Employer Branding reloaded: Tipps für KMU

Veröffentlicht am 8. Juli 2013 in der Kategorie Management & People Skills von

Themen: , , , ,

© Yuri Arcurs #5170186Nach „War for Talents“ ist nun seit einiger Zeit „Employer Branding“ das Schlagwort bei vielen Personalisten, Führungskräften sowie Unternehmern. Wie kann jedoch zum Beispiel ein kleiner Familienbetrieb oder ein mittelständisches Unternehmen, das sich einen eigenen Mitarbeiter für Personal-Management/-Entwicklung gar nicht leisten kann (will), Employer Branding in die Praxis umsetzen?

Employer Branding bedeutet den Aufbau einer einzigartigen, unverwechselbaren sowie attraktiven Arbeitgebermarke und -position, um Talente und Fachkräfte anzuziehen, zu binden und zu motivieren. An dieser Stelle finden Sie einige Anregungen und Tipps für die Einführung von Employer Branding in Unternehmen.

1. Schritt: Warum Employer-Branding?

  • Um den Unternehmenserfolg sowie die Erfolgspotenziale für Ihr Unternehmen nachhaltig zu sichern
  • Der Werte-Wandel (Generation Y …) und die demographischen Entwicklungen zwingen Unternehmen sich diesem Thema offen und vorurteilsfrei zu stellen.
  • Lebenslanges Lernen und lebensphasenorientiertes Arbeiten nach Hans von Sassen, Prof. Fritz Glasl und Bernhard Lievegoed (Stichwort: psychosoziale Gesundheit) rücken vermehrt in den unternehmerischen Fokus.

2. Schritt: Fragen, die sich Arbeitgeber stellen sollten

Beantworten Sie bitte ganz ehrlich folgende Fragen:

  • Wer sind wir (unsere Kompetenz)?
  • Wie sind wir (Gefühle/Emotionen, die man mit uns verbindet)?
  • Wofür stehen wir (unsere Werte)?
  • Was bieten wir (Nutzen-Versprechen/added value)?
  • Wie treten wir auf (nach innen und nach außen – unverwechselbares Bild/Design)?
  • Was macht uns als Unternehmen einzigartig und attraktiv für potenzielle Bewerber?
  • Warum gerade wir und nicht andere Mitbewerber?
  • Was sind unsere Stärken/Besonderheiten als Arbeitgeber?
  • Wie müsste ein Bewerber sein, damit er optimal zu uns passt?
  • Was sagt dies über uns als Unternehmen aus?
  • Hat dies auch Zukunft? Oder wäre es eher nur ein Prolongieren eines in der Vergangenheit geeigneten Verhaltens/Tuns, das heute bzw. morgen eher ein Nachteil für uns als Unternehmen sein könnte? Woran könnten wir dies konkret erkennen und beobachten?

3. Schritt: Zielgruppe bestimmen

Wenn Sie die - zugegeben nicht ganz einfachen - Fragen oben unter Punkt 2 klar beantworten konnten (dann sollte auch die Arbeitgebermarke definiert sein), können Sie sich als nächsten Schritt überlegen, welche Zielgruppe(n) - künftige Bewerber - Sie konkret mittels welcher stimmigen Botschaft ansprechen und erreichen wollen.

4. Schritt: Praktische Umsetzung und Evaluierung des Employer Branding

Als vierter und „letzter“ Schritt erfolgt die praktische Umsetzung und laufende Steuerung sowie Evaluierung des Employer Branding Prozesses.

Mitarbeiter und Führungskräfte als Marken-Botschafter

Falls Ihnen dieser oben skizzierte Prozess doch ein wenig zu aufwendig erscheint, können Sie sich auch Folgendes kurz überlegen:

  • Sind meine/unsere Führungskräfte sowie Mitarbeiter Marken-/Sinn-Botschafter nach innen und außen und somit Vermittler eines attraktiven Arbeitgeber-Bildes für potenzielle Bewerber?

Wenn ja, dann Respekt. Wenn nein oder jein, dann ist zu klären, warum dies nicht so ist und wie Sie dies baldmöglichst ändern können. Möglicherweise könnte es eventuell auch am Chef/Unternehmer selbst liegen, da dieser Führen durch Vorbild und Glaubwürdigkeit zu wenig authentisch lebt.

Nachhaltiges Employer Branding ist keine schnelle Marketing-Maßnahme, sondern tagtäglich gelebte glaubwürdige Unternehmenskultur bei Sonnenschein wie auch stürmischem Schlechtwetter. Dies erklärt auch, warum manche Unternehmen ohne besonderes Bewerbermarketing trotzdem attraktiv und erfolgreich sind. Die über viele Jahre von Respekt und Fairness geprägte sowie tatsächlich gelebte Unternehmenskultur spricht für sie. Und es darf trotz Web 2.0 und Social Media keinesfalls übersehen werden, dass die besten (Sinn- und Marken-)Botschafter - neben den Managern – immer noch die eigenen Mitarbeiter sind. Denn diese erzählen zu Hause, bei Verwandten, Freunden, Nachbarn, Bekannten, Kollegen, am Stammtisch, was wirklich im Unternehmen läuft und können so jede noch so teure und gut gemeinte „Hochglanz-Werbekampagne“ zu Nichte machen, wenn diese nicht dem Alltag im Unternehmen entspricht.

Die folgende Abbildung zeigt, wie der Prozess des „Employer Branding“ ablaufen kann:

“Employer Branding Prozess“ (Dauer: ca. 18 – 24 M.)

Employer Branding

(© Dr. Siegfried Lachmair / Linz / 2013)

(Artikelbild: © Yuri Arcurs - Fotolia.de)