Prime Time Tacheles: Managergehälter (bloß nicht) deckeln! Oder doch (nicht)?

Veröffentlicht am 3. Mai 2010 in der Kategorie Management & People Skills von

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Fire handAckermann (Deutsche Bank) 9,9 Millionen, Großmann (RWE) 9,2 Millionen, Löscher (Siemens) 7,1 Millionen, Winterkorn (VW) 6,6 Millionen. Und das im "Krisenjahr" 2009! Was macht man mit soviel Geld? Gibt es da noch Relationen? Ist das überhaupt zu rechtfertigen?

Ganz ehrlich: Materiell lässt sich so was doch eh nicht mehr abbilden. Ein größeres Haus? Ein größeres Auto? Fürs Alter vorsorgen? Den Kindern eine gute Ausbildung ermöglichen? Wenn Sie zwischen 6,6 Millionen und 9,9 Millionen Euro im Jahr verdienen, sind das - mit Verlaub - Peanuts.

Was treibt solche Leute dann noch an? Geht es nur noch um die Zahl, die immer größer werden muss? Würden die Herren jetzt nur noch 600.000 Euro im Jahr verdienen, wäre das dann gleichbedeutend mit dem Nagen am Hungertuch?

In den US von A ist aber alles BIGGER!

Moment! Schauen Sie mal über den großen Teich! Deutschlands Spitzenmanager sind in Wirklichkeit bescheiden! American-Express-Chef Kenneth Chenault hat im vergangenen Jahr 17,4 Millionen Dollar (rund 13,1 Millionen Euro) verdient. Damit liegt er auf dem Niveau von JPMorgan-Chase-Chef Jamie Dimon.

Es geht also noch dicker! Oder unverhältnismäßiger?

Ein CEO trägt immens viel Verantwortung, deshalb seien diese Gehälter angemessen. So die Argumentation der "Nach-oben-offen"-Befürworter (gemeint sind jetzt keine Cabrio-Fans). Verantwortung für das Unternehmen, die Mitarbeiter, die Umsatzzahlen, das Ganze bei einer 60-, 70-, 80-Stunden-Woche, usw.

Also Verantwortung! Gutes Stichwort!

Verlassen wir mal die luftigen Höhen der Chefetage und begeben wir uns auf den profanen Boden der Tatsachen einer durchschnittlichen deutschen Pflegekraft:

"Im Einzelnen bemängeln die Beschäftigten in der Krankenpflege vor allem die schlechte Bezahlung – 40 Prozent beziehen Bruttoeinkommen von unter 2.000 Euro –, die belastende Arbeitsintensität und die zu geringen Aufstiegsmöglichkeiten. Diese Einschätzungen decken sich mit den Bewertungen der Altenpflegeberufe, wo sogar 72 Prozent Altenpflegerinnen und -pfleger weniger als 2.000 Euro brutto monatlich erhalten; und 48 Prozent trotz Vollzeitarbeit zu prekären Löhnen von weniger als 1.500 Euro brutto monatlich arbeiten müssen."

Das berichtet der DGB-Index "Gute Arbeit". Warum dieses Beispiel? Na, wegen dem Stichwort V.E.R.A.N.T.W.O.R.T.U.N.G.! Im Pflegedienst geht es um nichts weniger als um Menschenleben, um körperliche Gesundheit, um die nackte physische Existenz!

Also folgen wir doch dieser bahnbrechenden Logik: Je größer die Verantwortung, desto höher das Gehalt! Richtig? Wo kommen wir da raus? Potzblitz! Pflegekräfte müssten demnach Minimum 15 Millionen Euro im Jahr verdienen! Weil sie mehr Verantwortung tragen als Ackermann, Chenault & Co.!

Und nun?

Was können wir also tun? Der Manager-Riege gesetzlich vorschreiben, wie viel sie verdienen darf? EINSPRUCH! Das wäre anti-liberal. Warum? Weil es einem Individuum in einer freiheitlichen Staatsordnung grundsätzlich erlaubt sein sollte, soviel zu verdienen, wie es will. Sofern es dabei gegen keine Gesetze verstößt.

Meine Fragen an die Unternehmer.de-Leserinnen und Leser:

  • Sollen Manager-Gehälter gesetzlich gedeckelt werden?
  • Wenn nein: Wie rechtfertigt sich dann die immense Höhe mancher Gehälter?

Ihre Meinung ist gefragt!

(Bild: © -Misha - Fotolia.com)