Mitarbeitergespräch: 5 Tipps wie Sie souverän Kritik üben

Veröffentlicht am 4. November 2013 in der Kategorie Management & People Skills von

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Mitarbeitergespräch: 5 Tipps wie Sie souverän Kritik übenSchwierige Gespräche gehören zum Alltag einer Führungskraft: Vertriebs-Ziele liegen hinter Plan, das Verhalten eines Mitarbeiters war nicht wie gewünscht oder es werden Überstunden eingefordert. Eigentlich müssten wir seit der Antike dazu gelernt haben. Stattdessen wird die Botschaft persönlich genommen und der Überbringer schnell zum Buhmann. Gleichzeitig fordern Mitarbeiter ein Umfeld, das vor allem durch Respekt geprägt ist.

In der Praxis gelingt dies noch nicht ausreichend, wie die Gallup-Studie Jahr für Jahr zeigt (85% der Mitarbeiter leisten nur Dienst nach Vorschrift oder haben innerlich gekündigt). Wir wissen zwar, dass man den Inhalt von der Beziehungsebene trennen soll. Aber wie verhalte ich mich denn konkret, um dies zu erreichen? Wie kann ich mich aus der Schusslinie halten und dennoch konkret in der Sache bleiben?

Führung bedeutet: unter Druck souverän bleiben. Souveränität hängt mit der Art und Weise zusammen, wie wir uns in einer bestimmten Situation verhalten. Gerade wenn wir im Dialog mit dominanteren Persönlichkeiten sind, berichten viele Führungskräfte, dass ihnen in solchen Situationen nicht nur die Worte fehlen, sondern es ihnen auch die Körpersprache verschlägt.

Die 4 Stufen der professionellen Entwicklung

Damit Sie Ihre Wirkung auf andere Menschen verstärken, können Sie auf vier Stufen Ihrer professionellen Entwicklung arbeiten. Voraussetzung für souveränes Auftreten ist, dass Sie Ihren Inhalt beherrschen (Stufe 1). Bereiten Sie sich also vor. Formulieren Sie die entscheidenden Passagen Ihrer heiklen Botschaft auf Papier aus. Verinnerlichen Sie den Text und sprechen Sie ihn in verschiedenen Varianten laut aus. Nur wenn Sie ihn richtig einstudieren, werden Sie ihn unter Druck souverän platzieren.

 

Die vier Stufen der professionellen Entwicklung

Erst wenn der Inhalt sitzt (Stufe 1), können Sie sich um Ihre Körpersprache (Stufe 2) und damit um Ihre Wirkung auf andere Menschen kümmern. Die Kunst der Kommunikation erreichen Sie, wenn Sie wissen, wann Sie (Stufe 3) welche körpersprachlichen Elemente einsetzen (also bspw. wann Sie den Blickkontakt halten und wann Sie ihn besser brechen). Auf Stufe 4 entscheidet sich, ob das Publikum aufnahmebereit für Ihre Botschaft ist. Denken Sie an einen Teenager: Sie können kommunikativ alles richtig machen, wenn er nicht aufnahmebereit ist, kommt die Botschaft dennoch nicht an.

Was unterscheidet nun eine souverän wirkende Führungskraft von einer Person, die nicht kraftvoll und kompetent auf uns wirkt? Der Unterschied entsteht auf Stufe 2: der Art und Weise, wie Sie Ihre Botschaft transportieren. Ihre Körpersprache macht hier den Unterschied.

Spätestens seit der Harvard-Methode der Verhandlungsführung (Fischer/Ury) wissen wir, dass wir den Inhalt von der Beziehung trennen sollen. Das gilt umso mehr, wenn es um heikle Botschaften geht. Schließlich wollen wir das Verhalten der Person ansprechen – und nicht die Persönlichkeit unseres Gesprächspartners angreifen. Wie verhalte ich mich nun konkret, um eine heikle Botschaft souverän zu platzieren – das heißt hart in der Sache zu sein und gleichzeitig die Beziehungsebene zu wahren?

5 Sofort-Hilfen für die Übermittlung heikler Botschaften

Schritt 1: Visualisieren der Botschaft

Wenn Ihr Flieger Verspätung hat, teilt Ihnen das eine Anzeigetafel mit. So können Sie zwar sauer auf die Tafel sein, nicht jedoch auf einen Mitarbeiter der Fluglinie. In vielen Firmen werden heikle Botschaften jedoch verbal überbracht.

Ändern Sie das. Ergänzen Sie Ihre Worte durch eine visualisierte, heikle Botschaft. Schreiben Sie auf einen Block (Einzelgespräch) bzw. FlipChart (kleinere Gruppe) oder nutzen Sie PowerPoint (große Gruppe).

Schritt 2: Auf die Seite packen

Wenn Sie die Botschaft visualisiert haben, können Sie sich auf die Seite packen. Schieben Sie zum Beispiel den Block auf die Seite, so dass Sie gemeinsam mit Ihrem Gesprächspartner darauf schauen. Wenn Sie vor Gruppen sprechen, stellen Sie sich an den Rand und schauen Sie ebenfalls auf die visualisierte Botschaft.

Schritt 3: Blickkontakt brechen

Flirtende Paare sehen sich in die Augen. Dadurch werden ihre Worte persönlich. Heikle Botschaften sollen jedoch nicht persönlich wirken. Deswegen brechen Sie den Blickkontakt. Schauen Sie auf die visualisierte Botschaft: auf den Block, das Flip-Chart oder die Power Point Folie. Ihre Zuhörer werden Ihrem Blick folgen. Das Papier wird nun zum eigentlichen Überbringer der negativen Nachricht.

Schritt 4: 90 Grad Winkel

Setzen Sie sich im 90-Grad-Winkel mit Ihrem Gesprächspartner hin. Wenn Sie sich gegenüber sitzen, fördert dies rein optisch die Konfrontation. Stattdessen nimmt einer zum Beispiel an der Stirnseite des Tisches Platz und der andere ums Eck. Wenn Sie vor einer Gruppe sprechen, drehen Sie Ihren Körper um 90 Grad und stehen Sie mit Ihrem seitigen Profil zum Publikum. Blicken Sie dann auf die visualisierte heikle Botschaft, während Sie sprechen.

Schritt 5: Stimmmuster

Wenn Sie die heikle Botschaft aussprechen, wollen Sie hart in der Sache sein. Verwenden Sie dazu das Stimmmuster eines Piloten. Die Stimme ist flach. Ihre Sätze sind kurz. Ihr Kopf ruht in der Mitte des Halses. Am Satzende geht das Kinn ein bisschen nach unten. Die Betonung geht am Satzende runter. Sprechen Sie ruhig und langsam. Wir beobachten, dass es vielen Menschen unangenehm ist, eine negative Nachricht zu überbringen. Deswegen hasten sie förmlich durch ihren Text. So wirken sie jedoch nicht souverän. Achten Sie also darauf, dass Sie langsam sprechen und Pausen einbauen.

Damit Sie sich auf Ihre Körpersprache (Stufe 2) konzentrieren können, ist es notwendig, dass Sie Ihren Inhalt (Stufe 1) sicher beherrschen. Für beide Stufen gilt: Üben. Wenn wir unter Druck geraten, sorgen die Stresshormone dafür, dass wir entweder eingeschränkt funktionieren oder in alte Verhaltensmuster zurückfallen. Trainieren Sie also für den Ernstfall. Dann werden Sie auch unter Druck souverän bleiben.

(Bild: © El Gaucho - Fotolia.de)