Mut statt Panik: Unternehmenskrisen sind hausgemacht!

Veröffentlicht am 1. April 2010 in der Kategorie Management & People Skills von

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climber on sunset on the rockDie langsam heilende Wirtschaftskrankheit von 2008/2009 hat einen Namen: Egozentrierte Gewinnbesessenheit.

Durch das krankhafte Verhalten einiger weniger wurden bis dahin gesunde Wirtschaftsnationen derart heftig infiziert, dass in kürzester Zeit die Weltwirtschaft einer Intensivstation glich.

Eine solche Krisenlage verlangt nach „Ärzten“ mit Besonnenheit und einem klaren Blick für die richtige Therapie. Aber es kam anders.  Die Ärzte verordneten den schwächelnden Patienten aller Vernunft zum Trotz eine Diät.
Die Wirtschaftslähmung hat in den meisten Firmen folgendes Szenario ausgelöst:

  • Verarbeitung des erstens Schocks im Management,
  • danach Kosten runter,
  • Organisation verschlanken,
  • Stellen abbauen,
  • innerbetrieblich Krisenstimmung verbreiten,
  • Jammern,
  • Panik.

Führung wurde zum Notfallmanagement. Das Management orientierte sich ausschließlich an Zahlen, reagierte nervös und zerstörte damit ein Kultur- und Leistungsniveau, das in mühsamer Kleinarbeit Schritt für Schritt errungen worden war.

Die Auswirkungen waren sofort spürbar. Lang erarbeitete Werte wie Vertrauen, Wertschätzung und Zusammenhalt wurden auf Null gefahren – Mitgestaltung unerwünscht! Verunsicherte Mitarbeiter sprechen untereinander und mit Kunden über ihre und der anderen Verunsicherung. Es herrschte Einigkeit. Alles geht den Bach runter. Rette sich wer kann.

Gravierende Kulturschäden

Diese  Krisensteuerung hat in vielen Firmen gravierende Kulturschäden hinterlassen. Basierend auf dem Missverständnis, dass man Unternehmenskultur durchaus vorrübergehend aussetzen könne, um das Unternehmen vor dem Schlimmsten zu bewahren.

Vor dem Schlimmsten bewahren? Kulturstörungen sind das Tragischste, was man sich in einem Unternehmen vorstellen kann. Wenn über viele Jahre gepflegte Werte wie Vertrauen, Verlässlichkeit, Nachhaltigkeit und Ethik von heute auf morgen geopfert werden, dann wird damit ein Flurschaden angerichtet, der so schnell nicht reparabel ist.

Nur Mut!

Notwendig wäre ein anders Vorgehen gewesen: den Menschen Mut zu machen und die Botschaft zu senden „wir schaffen es!“, den Menschen zu beweisen, dass Zusagen, Werte, Glaubwürdigkeit auch in schwierigen Zeiten zählen.

Man wäre besser gefahren, wenn man den Mitarbeitern über die Führungskräfte vermittelt hätte: „So ist die Lage, das müssen wir schaffen“, um sie dann zu fragen: „Welche Ideen haben Sie, wie wir es möglichst schnell schaffen?“ In alte Muster zurückzufallen, nur weil die Wirtschaft von einem auf den anderen Tag ein bisschen unbequemer wird, ist nicht gerade ein Zeugnis von souveräner Führung.

Es ist nicht die oberste Aufgabe der Führung, Kosten zu reduzieren, wenn’s mal eng wird. Es ist alleroberste Aufgabe der Führung, Visionen mit Überzeugungen zu unterfüttern, die hoffnungsgebende Gedanken auslösen. Es ist alleroberste Verantwortung der Führung, auf kulturvernichtende Kurzfristinterventionen zu verzichten.

Suche nach Lösungsexperten

Weitsichtige Unternehmer und kluge Manager spüren Probleme auf. Wenn sie fündig geworden sind, suchen sie nicht, wie allgemein üblich, nach Schuldigen. Sie suchen nach Lösungsexperten, immer mit der Frage: „welche Meinung haben Sie zur Lösung folgenden Problems: …“? Um die Probleme zu lösen, bilden sie Teams aus zweierlei Menschen, aus Kompetenzträgern und aus Lernenden.

Alter, Zugehörigkeit, Hierarchie, das alles spielt keine Rolle. Jedes Team besetzen sie mit einem deutlichen Übergewicht an Kompetenzträgern. Kompetenzträger sind keine Würdenträger, sondern Menschen, die ihr Fach beherrschen.

Kommunizieren Sie als Führungskraft die Vision des Unternehmens und leben Sie seine Werte. Leiten Sie Führungskräfte an, den Mitarbeitern größtmögliche Verantwortung und Freiräume zu geben. Investieren Sie Ihre Zeit nicht in end- und wirkungslose Konferenzen, sondern stattdessen in Gespräche mit Frischdenkern.

Unterscheiden Sie sich vom Durchschnitt der Unternehmer dadurch, dass Sie mit den Menschen in Ihrer Firma einfühlsam, freundlich und verbindlich umgehen, in Ihren Sachanforderungen dagegen ausgesprochen scharfkantig sind. Tolerieren Sie bei Qualität, Güte, Service und Dienstleistung keine Kompromisse. Denken Sie in der Wirtschaftskrise nicht nur an Entlassungen und Kostendumpingprogramme. Stattdessen kommt es darauf an, die Kräfte mehr als je zuvor zu bündeln.

Bestleistung durch Innovation

Wer Bestleistung will, muss sich fragen, wo er die Topergebnisse hernehmen will. Durch das Strapazieren immer neuer Management-Tools ganz sicher nicht, denn die sind immer von gestern und ein Zeichen dafür, dass man keine Vision und keine Innovation im Kopf hat.

Es geht heute nicht mehr um bloße Veränderungen in Unternehmen. Die Zeit mit sinnigen und unsinnigen Manövern haben wir hinter uns. Es geht mit Blick in die Zukunft einzig und allein um Fortentwicklung auf Basis eines gesunden Kulturdenkens in den Firmen. Wer Mitarbeiter inspirieren will, muss mehr bieten als Geld. Er muss einen von Vertrauen, Verlässlichkeit und Wertschätzung getragenen kulturellen Rahmen schaffen.

Eine Unternehmenskultur gilt im Sinne von Höchstleistung dann als gesund, wenn jeder in ihr mit dem Gefühl arbeitet, sein Bestes geben zu können - wie in der Ausübung seines Hobbys. Das ist Leistung aus Kultur!

(Bild: © Galyna Andrushko - Fotolia.com)