Das WM-Interview: „Samstag spielt die deutsche Mannschaft in unserem Stadion!“

Veröffentlicht am 2. Juli 2010 in der Kategorie Management & People Skills von

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Volltreffer für den in Sachsen und Baden-Württemberg beheimateten Mittelständler Thiele Glas: Das Unternehmen erhielt den Zuschlag für die Produktion von rund 38.000 Quadratmetern Verbundsicherheitsglas für das Dach des Green Point Stadium in Kapstadt.

Das Stadion entstand am Fuße des Tafelbergs, bietet in seinem 45 Meter hohen Rund Platz für 68.000 Zuschauer und ist Austragungsort des WM-Viertelfinalspiels Argentinien-Deutschland am kommenden Samstag.

11.000 Glasscheiben waren notwendig, um die in unterschiedliche Segmente aufgeteilte Dachkonstruktion zu schließen. Unternehmer.de sprach mit Alfred und Sabine Thiele, Gründer und Inhaber der Thiele Glas Unternehmensgruppe, über den WM-Auftrag, die Tücken des Glastransports und natürlich die Spiele in Südafrika.

Unternehmer.de: Frau Thiele, Herr Thiele, vorneweg die Frage: Wie transportiert man 11.000 Glasscheiben bruchsicher und unfallfrei 9000 Kilometer nach Südafrika? Sie müssen doch bei der Überwachung des Transports Blut und Wasser geschwitzt haben.

Sabine Thiele: Fast 80 See-Container wurden dafür auf die Reise geschickt. In diesen Containern befanden sich wiederum mehrere Holzkisten, die jeweils acht sehr gut gepolsterte Glasscheiben beinhalteten. Grundsätzlich kann man zum Transport von Sicherheitsglas wie dem in Kapstadt verwendeten sagen, dass dieser bei ordnungsgemäßer Verpackung relativ problemlos abläuft.  Aber natürlich war die Abwicklung eine logistische Herausforderung: Die Holzkisten mussten genauen Maßvorgaben entsprechen, da diese erst direkt auf dem Stadiondach entladen wurden. Die Gläser wurden an Ort und Stelle ausgepackt und montiert. Aber wir hatten alles gut durchdacht und der Ablauf funktionierte reibungslos.

Unternehmer.de: Wie kann man sich die Beschaffenheit der Glasscheiben vorstellen, was ist das Spezielle daran?

Alfred Thiele: Bei dem Glas handelt es sich um unser TG-Protect TVG, einem speziellen Verbundsicherheitsglas, bestehend aus zwei einzelnen Glasscheiben, die mit einer Folie verbunden sind. Durch eine spezielle thermische Behandlung des Glases beeinflusst man die  Temperaturwechselbeständigkeit sowie die Schlag- und Stoßfestigkeit. Bei den Scheiben für Kapstadt waren auf Grund der statischen Anforderungen deutlich höhere Biege-Zug-Werte aufzuweisen. Außerdem stellten die Architekten lichttechnische Sondervorgaben bezüglich Lichtreflexion und Lichttransmission. Um diesen Vorgaben zu entsprechen, entwickelten wir eine eigene Farbe, mit der die meisten der Scheiben der 38.000 Quadratmeter großen Glasfläche bedruckt wurden.

Unternehmer.de: Bei einem internationalen Großereignis wie der WM ist die Konkurrenz bei den Aufträgen sicherlich knallhart. Könnten Sie kurz skizzieren, wie Sie sich gegen die Mitbewerber durchgesetzt haben? Wann konnten Sie den Auftrag gewinnen und wie viel Zeit blieb Ihnen für die Produktion der Glasscheiben?

Alfred Thiele: Unsere Stärken sind Qualität, Flexibilität und Begeisterung. Bestehende Kontakte wurden vertieft und frühzeitig waren wir bei der Planung mit am Ball. Intensive fachliche Beratung ist natürlich bei solch großen Projekten von großer Bedeutung. Schlussendlich vergingen von den ersten Gesprächen bis zum Produktionsstart zirka 1,5 Jahre. Innerhalb dieser Zeit wurde viel getestet und die Logistik geplant. Zirka ein Dreivierteljahr waren wir dann mit der Produktion beschäftigt.

