen kommen und keine Schubladenlösungen verkaufen.

Unternehmer.de: Woher beziehen die studentischen Unternehmensberater der "Junior Comtec" ihr Know-how, um kompetent beraten zu können?

Lukas Rein: Eine wichtige Rolle dabei spielt das Studium, aus dem wir immer das aktuellste Hochschulwissen beziehen. Des Weiteren bildet "Junior Comtec" durch regelmäßige Veranstaltungen und Schulungen mit renommierten Unternehmen aus Industrie und Beratung seine studentischen Berater stets fort, vermittelt ihnen aktuelles Methodenwissen und erkennt Entwicklungen in der Wirtschaft frühzeitig. Außerdem wird den Beratern durch interne Schulungen Wissen und Erfahrung aus über 550 Projekten unter anderem in Prozessanalysen, Projektmanagement und rechtlichen Aspekten vermittelt.

Unternehmer.de: Sind studentische Unternehmensberater günstiger als "alteingesessene" Consulter?

Lukas Rein: Die Kosten für studentische Unternehmensberater liegen deutlich unter denen hauptberuflicher Unternehmensberatungen, was sich jedoch nicht in der Qualität der geleisteten Arbeit niederschlägt. Hauptgrund dafür ist die nicht auf Gewinn ausgerichtete Organisation des Vereins.

Unternehmer.de: Wer kann bei Ihnen studentischer Unternehmensberater werden?

Lukas Rein: Grundsätzlich kann jeder Student bei "Junior Comtec" mitmachen, was ein besonderes Merkmal unter den studentischen Unternehmensberatungen ist. Viele andere haben Assessment-Center und Auswahlgespräche. Bei uns bekommt jeder eine Chance und wird, wenn er sich genügend im Verein engagiert, nach sechs bis acht Wochen zum Interessenten ernannt, welcher ohne zeitliche Beschränkung partizipieren darf. Danach entscheiden der Umfang und das Engagement im Verein über eine Projektbesetzung.

Unternehmer.de: Sie betreiben neben Ihrer Consulter-Tätigkeit auch noch Ihr Wirtschaftsingenieur-Studium. Wie kriegen Sie Studium und Consulting unter einen Hut? Was hat für Sie im Zweifelsfall Priorität?

Lukas Rein: Die Arbeit bei "Junior Comtec" ergänzt das Studium sehr gut, da man sowohl in der Vereinsarbeit als auch in den Projekten das theoretisch erlernte Wissen in die Tat umsetzen kann. Deswegen kann ich nur jedem empfehlen, sich ein solches oder ähnliches Hobby neben dem Studium zu suchen. Natürlich bleibt da nicht viel Zeit für andere Dinge. Wenn man an einem Projekt arbeitet, hat das Projekt im Zweifel Vorrang.

Unternehmer.de: Steht schon hundertprozentig fest, dass Sie nach dem Studium weiter als Consulter tätig sein werden?

Lukas Rein: Hundertprozentig steht das natürlich noch nicht fest. Ich sehe das Consulting jedoch als einen außerordentlich interessanten Beruf, da man ständig neuen Herausforderungen gegenübergestellt wird und unterschiedlichste Problemstellungen bearbeiten kann. Auf der anderen Seite ist es ein sehr anstrengender Beruf, da man die ganze Woche unterwegs ist und eventuell auch am Wochenende arbeiten muss. Zunächst möchte ich erstmal mein Studium erfolgreich abschließen.

Unternehmer.de: Herr Rein, wir bedanken uns für dieses Gespräch!

Das Interview führte Unternehmer.de-Redakteur Mathias Sauermann.

www.junior-comtec.de

(Bild: © BOOJOO - Fotolia.com)