3 Tipps für Unternehmer zum richtigen Umgang mit Emotionen [+ Checkliste]

Veröffentlicht am 10. November 2017 in der Kategorie Management & People Skills von

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Klar ist, Emotionen haben gewaltigen Einfluss auf unser Denken und Handeln – privat und im Business, auch wenn viele noch immer meinen, sie gehören dort nicht hin. Gerade bei Unternehmern gibt es eine Trennung zwischen Beruf und Privatleben aber kaum bis gar nicht.

Doch wer ein Unternehmen führt, muss Vertrauen aufbauen, Beziehungen vertiefen, eine Vision vorgeben, motivieren, harte Entscheidungen treffen und aus seinen Fehlern lernen. Das alles meistert nur, wer sich selbst gut kennt, die eigenen Emotionen steuern kann und deshalb klar ist.

Gerade für Familien- und kleine Unternehmen gilt: Nicht nur die "harten" Zahlen spielen fürs Wachstum eine große Rolle. Oft verhindern emotionale Fallen eigentlich notwendige Veränderungen, um das Unternehmen zukunftsfähig zu machen.

Aus Rücksicht auf die Elterngeneration wird beispielsweise ein radikaler Umbau unterlassen. "Kleine" Unternehmer scheuen sich, größere Kredite zu beantragen und leihen sich am Ende lieber Geld bei Familie oder Freunden. Dadurch entstehen aber schnell ungute Gefühle. Auf der anderen Seite sind oft gerade Unternehmerfamilien besonders erfolgreich. Was machen sie richtig? Wir haben drei  Tipps gegen emotionalen Stress.

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1. Emotionale Abhängigkeit durch finanzielle Unterstützung

Viele Unternehmer blicken mit Stolz auf die Vergangenheit – zu recht. Dieses immer wieder hervorgeholte und mit Emotionen verbundene Narrativ kann aber auch lähmend wirken. Vor allem bei einem Generationswechsel:

Der Sohn bekommt von seinem Vater das Unternehmen zu Lebzeiten geschenkt. Der Vater ist natürlich stolz auf sein Lebenswerk, aber vieles entspricht nicht mehr dem aktuellen Markt. Um seine Gefühle nicht zu verletzen, will der Sohn nur behutsam modernisieren, nimmt für kleinere Investitionen die weitere finanzielle Unterstützung des Vaters an. Für den Vater erhebliche Summen, die aber am Ende nur kleine Löcher stopfen und das Unternehmen nicht wirklich voranbringen. Dabei ist genug Potenzial da, es zukunftsfähig zu machen.

Abhängigkeit schafft immer Ungleichgewicht

Die beiden befinden sich in einem Dilemma: Der Sohn in einem Kreislauf aus Schuld und Scham, wenn er seinen Vater wieder um Zwischenkredite bitten muss; der Vater ist verärgert und hat den Eindruck, dass sein Lebenswerk verheizt wird. Durch die Zurückhaltung schöpft der Sohn weder sein, noch das Potenzial des Unternehmens voll aus, so dass am Ende sogar die Pleite droht.

Toll, wenn du Menschen hast, die dich und dein Unternehmen finanziell unterstützen möchten. Wenn Mama und Papa einem das Geld geben, um Geschäftsfrau oder Geschäftsmann zu werden, ist das zwar ein guter Start, aber man ist schnell emotional befangen und im Ungleichgewicht.

Geldsorgen blockieren die Denkfähigkeit

Geld für Investitionen leihen? Kein Problem, aber dann doch lieber bei der Bank. Auf jeden Fall will gut überlegt sein, an wen man seine Raten abbezahlt.

Verzichte unbedingt auf Ratenzahlungen an Menschen, die dich dadurch, „klein machen“ – auch wenn das gar nicht deren Absicht ist.

Das Gegenteil von „gut“ ist in dem Fall „gut gemeint“. Dazu kommt natürlich noch, dass sich Druck und Verantwortung erhöhen, wenn auch noch die finanzielle Sicherheit der ganzen Familie oder von Freunden am Unternehmen hängt.

2. Es gibt nicht einen Weg für alle. Es gibt für alle einen Weg

Egal, ob die Vorgängergeneration noch an Bord ist oder nicht, nachfolgende Sätze und Glaubenssätze sind oft fest verankert:

  • „Das haben wir schon immer so gemacht.“
  • „Was die Konkurrenz hat, das müssen wir auch anbieten.“
  • „Was sagen die Kunden, wenn wir es anders machen?“
  • „Die Ideen sind gut, aber die nötigen Investitionen dafür zu teuer.“
  • „Was man anfangen hat, muss man auch zu Ende bringen.“

Dein Unternehmen ist unvergleichlich. Gehe deinen eigenen Weg

Aber die Angst vor Veränderungen, Ablehnung, der Einsicht, dass der eingeschlagene Weg korrigiert werden muss, ist kein guter Ratgeber. Jedes Unternehmen ist unvergleichlich und jeder Unternehmer sollte seinen eigenen Weg finden und gehen.

Und auch der ständige Blick nach links und rechts lenkt nur von den eigenen Potenzialen und Zielen ab. Aber nur, wenn du in deinem eigenen Leben ankommst, kannst du dein Unternehmen nach deinen Bedürfnissen aufstellen. Sonst gerätst du schnell in einen Teufelskreis.

