Leitfaden: Wie Unternehmer ethisch handeln

Veröffentlicht am 30. November 2017 in der Kategorie Management & People Skills von

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Leitfaden: Wie Unternehmer ethisch handelnImmer mehr Unternehmen etablieren Ethikrichtlinien. Diese legen fest, wie Mitarbeiter und das Führungspersonal in bestimmten Situationen handeln sollen. Was dafür spricht und wie du die Richtlinien durchsetzt, erfährst du im Anschluss.

Moderne Firmen wissen, dass der schnelle Umsatz längst nicht mehr der wichtigste Grundsatz eines Unternehmens sein sollte.

Der unternehmerische Erfolg wird immer häufiger von Nachhaltigkeit bestimmt. Wie operiert ein Betrieb ethisch und wie sorgt er dafür, dass die gesetzten Richtlinien respektiert werden?

Der Fall Enron – als Ethik Mainstream wurde

Einige Unternehmer erinnern sich an den Fall Enron, der einen großen Skandal in der amerikanischen Wirtschaft auslöste. Bevor der Energiekonzern Insolvenz anmeldete, verkauften seine Manager ihre Aktien für hohe Gewinne und zahlten sich zudem Boni aus. Dieses moralische Desaster legte den Grundstein für das Ethikleitbild.

Inzwischen besitzen praktisch alle großen Firmen einen Code of Conduct, eine Art Bibel für Arbeitnehmer. Die darin enthaltenen Bestimmungen sollen sicherstellen, dass sich jeder ethisch und rechtstreu verhält – zu seinem persönlichen Wohle als auch jenem der Firma.

Ethikrichtlinien garantieren nicht ethisches Handeln

Fast jeder Betrieb hat Ethikrichtlinien. Werden diese aber auch eingehalten? Laut dem jährlichen Bundeslagebild zum Thema Korruption des Bundeskriminalamtes hat sich in Deutschland seit 2006 wenig geändert. Die Anzahl der Korruptionsstrafen beträgt jedes Jahr zwischen 6.500 und 8.500; es gibt einige Jahre, in denen es besonders viele Taten gab: 2010 (15.746), 2011 (46.795) sowie 2014 (20.263).

Ethikrichtlinien haben somit keinen direkten Einfluss auf das Verhalten eines Unternehmens oder seiner Angestellten, wenn es keine gläserne Struktur gibt, die Delikte erschweren.

Ein ethisches Firmenkonto eröffnen

Bevor Unternehmer Ethikrichtlinien etablieren und darauf achten, dass sie auch befolgt werden, sollten sie sichergehen, dass die Firma selbst auf ethischen Säulen steht. Ein Schritt in diese Richtung ist die Eröffnung eines ethischen Bankkontos.

Ein ethisch korrektes Geschäftskonto setzt dubiose Geschäftemacher buchstäblich vor die Tür. Ethische Banken operieren, wie auch viele andere Unternehmen, nach strengen Ethikrichtlinien, die ihre Marke schützen sollen.

Was genau ist unter einem ethischen Bankkonto zu verstehen? Im Grunde wird dem Besitzer des Kontos garantiert, dass die Bank das angelegte Geld nicht in Rüstungsgeschäfte, Atomkraft und andere dubiose Dinge investiert.

Gemeinnütziges Arbeiten statt Betriebsausflüge

Die Eröffnung des Geschäftskontos bei einer ethischen Bank ist der erste Schritt, ein faires, nachhaltiges Unternehmen zu führen. Doch auch betriebsintern sollten Unternehmer überlegen, wie sie der Welt wirklich helfen können. Eine Idee: Anstatt regelmäßig Betriebsausflüge zu veranstalten, die dem Spaß der Angestellten dienen, aber keinen sozialen Beitrag leisten, sollte man besser gemeinnützigen Einrichtungen helfen.

Es gibt unzählige NGOs und andere Organisationen, die dringend Hilfe benötigen. Gemeint sind aber nicht zwingend spenden, sondern Muskelkraft. Ob der Aufbau eines Kinderspielplatzes oder die Renovierung eines Kinderheims – solche Projekte werden meist ausreichend finanziert, jedoch fehlt Personal, um sie schnell umzusetzen

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Gutes tun und darüber reden

Für welche soziale Maßnahme du dich auch entscheidest: Berichte über dein Engagement, sei es auf deinem Firmenblog, in sozialen Netzwerken oder Werbespots.

Jedes ethisch agierende Unternehmen sollte seinen Partnern und Kunden zeigen, dass es sich nicht nur mit Ethiksiegeln ziert, sondern tatsächlich Gutes tut. Die gezielte Arbeit an dem Selbstbild stärkt das Image.

Tipp: Dokumentiere im Detail deine Handlungen, damit jeder nachvollziehen kann, für welche Zwecke du dich eingesetzt hast.

Gemeinnützige Hilfen müssen nicht teuer sein

Viele Unternehmer wollen sich für gemeinnützige Zwecke einsetzen, schauen dabei aber auch auf ihr Budget. Dabei muss Gutes tun nicht teuer sein. Es zwingt dich niemand 50 Mitarbeiter in die Slums von Mumbai zu fliegen, um einer Handvoll Menschen dort zu helfen und darüber zu berichten. Jede Firma sollte in seiner unmittelbaren Nachbarschaft Hilfe anbieten, nämlich nach folgenden Prioritäten: lokal, regional, national.

Informiere dich als Unternehmer regelmäßig in deinem Ort oder deiner Stadt, ob Organisationen Hilfe benötigen; beauftrage kompetente Mitarbeiter, einen Blick auf soziale Kanäle zu werfen und Hilferufe zu dokumentieren.

Das mittlere Management ist der Schlüssel zu Ethik in Firmen

Gemeinnützige Projekte schützen ein Unternehmen selten vor Skandalen. Was bringt es, einige Male pro Jahr Gutes zu tun, wenn Firmenchefs ansonsten nicht die Ethikrichtlinien beachten? Früher oder später werden die restlichen Arbeitnehmer das Benehmen nachahmen – es sei denn, du hast ein solides mittleres Management.

Einer Studie der Rotterdam School of Management zufolge kann diese Gruppe verhindern, dass das ethische Verhalten von Führungspersonal negativ beeinflusst wird. Die Studie hat ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Arbeitnehmer ihren Chef nachahmen, je näher sie sich dieser Person fühlen. Folglich ist es von großer Wichtigkeit, dass die Managementebenen nicht zu nah beieinander liegen.

Wie schafft man Distanz? Die einfachste Möglichkeit ist die Unterbringung des Top-Managements in einem unterschiedlichen Stockwerk.

Fazit: Klare Imageverbesserung durch ethisches Handeln

Ethik sollte in jedem Unternehmen ein wichtiges Standbein darstellen. Doch je größer eine Firma, desto schwieriger ist es, dass alle Beteiligten jederzeit ethisch handeln oder durch ihr Fehlverhalten Dritte nicht beeinflussen. Aus diesem Grund ist es wichtig, eine gewisse Distanz zwischen dem Top-Management und dem Rest des Betriebes herzustellen.