Wider die Rederitis: Vermeiden Sie einen Gesprächsinfarkt!

Veröffentlicht am 14. April 2009 in der Kategorie Management & People Skills von

"Brrh. Mich schüttelt es. Meine Ohren glühen und fallen gleich ab. Mir wird es schlecht. Hilfe! Ich muss hier raus, ich halt es nicht mehr aus." Kennen Sie solche Situationen? Sie sind nahe dem Gesprächsinfakt, weil Sie Ihr Gesprächspartner in Grund und Boden redet. Dieser labert, kommt von einem zum anderen Thema und findet keinen Punkt.

Für Sie ist es schwer dem Gespräch zu folgen - häufig erwischen Sie sich, dass Sie sich vor dieser Art von Gesprächen drücken. Ein normales menschliches Rückzugsverhalten.

Ein langer Weg

Auch mir erging es neulich so. Ich machte tagelang einen Bogen um einen Mitmenschen, von dem ich weiß, dass er nicht zu Pudels Kern kommt, ich aber eine dringende Antwort benötigte.

Trotz geschickter geschlossener Fragetechnik bekam ich kein Ja oder Nein, sondern ich sprach diesem Menschen eine unausgesprochene Einladung für einen Monolog aus. An meinen ungeduldigen Bewegungen hätte dieser Mann erkennen können, dass er über sein Redeziel hinausschießt. Er bemerkte es nicht!

So kürzte ich schließlich wahrheitsgemäß das Gespräch ab: “Es tut mir leid, Ihnen ins Wort fallen zu müssen, aber ich muss dringend zur Toilette.” Die Antwort habe ich bis heute nicht erhalten.

Was sind die Gründe für solch einseitige Gespräche? Wie verhalten sich beide Gesprächspartner? Was hilft, um dem Gesprächsinfakt vorzubeugen?

Quasselstriptease pur

Was bewegt den Quasselnden zum endlosen Blubbern? Meist ist diese Menschengruppe innerlich sehr einsam, sie haben kaum Gelegenheiten, sich Luft zu verschaffen, zu ventilieren. Jede Chance wird dann genutzt, ungeniert draufloszulegen.

Das Unangenehme daran: Sie verlieren sich, erzählen nur von sich und vergessen ihren Gesprächspartner ins Gespräch zu integrieren. Sie wirken ich-bezogen bis egozentrisch, ohne Interesse am Gegenüber.

Spieglein an der Wand: Wer redet hier…

Wie kann dieser Gesprächstyp mit seinem überschwänglichen Redefluss umgehen? Der erste Schritt ist erstmal zu erkennen, wie er auf seine Umwelt wirkt. Sich bewusst machen, dass er den Löwenanteil am Gespräch hat. Wird ihm das klar und darüber hinaus die Erkenntnis, dass man durchs Zuhören mehr lernt, gelingt es ihm den Schalter umzulegen.

Feedback-Fragen unterstützen grundsätzlich den Gesprächspartner bei der Stange zu halten, Nähe statt Distanz aufzubauen. “Haben Sie auch solche Probleme”, “Wie geht es Ihnen überhaupt?” “Verstehen Sie, was ich meine?” Diese Fragen zeigen Interesse an Ihrem Gegenüber, der seinerseits nicht abdriftet und gerne an der Unterhaltung teilhat.

Außerdem empfehle ich Ihnen direkt beim Gesprächseinstieg den Gesprächsbedarf abzustimmen. “Darf ich aus meinem Nähkästchen plaudern?” ”Darf ich 10 Minuten Ihrer kostbaren Zeit in Anspruch nehmen?”.

Zwischendurch hilft immer wieder, den eigenen Redeschwall durch Zwischenfragen zu unterbrechen. So mutiert das Gespräch nicht zu lähmender Monotonie. Wissen Sie, was ich meine?

Der Zuhörer

Welche Gesprächstaktik hilft dem Zuhörer? Auch wenn man auf den ersten Blick meint, der Zuhörer ist an einem einseitigen Gespräch völlig unschuldig, ist das weit gefehlt. Mit seiner “speziellen” Anwesenheit trägt er wesentlich dazu bei.

Er hat beispielsweise keine Lust am Sprechen, vielleicht kann er auch thematisch nichts dazu betragen. Das Gefährliche ist: Er gibt seinem Gegenüber den für ihn nötigen “Rede-Raum”.

Ein guter Zuhörer stattdessen steuert das Gespräch wiederum mit zielführenden Fragen. Gibt der Redner keine eindeutige Antwort, gilt es sofort einzuhaken und den Redner einzufangen: “Ich muss nochmals auf die Einstiegsfrage zurückkommen, wie sieht das aus…”

Weiter fehlt dem Zuhörer häufig die Fähigkeit, klare Grenzen zu ziehen. Da gilt es sich zu outen: “Es tut mir leid, momentan kann ich Dir nicht zur Verfügung stehen, verabreden wir uns bitte später.” Grenzen Sie sich klar und deutlich ab, signalisieren Sie, wie lange Sie Zeit haben und erinnern Sie an die überschrittene Redezeit. Beenden Sie dann das Gespräch freundlich und souverän.

Das bedarf einer gewissen Übung. Fangen Sie an und beginnen Sie mit Mitmenschen, bei denen Ihnen das leichter fällt. Es ist schließlich noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Weghören ist in - Hinhören ist out

Leider verlieren die Menschen in unserer schnelllebigen Ellenbogen-Gesellschaft die Fähigkeit zuzuhören. Im Vordergrund steht meist das eigene Ego: Was habe ich gemacht? Was habe ich erlebt?

Schulen Sie Ihre Fähigkeit zuzuhören - aktiv zuzuhören. Damit schaffen Sie die Basis für wertschätzende Begegnungen. Und das macht uns doch alle glücklich, nicht wahr?

Nun hoffe ich, dass ich Sie nicht vollgelabert habe. Ich stehe Ihnen gerne zur Verfügung, lassen Sie uns über die eine oder andere Situation diskutieren.

(Bild: © ArTo - Fotolia.de)