Dann ist das Leben wie ein kurzer Abstecher zum Strand, ein paar Sachen unter den Arm geklemmt und während man nur „eben schnell mal los will“, wird das, was man einpackt immer mehr und unterwegs immer schwerer. Ein Handtuch unterm Arm, das Strandlaken, das Handy, vielleicht noch der Kaffee...Ok. So, jetzt aber schnell. Auf dem Weg rutscht das Handtuch immer weiter runter, das Strandlaken entfaltet sich, der Kaffee schwappt – und zack ist das Handy runtergefallen. Eine Tasche wäre doch gut gewesen. Wie beim Einkauf. Eigentlich wollte man doch nur Milch holen. Wenn man schon da ist, kann man aber eben noch Butter holen und etwas Obst und schon haben wir alle Hände voll.

Irgendwann geht nichts mehr, der Burn-out droht

Gerade in der Selbstständigkeit oder im Unternehmen gibt es immer etwas zu tun. Diese vielen „EBEN-NOCHs“ können dazu führen, dass an einem eigentlich ganz normalen Arbeitstag der Körper nicht mehr mitspielt. So ging es Tim P. Eine gewöhnliche Vertragsunterschrift, für die er als Geschäftsführer seines Unternehmens extra eingeflogen ist. Das ganze Tamtam und der Smalltalk wegen einer Unterschrift ist ihm mittlerweile eigentlich lästig, gehört aber zu seiner Philosophie der „persönlichen Aufmerksamkeit“ dem Kunden gegenüber und ist Teil des großen Erfolgs.

Nach der Landung fühlt er sich merkwürdig und matt bis es plötzlich um ihn herum ganz leise wird und das geschäftige Treiben am Flughafen, wie ein Film, an ihm vorbeizieht. Panik steigt auf: „Hab ich einen Herzinfarkt oder was ist los?“ Wenige Minuten später, die ihm wie eine Ewigkeit vorkommen, beruhigt sich sein Herz und sein Atem wieder. Er macht sich auf den Weg zum Kunden. Alles läuft wie geplant.

Zurück im Unternehmen überfällt ihn aber eine Antriebs- und Teilnahmslosigkeit. Er wird unwirsch, unkonzentriert und wütend. Als er sogar den Tränen nah ist, meldet er sich ab – einen Tag, eine Woche. Als es nicht besser wird: Pause auf unbestimmte Zeit. Sein Körper will nicht mehr und er weiß überhaupt nicht, wo er anfangen soll.

EXTRA: 6 einfache Mittel gegen Stress und Burnout [Infografik]

Es ist nicht einfach, aber machbar: Pflichten abgeben

Wer sich immer mehr auflädt und seine Bedürfnisse ständig hinter die des Unternehmens, der Mitarbeiter, der Kunden, der Partner und der Familie stellt, riskiert alles. Wer nur Gas gibt, aber seinen Tank nicht füllt, bleibt irgendwann stehen.

„Ich muss aber noch eben diese eine Sache, sonst...“ Sonst, was? Die Welt wird nicht untergehen, wenn etwas Arbeit liegen bleibt. Wenn ein geeigneter Mitarbeiter die Kundenbindung übernimmt. Ein extremes Pflichtgefühl lockt uns in die Falle. Dabei geht es doch anders: In Tims Fall, regelt der stellvertretende Geschäftsführer über Wochen alles. Tim muss sich mit ärztlicher Betreuung erst einmal körperlich erholen. Auch das ist eine wichtige Erkenntnis – gerade für Familien- und kleine Unternehmen, in denen viele Aufgaben an wenigen Personen hängen.

3. "Nein" sagen & die eigenen Bedürfnisse erfüllen

Tim P. bemerkt bei einer Auszeit, wie lange er seine eigenen Bedürfnisse zurückgestellt hat und kann endlich in seinem eigenen Leben wieder in der ersten Reihe sitzen. Es tut ihm gut, egoistisch zu sein. Nicht mehr zu tun, was man von ihm erwartet. Er wird regelrecht unverschämt, was seine Zeit und Wünsche angeht. Unverschämt heißt bei ihm aber oft nur „Nein“ zu sagen, statt anderen alles recht machen zu wollen. Er erkennt:

Nicht er muss sich immer anpassen, sondern er muss sein Unternehmen seinen Bedürfnissen anpassen.

Mit einer Löffelliste, auf der du festhältst, was du machen willst bevor du den Löffel abgibst, kannst du ermitteln, was dir wichtig ist und wofür du dir mehr Zeit nehmen solltest. Gerade das Gefühl, dass du dich nicht rausziehen kannst, dass alles zusammenbricht, dass du sonst nicht vorwärtskommst, dass du nicht abschalten kannst, ist ein Zeichen, dass es höchste Zeit ist für eine Auszeit. Eine Auszeit, in der du dir Gedanken machst, was du für dein Leben willst.

Tim P. hat nach seiner Pause die Aufgabenverteilung im Unternehmen umstrukturiert. Die vielen Flüge bleiben ihm nun erspart und er hat Raum für seine Liste. Er ist viel mehr bei seiner Familie und nachmittags auch mal alleine im Kino.

EXTRA: Emotionen im Business-Alltag: Wozu wir sie brauchen!

Deine Checkliste, um den emotionalen Überblick zu behalten

  • Schaue deiner finanziellen Situation ins Gesicht. Das gibt Klarheit.
  • Richte dein Leben  nicht nur dein Unternehmen  nach Wachstum und Entwicklung aus.
  • Stelle dein Unternehmen nach deinen Bedürfnissen auf.
  • Löse seit Generationen überlieferte negative Muster auf, indem du deinen eigenen Weg gehst.
  • Gönne dir Auszeiten, in denen du Energie tanken kannst.
  • Wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst, suche dir Unterstützung.