„Deutsche Unternehmen haben zur WM Projekte für 1,5 Milliarden Euro akquiriert!“

Veröffentlicht am 11. Juni 2010 in der Kategorie Management & People Skills von

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Der Ball rollt! In Südafrika hat die 19. Fußball-Weltmeisterschaft begonnen, 32 Teams spielen in den kommenden vier Wochen um den begehrten Pokal.

Manch deutscher Mittelständler ist bereits jetzt Weltmeister: Neben Großkonzernen wie MAN oder Siemens waren es vor allem auch kleine und mittlere Unternehmen, die im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft lukrative Aufträge an Land ziehen konnten.

Unternehmer.de sprach mit Heiko Schwiderowski, Südafrika-Experte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), über das Turnier, dessen wirtschaftliche Bedeutung für deutsche Unternehmen und Südafrika als Wirtschaftsstandort.

Unternehmer.de: Herr Schwiderowski, wer ist Ihr Favorit bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika? Wie schätzen Sie die Chancen der deutschen Mannschaft ein?

Heiko Schwiderowski: Spanien ist für mich aufgrund der Kompaktheit der Mannschaft der Favorit. Deutschland kann es bis ins Viertelfinale schaffen, wenn die vielen Ausfälle von den "jungen Wilden" ausgeglichen werden können.

Unternehmer.de: Wie werden Sie die Fußball-Weltmeisterschaft verfolgen: Vor dem heimischen Fernseher, via Public Viewing oder vor Ort in Südafrika?

Heiko Schwiderowski: Ich werde die Fußball-WM bei vielen verschiedenen öffentlichen Möglichkeiten in Berlin verfolgen: Sei es auf der Fan-Meile vor dem Brandenburger Tor, in der südafrikanischen Botschaft oder mit Kollegen in einer typischen Berliner Fußballkneipe.

Unternehmer.de: Südafrika ist rund 9000 km von Deutschland entfernt. Dennoch sind es auch deutsche Firmen, die ihren Teil zum Gelingen des Großereignisses beitragen. Wie lässt sich das deutsche Auftragsvolumen bei der Fußball-WM beziffern? Wie viele Arbeitsplätze wurden geschaffen bzw. gesichert?

Heiko Schwiderowski: Wir schätzen, dass deutsche Unternehmen im Umfeld der Fußball-WM Projekte in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro akquiriert haben. Damit wurden bei deutschen Unternehmen zirka 15.000 Arbeitsplätze geschaffen oder gesichert.

Unternehmer.de: Welche kleinen und mittelständischen Unternehmen aus Deutschland sind die wirtschaftlichen Gewinner der Fußball-Weltmeisterschaft?

Heiko Schwiderowski: Beratende Ingenieure, Bauunternehmen und Hersteller von Maschinen und Ausrüstungsgütern gehören zu den Profiteuren. Darüber hinaus haben sich Hersteller von Fahrzeugen für den Transport von Fans und Funktionären ein großes Stück vom Kuchen gesichert. Die Siemens-Tochter Osram, die Firma Herrenknecht im Zusammenhang mit dem Bau der Schnellbahntrasse "Gautrain" und die Hamburger Architektensozietät "Gerkan, Marg und Partner", gmp, gehören zu den bekanntesten Mittelständlern, die sich bei WM-Projekten durchsetzen konnten.

Unternehmer.de: Wie sind diese Firmen an die Aufträge gekommen? Bei einem internationalen Event muss der Wettbewerb doch knallhart sein.

Heiko Schwiderowski: Auch hier haben viele Wege nach Rom geführt: Die Unternehmen haben zum einen über Informationsveranstaltungen der deutschen Auslandshandelskammer für das südliche Afrika (AHK) und der IHKs in Deutschland von Ausschreibungen rund um das sportliche Großereignis erfahren. Zum anderen hat es in Südafrika eigens für die Fußball-WM konzipierte Messen gegeben, auf denen der Kontakt zum Nationalen Organisationskomitee und den Regionalen Organisationskomitees hergestellt wurde. Den größten Vorteil besaßen natürlich diejenigen deutschen Unternehmen, die bereits in Südafrika mit einer Repräsentanz vertreten waren und über Kontakte zur lokalen Wirtschaft und den ausschreibenden Stellen verfügten.

Unternehmer.de: Unabhängig von der Fußball-WM: Wie attraktiv ist Südafrika für die deutsche Wirtschaft? Welche Branchen boomen dort?

Heiko Schwiderowski: Am interessantesten sind die Bereiche Transport-Infrastruktur und Energieversorgung. Allein der staatliche Energieversorger Südafrikas, Eskom, und das Transportunternehmen Transnet haben ein Programm aufgelegt, das einen Ausbau und eine Modernisierung der genannten Bereiche bis 2014 in Höhe von 20 Milliarden Euro vorsieht. Mit der Erholung der Weltwirtschaft wird auch die in Südafrika ansässige Automobilindustrie auf den Wachstumspfad zurückkehren - mit entsprechenden Chancen für die Zulieferindustrie.

Unternehmer.de: Wie und wo kann ich mich als deutsches Unternehmen über Geschäftsmöglichkeiten in Südafrika informieren?

Heiko Schwiderowski: Generell gibt es drei Anlaufstellen, die ich als "Newcomer" aufsuchen sollte: Die AHK hatte ich bereits genannt. Auch die Gesellschaft des Bundes für Außenwirtschaft und Standortmarketing - Germany Trade and Invest, übrigens mit einem Büro in der AHK - sollte auf dem Besuchsplan stehen. Schließlich ist es wertvoll, der Wirtschaftsabteilung der deutschen Botschaft in Pretoria einen Besuch abzustatten.

Unternehmer.de: Zum Abschluss eine persönliche Frage: Sie sind beim DIHK der Südafrika-Experte. Wie sind Sie zu dieser Spezialisierung gekommen, was verbindet Sie mit Südafrika?

Heiko Schwiderowski: Von 1998 bis 2001 war ich für ein deutsches Automobilunternehmen in Namibia tätig, also in direkter Nachbarschaft zu Südafrika. Da war ich beruflich bereits eng mit Südafrika verbunden. Dann ging es für fünf Jahre zum Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft nach Hamburg, wo die Beratung deutscher Unternehmen, die sich auf dem Weg nach Südafrika befanden, im Vordergrund stand. Vom DIHK aus kann ich das Land zweimal jährlich bereisen, zuletzt im Zusammenhang mit den bilateralen Regierungsverhandlungen im April dieses Jahres. Die Schönheit des Landes, der Optimismus der Menschen in Südafrika und das große Potential für ein erfolgreiches unternehmerisches Engagement machen Südafrika aus meiner Sicht zu einem "Place to be"!

Das Interview führte Unternehmer.de-Redakteur Mathias Sauermann.

(Bild: © MASP - Fotolia.com)