Unternehmer.de: Wie groß ist das Auftragsvolumen Ihres Unternehmens für Südafrika im Vergleich zu bisherigen Projekten? Und wie stark waren Sie bislang international tätig?

Sabine Thiele: Dieser Auftrag war für unser Familienunternehmen der bislang größte der Firmengeschichte. Aber international tätig sind wir schon länger. Unser Unternehmen hat sich auf spezielle Sicherheitsgläser mit verschiedensten Anforderungen in Bezug auf Design und Funktion spezialisiert. Vor allem bezüglich der Fertigungsgrößen kommt beispielsweise niemand an uns vorbei, der eine Glasscheibe in der Größe von 3.21 x 9.50 Meter für sein Projekt braucht.

Unternehmer.de: Wie viele Ihrer Mitarbeiter sind oder waren in Südafrika vor Ort?

Sabine Thiele: Da wir als Zulieferer für die Firma Pfeifer Seil- und Hebetechnik GmbH aus Memmingen, den Hersteller der kompletten Dachkonstruktion, agierten, waren keine Mitarbeiter von unserer Firma vor Ort. Die Verglasung der Elemente übernahm die Glasbau Gipser GmbH aus Halle/Saale. [siehe Bild links - Anm. d. Redaktion]

Unternehmer.de: Im Green Point Stadium Kapstadt fanden bzw. finden acht WM-Spiele statt, unter anderem das Viertelfinalspiel der deutschen Mannschaft am Samstag gegen Argentinien sowie ein Halbfinalspiel. Mit welchen Gefühlen verfolgen Sie und Ihre Mitarbeiter diese Spiele, die ja in 'Ihrem' Stadion ausgetragen werden?

Alfred Thiele: Da schaut man natürlich immer noch interessierter zu. Es war für alle Mitarbeiter ein besonderes Erlebnis, zu diesem herausragenden Projekt beitragen zu können. Umso mehr freut es uns natürlich, dass am kommenden Samstag unsere deutsche Mannschaft im Green Point Stadium, unter unserem Glas, spielen wird und hoffentlich den Einzug ins Halbfinale feiern kann. 

Unternehmer.de: Die kommende Fußball-WM wird 2014 in Brasilien stattfinden. Wollen Sie sich auch hierfür einen Auftrag sichern?

Sabine Thiele: Wenn die Möglichkeit besteht und die Rahmenbedingungen stimmen, sind wir auch dort wieder mit am Ball. Allerdings ist das Glas meistens eines der letzten Bauelemente an der Baustelle, so dass es noch eine Weile dauern wird, bis die Vergabeverhandlungen dazu beginnen.

Unternehmer.de: Zum Schluss nochmal zurück in die Gegenwart: Wie verfolgen Sie die jetzige Fußball-Weltmeisterschaft, vor dem heimischen Fernseher, via Public Viewing oder vor Ort in Südafrika?

Alfred Thiele: Das ist ganz unterschiedlich. Teilweise vor dem heimischen Fernseher und mit Freunden auch mal beim Public Viewing. Je nachdem, wie es der Alltag zulässt.

Unternehmer.de: Wer ist Ihr Favorit bei der laufenden WM in Südafrika? Wie schätzen Sie die Chancen der deutschen Mannschaft ein?

Sabine Thiele: Wir hoffen natürlich, dass unsere deutsche Mannschaft den Titel gewinnt. Aber ob die junge Mannschaft schon die Reife hat, um gegen die großen Nationen wie Brasilien, Argentinien oder Spanien zu bestehen, wird sich zeigen. Wir drücken auf jeden Fall die Daumen!

Unternehmer.de: Frau Thiele, Herr Thiele, wir bedanken uns für dieses Gespräch.

Das Interview führte Unternehmer.de-Redakteur Mathias Sauermann.

www.thiele-glas.de

(Stadionbild/Animation des Innenraums des Green Point Stadium in Kapstadt: GMP Architekten von Gerkan, Marg und Partner, Visualisierung: MACINA)