Überraschender Rücktritt: Bundespräsident Köhler wirft das Handtuch!

Veröffentlicht am 31. Mai 2010 in der Kategorie Management & People Skills von

Paukenschlag in Berlin: Bundespräsident Horst Köhler ist heute überraschend von seinem Amt zurückgetreten. Grund sei die anhaltende Kritik an seinen Äußerungen zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. Seinem Amt würde nicht der nötige Respekt entgegengebracht.

Köhler war Medienberichten zufolge den Tränen nahe, als er seinen Rücktritt erklärte. Die Spekulationen laufen derweil auf Hochtouren: Der Rückzug inmitten der Euro-Krise könnte die schwarz-gelbe Regierung und Kanzlerin Angela Merkel unter Druck setzen, berichtet Spiegel Online.

Weiterhin bleibt die Frage nach dem Warum: Hätte eine mit staatsmännischer Größe vorgetragene Relativierung seiner umstrittenenen Äußerungen die Wogen nicht glätten können? Waren die Rücktrittsgedanken vielleicht schon längere Zeit existent?

Kritik an Afghanistan-Äußerungen

In seinen umstrittenen Äußerungen vom 22. Mai hatte Köhler zu Protokoll gegeben:

„Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen.“

Kritiker warfen ihm in den vergangenen Tagen vermehrt vor, mit dieser Wortwahl Wirtschaftskriege zu rechtfertigen. Diese anhaltende Kritik mündete nun im Rücktritt Köhlers.

Vom Finanzexperten zum Staatsmann

Von 1990 bis 1993 war Köhler Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Als so genannter Sherpa des Bundeskanzlers Helmut Kohl sowie als dessen persönlicher Vertreter bereitete er die G7-Wirtschaftsgipfel 1990 bis 1993 in vier Städten vor.

1993 bis 1998 leitete er als Präsident den Deutschen Sparkassen- und Giroverband und anschließend zwei Jahre lang (bis 2000) die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE).

Im Jahr 2000 wurde Köhler, auf Vorschlag des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD), zum Geschäftsführenden Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) bestellt.

Wie geht es weiter?

Am 23. Mai 2004 wurde Horst Köhler zum Bundespräsidenten gewählt, von dessen Amt er heute nun zurückgetreten ist. Dieser Rücktritt ist eine Premiere in der bundesdeutschen Geschichte, nie zuvor hatte ein deutscher Bundespräsident sein Amt auf diese Weise verlassen.

Laut Verfassung übernimmt der Bundesratspräsident die Amtsgeschäfte, bis ein neuer Bundespräsident gewählt ist. Die Aufgabe fällt dem Bremer Regierungschef Jens Böhrnsen (SPD) zu. Nach Artikel 54 des Grundgesetzes muss ein neuer Bundespräsident innerhalb von 30 Tagen nach dem Rücktritt gewählt werden.

(Quellen: spiegel.de, focus.de, wikipedia.org; Bild: © AKhodi - Fotolia.com)