„Die Vuvuzela beflügelt die deutsche Mannschaft zu Höchstleistungen!“

Veröffentlicht am 7. Juli 2010 in der Kategorie Management & People Skills von

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2007 war es, als Gerd Kehrberg und Frank Urbas die U|K GmbH gründeten. Ein Jahr später sicherten sie sich die Marken-, Produktions- und Vertriebsrechte für eine Tröte namens Vuvuzela.

Den Verkaufsschlager bekommt man mittlerweile auch gerne mal geschenkt. Möbelhäuser, Tankstellen und Supermärkte statten so ganze Stadtteile mit der Fan-Tröte aus.

Ein Großteil der Urbas-Kehrberg-Vuvuzelas wird in Bad Kreuznach von der dort ansässigen Allit AG produziert. Unternehmer.de sprach mit Karsten Kallinowsky, einem der drei Geschäftsführer der kunststoffverarbeitenden Allit AG, über eine Menge an Plastikrohren und den umstrittenen Lärm.

Unternehmer.de: Herr Kallinowsky, wann haben Sie mit der Vuvuzela-Produktion begonnen und wie viele Exemplare liefen bislang von Ihren Bändern?

Karsten Kallinowsky: Unsere Maschinen sind in der ersten Jahreshälfte größtenteils auf vollen Touren gelaufen und wir haben in dieser Zeit ca. 60.000 Vuvuzelas pro Tag produziert.

Unternehmer.de: Und wie haben Sie sich auf diese große Produktionsmenge vorbereitet?

Karsten Kallinowsky: Allit hat sich schon immer durch Flexibilität ausgezeichnet. Unsere Organisation ist so aufgestellt, dass wir Kundenanfragen auch kurzfristig umsetzen können. Damit können wir auch einen Auftrag wie die Vuvuzela erfolgreich realisieren, ohne dass bestehende Kundenbeziehungen vernachlässigt werden.

Unternehmer.de: Welche Farbkombination der Plastikteile verschafft Ihnen denn den größten Umsatz?

Karsten Kallinowsky: Am beliebtesten ist die Farbkombination schwarz-rot-gold, die auch im Handel am häufigsten zu finden ist. Der Vorteil von der Dreiteiligkeit der Vuvuzela ist, dass fast alle Landesfarben abgebildet werden können. Aber auch Vuvuzelas in Unternehmens- und Vereinsfarben sind angefragt worden.

Unternehmer.de: Und was unterscheidet eigentlich die deutsche Variante der Vuvuzela von der Originalversion in Afrika?

Karsten Kallinowsky: Die U|K GmbH hat einige Optimierungen vorgenommen. Zum Beispiel sind die Produktionsverfahren unterschiedlich. Die Südafrikaner produzieren im Blasform- und U|K im Spritzgussverfahren. Es wurde auch hochwertigeres Material eingesetzt und die Oberfläche ist poliert. Damit ist sie leicht glänzend und wird somit auch optisch hochwertiger wahrgenommen

Unternehmer.de: Die deutsche Version der Vuvuzela wurde zudem ein wenig "entschärft" im Gegensatz zur südafrikanischen Variante, ist das richtig?

Karsten Kallinowsky: Ja, das stimmt. Die Original-Vuvuzela ist einteilig. Damit sie nicht als Schlagwaffe missbraucht werden kann, wurden aus Sicherheitsgründen zwei „Sollbruchstellen“ installiert. Durch diese Dreiteiligkeit können bis auf Südafrika, alle WM-Nationalfarben dargestellt werden. Zudem ist sie damit logistisch wesentlich einfacher zu handeln. In Zusammenarbeit mit dem TÜV Rheinland wurde außerdem ein Schalldämpfer eingebaut – hier orientierte man sich an der Verordnung für Lärm-, Vibrations- und Arbeitsschutz.

Unternehmer.de: Die Konkurrenz bei WM-Aufträgen war doch sicherlich riesig. Wie hat Ihr Unternehmen es geschafft den Zuschlag von Urbas|Kehrberg zu bekommen und sich gegen die Mitbewerber durchzusetzen?

Karsten Kallinowsky: Grundsätzlich sind wir immer dem globalen Wettbewerb ausgesetzt und stellen uns diesem auch. Für unsere Kunden ist es wichtig, dass wir eine komplette Dienstleistungskette anbieten können. Dazu gehören neben Konstruktion und Entwicklung ein eigener Werkzeugbau, ein leistungsstarker Maschinenpark und ein professionelles Logistikkonzept. So konnten wir gewährleisten, dass die Vuvuzelas, bei hoher Qualität, in kürzester Zeit produziert und zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort geliefert wurden.

Unternehmer.de: Viele beschweren sich über die Lautstärke der Tröten und teilweise wurden sogar schon „Vuvuzela-Verbote“ ausgesprochen. Stört Sie persönlich der Geräuschteppich der Vuvuzelas während der Spiele?

Karsten Kallinowsky: Die Vuvuzelas sind ein Teil der Kultur des Gastlandes der WM 2010 und das sollte respektiert werden. Hier ist anzumerken, dass diese Diskussion auf die Original-Vuvuzela – nicht schallgedämpfte – zurückzuführen ist. Die „deutsche“ Vuvuzela ist schallgedämpft und verursacht eben nicht diesen Geräuschpegel. Unabhängig von den ganzen Diskussionen kann man feststellen, dass die Vuvuzela die deutsche Mannschaft beflügelt und ihr zu bisher unbekannten Höchstleistungen verhilft.

Unternehmer.de: Wie fühlt sich das an, wenn man in fast jeder Berichterstattung die Vuvuzelas sieht, die wahrscheinlich von Ihrem Band gelaufen sind?

Karsten Kallinowsky: Sehr gut! Wir sind stolz darauf, dass „unsere“ Vuvuzelas einen solchen Anklang gefunden haben.

Unternehmer.de: Aus einer Vuvuzela ein richtiges Tröten herauszulocken ist gar nicht mal so einfach. Haben Sie es selbst schon versucht?

Karsten Kallinowsky: Ja klar. Und es klingt nicht schlecht. Man braucht nur ein bisschen Übung.

Unternehmer.de: Wer ist denn Ihr Favorit bei der WM?

Karsten Kallinowsky: Mein Favorit ist natürlich Deutschland und ich würde mich sehr freuen, die deutsche Mannschaft im Finale mit der Vuvuzela anzufeuern.

Unternehmer.de: Und wie verfolgen Sie die WM? Zuhause vor dem Fernseher, im Public Viewing oder gar vor Ort in Südafrika?

Karsten Kallinowsky: Leider werde ich nicht nach Südafrika reisen. Aber ich verfolge die WM von zuhause aus. Ob vor dem Fernseher oder im Public Viewing hängt davon ab, wann die Spiele stattfinden und wie das Wetter ist.

Unternehmer.de: Kleines Gedankenspiel für die Fußball-WM 2014 in Brasilien: Welches Instrument wird wohl in diesem Land in Plastik gegossen? Oder kehren wir zu den klassischen Fangesängen zurück?

Karsten Kallinowsky: In Brasilien wird es, wie auch in Südafrika, eine landestypische Geräuschkulisse mit landestypischen Instrumenten geben. Wir sind dann gerne wieder mit dabei. Zum jetzigen Zeitpunkt liegen uns aber noch keine Anfragen vor.

Das Interview führte Unternehmer.de-Redakteurin Patricia Scholz.

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