Wenn Algorithmen über Personal & Karriere entscheiden

Veröffentlicht am 15. Dezember 2017 in der Kategorie Management & People Skills von

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Wenn Algorithmen über Personal & Karriere entscheiden

In immer mehr Unternehmen entscheiden Systeme Künstlicher Intelligenz über die Einstellung und Karriere der Mitarbeiter. Was bedeutet das für dich und deine Firma?

Egal ob Start-up oder alteingesessene Firma:

Das Thema Mitarbeiterführung 4.0 treibt zur Zeit alle um. Das kann sehr unterschiedlich ausgelegt werden – die Modelle reichen von der digitalen Bewerber- und Mitarbeitermappe über das digital unterstützte HR-Management bis zur Einführung von Systemen Künstlicher Intelligenz, bei denen Algorithmen über die Einstellung und Karriere der Mitarbeiter entscheiden.

Gerade die Möglichkeiten AI-unterstützter Systeme sind auf den ersten Blick spannend und werden auch Dich faszinieren, wenn Du als Unternehmer, als Führungskraft, als Personalentscheider oder als Human-Ressource-Beauftragter tätig bist. In diesem Beitrag wirst Du keine einfachen Tipps erhalten, welche Systeme Du einsetzen kannst. In diesem Beitrag stelle ich Dir vielmehr nur drei Fragen, um die Augen zu öffnen für die Zukunft:

Wie weit geht „4.0“? Was wollen wir in Unternehmen zulassen – und was nicht?

Frage 1: Totales Feedback oder totale Kontrolle?

Ein Beispiel, wo die Reise 'Mitarbeiterführung 4.0' hingehen wird:

Bridgewater Associates ist mit weit mehr als 100 Milliarden Dollar verwaltetem Vermögen der größte Hedgefonds weltweit – und natürlich ein Unternehmen, in dem die digitale Transformation schon sehr weit fortgeschritten ist. Nun wird jeder Mitarbeiter gezwungen, eine App namens „Dots“ auf dem firmeneigenen iPad zu installieren.

Im Sinne der totalen Transparenz enthält die Software die Profile aller Mitarbeiter, die nach 100 Kategorien bewertet werden können. Dabei geht es nicht wirklich um die Förderung einer Feedback-Kultur im Unternehmen (die ja wünschenswert ist), und schon gar nicht um individuelle Kompetenzentwicklung oder Unterstützung des Mitarbeiters, sondern im Wesentlichen darum, dass sich alle Mitarbeiter gegenseitig ständig bewerten. So können Ratings und Rankings erstellt werden. Leicht auszumalen, wer da hintenrunterfällt.

EXTRA: Feedback-GAU: So geht dein Mitarbeiter in die Luft

Frage 2: Management auf Autopilot?

Und es bleibt nicht dabei:

Mehrere Firmen haben angekündigt oder schon damit begonnen, Artificial Intelligence Systeme aufzubauen, die Personalentscheidungen und alltägliche Management-Aufgaben gleich ganz alleine übernehmen.

Ein weiteres Beispiel: Mitarbeiter-Ranking

JP Morgan, die dem Beispiel des „totalen Mitarbeiter-Rankings“ schon nachfolgen. Mit einem neuen Tool erhalten und senden die 243.000 Mitarbeiter ständig Feedback und Kritik, die Informationen werden mit dem Vergütungssystem verknüpft. Allgemein zeigt sich: „Management 4.0“ und „HR 4.0“ wird immer stärker „entmenschlicht“.

Automatisierte, KI-unterstützte Entscheidungsprozesse gelten schon länger als ökonomisch interessantes Anwendungsfeld der Artificial Intelligence.

Algorithmen werten alle verfügbaren Daten aus, analysieren Risiken und mögliche Szenarien und geben dann Vorgehensweisen vor.

An manchen Vorstandstischen sitzt bereits ein „artificial manager“, der nach Datenmodellen entscheidet.

EXTRA: 7 Tipps für ein Kritikgespräch mit deinen Mitarbeitern

Frage 3: Darf „Management 4.0“ un-menschlich sein?

Um es mal zugespitzt zusammenzufassen: Wenn der Algorithmus über den Menschen herrscht, werden Mitarbeiter wirklich nur noch zu den ersetzbarsten Schräubchen im Getriebe und irgendwann nur noch 'Fehler im Code', nur noch Kostenfaktoren.

Wir müssen jetzt eine gesellschaftliche Diskussion in Deutschland anstoßen, wie weit wir Mitarbeiterführung und Management wirklich unter das Diktat von Algorithmen stellen wollen.

Die Einführung solcher Systeme wird gerne unter das Feigenblatt „die Generation Y wünscht sich ständiges Feedback, geben wir es ihnen“ promotet. Und Feedback wird gerade auch von den jüngeren Mitarbeitern tatsächlich mehr gewünscht – Du weißt das am besten!

Allerdings wird dieses Feedback meist eher als „sehr schnelle Antwort auf alle meine Fragen“ oder „Unterstützung im konkreten Problem“ erwünscht.

EXTRA: Wie du jungen Mitarbeitern richtig Feedback gibst!

Realität ist: Menschen vertragen Feedback nur schwer

Menschen können überhaupt nicht gut mit Feedback umgehen, das sie selbst oder ihre Leistungen bewertet. Und schon gar nicht ständig und von jedem! Bewertendes Feedback sollte immer individuell, unterstützend und den Menschen wie das Projekt voranbringend gegeben werden. Und sicher nicht in „totale Ratings“ münden, die auf Basis von Algorithmen im (teil)automatisierten „Management 4.0“ über Hire and Fire, über Karriere und berufliches Glück entscheiden.

Macht die Firmen doch erstmal menschlich

Ja, wir befinden wir uns mit solchen „totalen Systemen“ noch am Anfang.

Wir müssen endlich hinterfragen, wie wir künftig mit unseren Mitarbeitern umgehen – und was wir alles 'dem Algorithmus' opfern wollen! Und diese Überlegung beginnt bei Dir!

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